200 Meter sind die Bergleute auf der Regensdorfer Seite des Gubrists bisher vorgedrungen. Noch 2800 Meter haben sie vor sich, bis sie 2019 in Weiningen das letzte Stück Berg durchbrechen. Den wackeren Arbeitern zur Seite steht die irdische Vertreterin der heiligen Barbara, Tunnel-Patin Maya Grossmann. Die Wirtin des Weininger Restaurants Linde besucht jeweils die Bauarbeiter und bringt ihnen zur Stärkung auch feine Sandwiches vorbei. Am Donnerstagabend präsentierte sie nun ihren neusten Coup: Sie hat das alte Metzgerstübli der «Linde» neu in Gubrist-Stübli umbenannt.

Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP), den der Gubrist nun schon seit 15 Jahren intensiv beschäftigt, freute sich: «Das Gubrist-Stübli ist für mich ein Meilenstein, um den Gubrist in absehbarer Zeit wieder in ein positives Licht zu setzen», sagte er bei der feierlichen Eröffnung, die für den ersten Grossandrang im Gubrist-Stübli sorgte. Haug hofft, dass der Gubrist, wenn alle drei Tunnelröhren in Betrieb sind, nicht mehr für den Autobahn-Stau bekannt ist – sondern als Hügel mit Rebbergen.

«Die Idee zur Umbenennung des Stüblis ist aus einem Spruch entstanden», erzählte Maya Grossmann. Der Unterengstringer Max Dill habe sie letzten Herbst gefragt, warum sie kein Gubrist-Stübli mache. Und schon wuchs die Idee zu einem richtigen Plan heran, für dessen Umsetzung Grossmann Andreas Pape von der Pape Werbe AG mit ins Stübli holte. Seine Firma hat diverse Gubrist-Bilder der Weininger Dorf-Fotografin Esther Haug aufbereitet, ausgedruckt und im Stübli aufgehängt. Die Bilder zeigen wichtige Momente wie etwa die erste Sprengung. Bewusst wird aber noch Platz für weitere Bilder freigelassen, wie Pape erklärte. So werden dann 2019 auch Bilder von der Durchbruch-Feier mit einem Platz an der Stübli-Wand geehrt.
Nicht fehlen durfte auch Gemeindeschreiber Bruno Persano. Er hatte Maya Grossmann dem Bundesamt für Strassen (Astra) als Tunnel-Patin vorgeschlagen. Auch mit dabei: «Linde»-Eigentümer René Sommer sowie Vertreter der Baufirma Marti und zahlreiche weitere illustre Gäste.

Astra-Direktor will Stübli besuchen

Astra-Direktor Jürg Röthlisberger konnte an der Stübli-Eröffnung nicht dabei sein: Er musste am Donnerstagabend in Genf die Ausbauprojekte für die Genferseeregion vorstellen. «Gerne werde ich gelegentlich einen Abstecher in Ihr Gubrist-Stübli machen», liess er Grossmann aber im Vorfeld wissen – mittels eines E-Mails, in dem er sich auch für ihr grosses Engagement zugunsten des Gubrist-Ausbaus bedankte. Auch von der gefällten Linde vor dem Restaurant Linde wusste der Astra-Direktor Bescheid. «Die Linde ist nicht mehr, hat Sie ja ein Leben lang begleitet, hätte wohl aus Ihrer Kindheit so einiges zu erzählen gehabt und musste nun der Zukunft weichen. Ein Schicksal, das wir alle früher oder später mit der Linde zu teilen haben», zitierte Grossmann aus Röthlisbergers E-Mail, derweil auf dem Baumstrunk vor dem Restaurant eine rote Kerze und Blumen an die gefällte Linde gemahnen, die durch eine neue ersetzt wird.

Auch Stammgäste feierten mit, so etwa Hansueli Leemann, Präsident der Männerriege, die jeden Donnerstag nach dem Turnen in der «Linde» einkehrt, oder das Jassgrüppli, das schon seit Jahrzehnten in der «Linde» zu Gast ist. Von Jasser Andy Köhler erhielt Grossmann einen Stein, den er am 24. Februar 1982 um 15.25 Uhr von der Gubrist-Baustelle 600 Meter tief im Berg mitnahm. Gut möglich, dass im Gubrist-Stübli schon bald eine Vitrine mit Gubrist-Reliquien steht und dass man nun im dort sitzen statt im Gubrist-Stau stecken bleibt.