Bezirksgericht

Hund beisst Katze tot: Hundehalter freigesprochen

Während der Verhandlung fiel der Beschuldigte dem Richter immer wieder ins Wort.(Symbolbild)

Während der Verhandlung fiel der Beschuldigte dem Richter immer wieder ins Wort.(Symbolbild)

Das Bezirksgericht Andelfingen spricht von einem Unfall, ermahnt aber die Hundehalter zur Aufmerksamkeit.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis der Beschuldigte den Richter zum ersten Mal unterbrach: «Ich bin nicht dafür, verurteilt zu werden», sagte er gestern vor dem Bezirksgericht Andelfingen. «Die Busse zahle ich nicht.» Der Einzelrichter war noch nicht einmal dazu gekommen, das Verfahren zu erläutern. Da fuhr der Beschuldigte emotional dazwischen: «Ich bin schon richtig geladen.»

Vor Gericht stand der 40-Jährige aus der Region Winterthur, weil er gegen einen Strafbefehl des Statthalteramts Einsprache erhoben hatte. Das Amt hatte ihn wegen Übertretung des Tierschutz- und des Hundegesetzes mit einer Busse von 500 Franken bestraft und ihm Gebühren von 430 Franken auferlegt. Damit war der Mann, der in Jeans und weissem T-Shirt vor dem Einzelrichter erschien, nicht einverstanden.

Passiert war es im Sommer 2019. Kurz vor 2 Uhr morgens liess der Beschuldigte die drei Hunde seines Wohnpartners in den umzäunten Garten, damit sie ihr Geschäft verrichten konnten. Dabei waren die Tiere, zwei Grey- und ein Deerhound, nicht angeleint. Einer der Greyhounds entdeckte eine Katze, jagte sie und biss sie tot. Der Beschuldigte versuchte zwar noch, das Tier mit Schlägen davon abzubringen, es half jedoch nichts. Daraufhin meldete er sich selbst bei der Polizei.

Den Sachverhalt bestritt er nicht. Weshalb er jedoch dafür bestraft werden sollte, dass seine Hunde auf der eingezäunten Wiese seines Gartens frei herumliefen, sehe er nicht ein, betonte er immer wieder. «Die Katzen dürfen überall rein. Wo ist hier die Aufsichtspflicht der Katzenhalter?», fragte er. Hundehalter müssten «für jeden Scheissdreck» eine Hundesteuer zahlen, Katzenhalter hingegen nicht. Er werde gerade wieder «stinkhässig».

Statt, wie in einem Gerichtsverfahren üblich, den Beschuldigten zuerst zu seiner Person zu befragen, ging der Richter gleich zur Sache über: «Damit Sie Ihre Ladung loswerden können», wie er sagte. Der Wohnpartner des Beschuldigten nahm die Windhunde bei sich auf, nachdem diese in Irland nicht mehr für Hunderennen hatten eingesetzt werden können und in einer Auffangstation gelandet waren.

Gewissermassen ein Katzenhasser

Es seien spezielle Hunde, räumte der Beschuldigte ein. Zu Hause seien sie ruhig, anspruchslos und deshalb geeignet für Hundehalter-Anfänger. «Sie ziehen auch nicht an der Leine.» Doch sie hätten einen extremen Jagdtrieb, «das bringt man nicht mehr weg». In der Öffentlichkeit seien die Hunde deshalb immer angeleint.

Wenn er die Hunde in den Garten lasse, dann prüfe er in der Regel vorher immer, ob eine Katze oder sonst ein Tier da sei. «Ich mache das Licht an und klatsche ein paar Mal in die Hände.» Doch dieses eine Mal habe er es nicht getan. «Das könnte man mir vorwerfen.»

Ob er ein Katzenhasser sei, wollte der Richter wissen. «Nein», sagte der Beschuldigte zuerst. Und dann: «Doch, in gewissem Sinne bin ich einer, weil Katzenhalter alles dürfen und Hundehalter immer die Dummen sind.» Schliesslich seien die Katzen selbst schuld, wenn sie in den Garten kämen.

Trotzdem müsse der Hundehalter dafür sorgen, dass weder Mensch noch Tier zu Schaden kämen, entgegnete der Richter. «Was soll ich denn machen?», fragte der Beschuldigte. Er könne die Tiere fürs Pipimachen im eigenen Garten ja nicht auch noch anleinen.

Während der Verhandlung fiel der Beschuldigte dem Richter immer wieder ins Wort. Einmal echauffierte er sich derart, dass er den Gerichtssaal verliess, «um eine zu rauchen», wie er sagte. Sein Wohnpartner war als Zeuge geladen. Dieser bezeichnete die Verhandlung als «das Lächerlichste», was er je erlebt habe. «Dass man deswegen überhaupt ein Verfahren macht.» Auf seinem eingezäunten Grundstück habe eine Katze nichts verloren.

Vom Vorschlag des Richters, die Busse in eine Spende für eine Katzenorganisation umzuwandeln, wollten beide nichts wissen. Am Ende kam es trotzdem zu einem Freispruch. «Wir betrachten den Vorfall als Unfall.» Der Beschuldigte könne weder für das Verhalten des Hundes verantwortlich gemacht werden, noch habe er fahrlässig gehandelt. Trotzdem mahnte der Richter: «Seien Sie in Zukunft wieder aufmerksamer.»

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