Mit zahlreichen Einkaufstüten beladen, biegen Gülcan Karagöz und Marisa Ferreira freudestrahlend in das nächste Geschäft ein. Es ist kurz nach 20 Uhr – vor den Freundinnen liegen noch zwei weitere Stunden Night Shopping im Shoppi Spreitenbach. Karagöz ist Mutter von zwei Kindern und findet daher zu normalen Öffnungszeiten selten Zeit, um einkaufen zu gehen. «Heute passt mein Mann auf die Kinder auf und ich freue mich auf einen entspannten Shoppingtrip», sagt die 36-Jährige.

Marisa Ferreira wollte ihrer Freundin an diesem Abend eigentlich nur beratend zur Seite stehen, schleppt aber nun noch mehr Taschen mit sich herum als Karagöz selbst. «Wir sind wohl dem Kaufrausch erlegen», sagt Ferreira.

Die Aktion des Shoppi, zweimal im Jahr bis um 22 statt 20 Uhr geöffnet zu haben, finde sie sinnvoll. «Die Geschäfte im Shoppi müssen aber nicht jeden Freitag so lange geöffnet bleiben», so die Neuenhoferin. Dann würde nicht nur der Reiz am Night Shopping verloren gehen, sondern auch die Motivation der Verkäuferinnen.

Tatsächlich freuen sich nicht ganz alle über die verlängerten Öffnungszeiten an diesem Freitagabend. Während der Besucheransturm immer grösser wird, verschlechtert sich die Laune einiger Verkäufer und Verkäuferinnen zunehmend. Der ständige Blick auf die Uhr verrät das Erhoffen eines baldigen Feierabends. Liliana Lorente und Marina Kovacevic arbeiten in «The Gallery», einem der Läden auf der Übergangspassage im Shoppi. Sie verkaufen Kleidung, Taschen und Schmuck. Die gedämpfte Stimmung, die viele ihrer Kollegen an den Tag legen, können die beiden Verkäuferinnen nicht nachvollziehen.

«Es ist alles eine Einstellungssache. Wir sehen das Night Shopping positiv und haben daher auch gute Laune», sagt Lorente. Es sei ja schliesslich nur zweimal im Jahr Night Shopping. «Ich gönne es vor allem jenen Kunden, die sonst nicht zum Einkaufen kommen», so Kovacevic.

Dass in anderen Geschäften am Night Shopping weniger gute Stimmung herrscht, dafür hat Lorente eine Erklärung. «Viele Angestellte haben Angst, dass es nicht bei den aktuellen Ladenöffnungszeiten bleibt und die Läden bald jeden Freitag bis 22 Uhr geöffnet bleiben.» Die 16-jährige Vjollea Ademi aus Brugg ist selbst im Verkauf tätig und kann den Unmut einiger Angestellten nachvollziehen.

Dennoch geniesst sie es, einmal nicht selbst hinter dem Verkaufstresen stehen zu müssen und selbst einkaufen zu können. «Meine Arbeitszeiten lassen es nicht zu, unter der Woche oder am Samstag einkaufen zu können», sagt sie.

Der um zwei Stunden verlängerte Shopping-Spass lockt mehrheitlich junges Publikum nach Spreitenbach, das den Feierabend mit einer Einkaufstour ausklingen lassen will. Mittlerweile ist es 21 Uhr und Sacha Wernli und Pascal Schaerer aus Wohlen sind auf ihrer Suche nach Sommerbekleidung bereits fündig geworden. «Wir haben am Samstag immer Schule, die Shopping Night kam wie gerufen», so Wernli. Da er nächste Woche in die Ferien verreise, sei es höchste Zeit gewesen, sich kurze Hosen zu kaufen, sagt der 21-Jährige.

Auch der 33-jährige Agim Aliu kennt das Problem, am Wochenende keine Zeit zum Einkaufen zu haben. Er arbeitet jeden Samstag und Sonntag. «Ich brauche nun dringend bunte Frühlingsklamotten und bin im Shoppi noch immer fündig geworden», so Aliu. Dann verschwindet er wieder im Getümmel. Schliesslich bleibt ihm nur noch knapp eine Stunde, um seinen Kleiderschrank sommertauglich zu machen.

Bis kurz vor 22 Uhr deutet nicht viel auf ein Ende des Night Shoppings hin. Nicht einmal die halb heruntergelassenen Gitter der Läden halten besonders Shoppingwütige davon ab, noch schnell ins Geschäft zu huschen. Schliesslich gilt es, kein günstiges Produkt zu verpassen. Keine Frage, das Shoppi Tivoli hätte noch lange offen bleiben können.