Bezirksgericht Dietikon

In Geroldswil flogen sie auf: Nun wurden die beiden Pneudiebe des Landes verwiesen

Ein Automechaniker und ein Elektrotechniker haben sich in verschiedenen Tiefgaragen bedient: Sie klauten Reifen und Felgen im Wert von 34 500 Franken.

Am 20. November – auf den Tag ein Jahr nach ihrer Festnahme – werden zwei Pneu- und Felgen-Diebe aus dem Gefängnis entlassen und unverzüglich nach Serbien abgeschoben.

An einem Mittwochnachmittag im November letzten Jahres hatte die Polizei in einer Sammelgarage in Geroldswil zwei Männer auf frischer Tat ertappt: Die beiden wollten gerade vier Reifen samt Felgen, ein elektronisches Spielzeugauto und einen Transport-Rolli mitlaufen lassen. Die Polizei nahm die zwei Serben in U-Haft.

Der 36-jährige Automechaniker und der 49-jährige Elektrotechniker schwiegen nicht lange. Sie gestanden, sich seit etwa Oktober in verschiedenen Sammelgaragen mit Reifen samt Felgen selbst bedient zu haben. Dies vorwiegend in Winterthur und in Zürich.

Die genauen Zeitpunkte ihrer Taten und die Lage der aufgesuchten Garagen konnten sie nicht bezeichnen. Da die Diebstähle gemeldet worden waren, konnte die Polizei ihnen diesbezüglich jedoch auf die Sprünge helfen. So kamen dann insgesamt 17 Objekte zusammen. Ob weitere Garagen von den zwei Kriminal-Touristen heimgesucht worden waren, konnte nicht nachgewiesen werden.

Kein Sachschaden angerichtet

In die Garagen, die sie als ihre Auto-Zubehör-«Shops» nutzten, waren die Männer jeweils entweder kühn durchs Mehrfamilienhaus gelangt. Oder sie hatten einfach darauf gewartet, bis sie bequem durch ein offenes Garagentor ins Innere spazieren konnten. Bezüglich Sachschaden haben sie also ein lupenreines Gewissen. Was die Beute betrifft, so summierte sich deren Wert auf 34 500 Franken. Von elf Wagen – unter anderem Audi, BMW, Skoda, Lexus – haben die Täter je vier Reifen samt Felgen entwendet, aus zwei weiteren Garagen einmal Reifen ohne Felgen und einmal nur die Felgen. Erbeutet haben sie überdies zwei Dach- und einen Veloträger, zwei Dachboxen, einen Kinderwagen, ein elektronisches Spielzeugauto und einen Transportrolli. Mehrere dieser Beutestücke konnten von der Polizei sichergestellt werden.

Die Untersuchungsbehörde arbeitete schnell. Bereits sieben Monate nach der Festnahme lag die Anklageschrift vor. Beschuldigt des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls beantragte der Staatsanwalt für jeden der beiden eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren; die Hälfte davon sei zu vollziehen.

Unterstützt von ihren amtlichen Verteidigern akzeptierten die Täter den Vorschlag. Somit musste das Gericht unter Vorsitz von Präsident Stephan Aeschbacher in einem abgekürzten Verfahren lediglich darüber entscheiden, ob der Vorschlag zum Urteil erhoben werden kann oder ob etwas dagegen spricht.

Die Beschuldigten befinden sich seit Juni im vorzeitigen Strafvollzug in zwei unterschiedlichen Gefängnissen. Der Jüngere hat eine geringfügige Vorstrafe aus dem Jahr 2018 in seiner Heimat; der Ältere mehrere Vorstrafen in Österreich, die aber schon länger zurückliegen. Sie wurden von der Polizei in Handschellen vorgeführt.

Die beiden Diebe wollen in ihrer Heimat arbeiten

Es gehe ihnen gut, sagten die beiden Diebe auf die entsprechende Frage des Richters. Zu ihren Angehörigen in Serbien hätten sie telefonischen Kontakt. Der 36-Jährige ruft regelmässig seine Eltern, die Schwester und eine Kollegin an. Der 49-Jährige seine Frau und die Kinder.

Die Familien von beiden wüssten sehr wohl, dass sie im Gefängnis sind. Auch weshalb? «Das nicht», liessen beide übersetzen. Und warum nicht? Es seien ja jeweils nur kurze Gespräche und da sei keine Zeit, das Warum zu erklären, tönte es unisono. Auch bezüglich der Zukunftspläne sind sie sich einig: Nach Hause und dort arbeiten. Ergänzend gibt der Ältere an, dass er ein Baugeschäft habe, das zurzeit allerdings ausser Betrieb sei.

Nach einer fast einstündigen Beratung erhebt das Gericht den Vorschlag zum Urteil: zwei Jahre Freiheitsstrafe, davon eine bedingt auf zwei Jahre und zehn Jahre Landesverweis. Nachdem die Verurteilten bereits seit rund neun Monaten in Haft sind, ist deren Ende absehbar: Am 20. November – auf den Tag ein Jahr nach ihrer Festnahme – werden sie entlassen. «Und dann?», will der 49-Jährige wissen. «Dann werden Sie unverzüglich in Ihre Heimat abgeschoben», klärt ihn Stephan Aeschbacher auf.

Meistgesehen

Artboard 1