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«Gewisse Dinge kann man nicht in Worte fassen»: Wie Bettina Eberle mit Kunst Menschen hilft

Im Atelier von Bettina Eberle wird gemalt, modelliert und collagiert.

Im Atelier von Bettina Eberle wird gemalt, modelliert und collagiert.

In ihrem Atelier beim Farbhof macht Bettina Eberle Maltherapien und leitet Malgruppen. Seit 2013 hat sie ihre eigene Praxis und therapiert mit Kunst Menschen. Entdeckt hat sie ihren Beruf aber eher per Zufall.

An der Grenze zu Schlieren, beim Farbhof, wird gemalt, modelliert und collagiert. Es entsteht Kunst im Atelier von Bettina Eberle. Die 41-Jährige ist Mal- und Gestaltungstherapeutin. Sie hilft Menschen, ihre Gedanken aufs Papier zu bringen: «Gewisse Dinge kann man nicht in Worte fassen. Da hilft es, über das kreative Arbeiten eine alternative Möglichkeit zu haben, um sich auszudrücken.» Es komme jeweils auf die Person an, was man bearbeite. Ton zum Beispiel eigne sich gut für Wut-, Angst- oder Trauerthemen, da das Material einem erde, erklärt Bettina Eberle. Vielen sei das Malen jedoch näher, weil es etwas sei, dass man von klein auf kenne. Aber nicht nur Menschen mit Sorgen kommen in ihr Atelier: Wenn man in Gemeinschaft malen will, kann man auch bei Eberle vorbeischauen, sie leitet Workshops und Malgruppen.

An ihrem Beruf gefällt Eberle unter anderem, dass sie direkt Rückmeldung von ihren Klienten erhält: «Wenn jemand am Ende der Sitzung sagt, dass er im Vergleich zu vor der Sitzung eine Veränderung wahrnimmt, ist das für mich eine wertvolle Rückmeldung.»

Yoga und Natur sind ein Ausgleich zur Arbeit

In ihrer Freizeit arbeitet Eberle selbst gerne kreativ: «Teilweise ist es schwierig, abends aus dem Atelier zu kommen. Ich gerate dann in so einen Fluss und will gar nicht aufhören zu arbeiten.» Ihre Leidenschaft macht sich bemerkbar. Sie konnte ihre Bilder schon mehrmals ausstellen, unter anderem im «Hilton» beim Flughafen Zürich. Ausstellungen seien aber zurzeit nicht geplant, da ihr die Zeit fehle.

Den Ausgleich zur Arbeit sucht sie im Yoga und in der Natur: «Als Therapeutin bin ich für andere Menschen da und werde mit schwierigen Lebenssituationen konfrontiert. Es ist wichtig, dass ich einen Gegenpol habe und meine innere Balance finde. Beim Yoga kann ich das am besten.» Auch wenn Eberle schon immer gerne gemalt hat, so hat sie ihren Beruf eher per Zufall entdeckt. Ein Gespräch mit einem Nachbarn habe sie darauf aufmerksam gemacht. Nachdem sie sich über das Thema informiert hatte, entschied sie sich schliesslich für ein Maltherapiestudium. Seit 2013 führt Eberle ihre eigene Praxis und ist selbstständig. Daneben arbeitet sie seit 2017 Teilzeit in einer Festanstellung, wegen welcher sie, zumindest im Limmatfeld in Dietikon, gekannt und geschätzt wird. Im dort ansässigen Alters- und Pflegezentrum leitet sie zwei Malgruppen und singt mit den Bewohnern.

Während des Lockdowns musste Eberle ihre Therapie­einrichtung schliessen: «Für gewisse meiner Klienten war es sehr schwierig, da sie von heute auf morgen mit ihren Ängsten allein zuhause gelassen wurden. Sie brauchen nun Zeit, das ­Erlebte aufzuarbeiten.» Damit die Leute sich zuhause trotz-
dem kreativ betätigen konnten, hat sie Malvideos erstellt. «Das Feedback war sehr positiv.
Die Leute hatten Freude, dass sie etwas sinnvolles zu tun ­hatten.»

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