Der Duft von süssem Gebäck liegt in der Luft. Eine Seniorin dreht Kügelchen aus Teig. Sie landen im heissen Waffeleisen. «Der Profi ist dran», sagt der 17-jährige Denis Hoxha. Er befördert die frischen Waffeln mit dem Pfannenwender in eine Plastikbox. Die 92-jährige Berta Meier stupst ihn am Arm, zeigt auf den Teig und sagt: «Komm, wir machen weiter.» Neben ihnen am Tisch spielt Valerio Passalacqua mit der Seniorin Eva Greutert Mühle. Er schnappt sich zwei Waffeln. Bevor er reinbeisst, schaut er zu seiner Spielpartnerin. «Wollen Sie auch eine?», fragt er. Sie nickt und Valerio reicht ihr das Gebäck. «Vorsicht, es ist heiss.»

So viele junge Besucher aufs Mal haben die zehn Bewohner des Wohn- und Pflegeheims Egelsee in Bergdietikon noch nie gehabt. 14 Schüler und eine Schülerin der Berufswahlschule Bülach verbrachten den ganzen Donnerstag mit ihnen. Dies taten sie im Rahmen eines Schulprojekts. «Es ist vorgesehen, dass wir ein persönliches Vorhaben selbst planen und durchführen», sagte Assan Sowe. Seine Klasse vereine viele Nationen wie etwa Italien, Pakistan, Sri Lanka, Albanien, Mexiko und Serbien. «Deshalb kam uns die Idee, Senioren unsere Kulturen näher zu bringen», sagte der 17-jährige Gambier. Die Jugendlichen versuchten über Gespräche, Musik und landestypische Spezialitäten den Senioren einen Einblick in ihre Kultur zu verschaffen. Zum Highlight gehörten die Hip-Hop-Tanzeinlagen einiger Berufswahlschüler. Sie hatten dafür im Sportunterricht extra eine Choreografie einstudiert.

Früher Walzer, heute Hip-Hop

Gespannt verfolgten die Senioren die Darbietungen. «Wir haben früher halt Salsa und Walzer getanzt», sagte Berta Meier. Der 91-jährige Ernst Frischknecht hätte gerne mitgemacht. «Doch meine Beine wollen nicht mehr.» Er und die restlichen Bewohner freuten sich über den Besuch. «Es ist nicht üblich, dass junge Leute etwas für alte Menschen machen», sagte Elsbeth Berner. Auch Vreni Tschümperlin gefiel das Tagesprogramm. «Das ist einmal etwas anderes. Im Alter wird man zum Stubenhocker. Es ist deshalb schön, dass die Jungen zu uns kommen.»

Ein positives Fazit zieht auch Klassenlehrer Boris Sabolovic. «Ich bin stolz auf sie. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut auf die Senioren eingehen können.» Die Jugendlichen sind etwas kritischer mit sich. «Die Choreografie hätten wir besser hinbekommen können», sagte Assan Kewo. Der Besuch in Bergdietikon brachte aber auch Erkenntnisse. «Die Planung ist sehr wichtig. Man kann nicht genug früh damit beginnen», meinte Ethian Kuchynka. Und Florin Ionescu konnte seine Meinung über ältere Menschen revidieren. «Ich dachte, dass sie sich gar nicht für uns interessieren. Das Gegenteil war der Fall.» Der Besuch der Schüler soll nicht der letzte dieser Art im Bergdietiker Heim gewesen sein. Zumindest wenn es nach Heimleiter Martin Schmidt geht. «Die Bewohner haben Freude am Austausch. Wir werden uns bemühen, dass solche Treffen wieder stattfinden.»