Business-Idee
Für Onlineshop rattern ihre Nähmaschinen manchmal sogar nachts

Vom Hobby zur Businessidee: Fünf Freundinnen nähen Kinderkleider und alles, was die Kundschaft sonst an Wünschen und Ideen an sie heranträgt.

Melanie Kollbrunner
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Sie nähen mit bunten Stoffen: Nicole Eicher, Sybille Heiniger, Corinne Graber und Claudia Gutknecht (von links).

Sie nähen mit bunten Stoffen: Nicole Eicher, Sybille Heiniger, Corinne Graber und Claudia Gutknecht (von links).

Johanna Bossart

Kinderkleider, Aufbewahrungsboxen für den Wickeltisch, Velotäschlein und alles, was die Kundschaft sonst noch an Genähtem im Sinn hat: Man findet es auf vommami.ch. «Spezialisiert sind wir auf die ganz individuellen Dinge», sagt Claudia Gutknecht aus Neftenbach. Die Kundschaft, das sind meist Mamis – wie die Firmengründerinnen.

Am Anfang, lange bevor vommami.ch online ging, stand die Nähmaschine, die Claudia Gutknecht von ihrer Schwiegermutter geschenkt bekommen hatte. Nun war sie Besitzerin einer Overlockmaschine, mit der alles viel einfacher war: Saubere Nähte gelingen damit besser und schneller als mit den herkömmlichen Maschinen. Ihre beiden Kinder trugen fortan Mamis Kreationen. Die gefielen auch Freunden und Bekannten, schon war die Nachfrage geboren.

Gefallen an der Idee und Umsetzung fand auch Sibylle Heiniger, die im gleichen Quartier wie Claudia Gutknecht wohnt. «Wir sind die Generation von Mamis, die gerne vielerlei nebeneinander machen», sagt sie. Die beiden begannen, ihre Ware nicht nur im Bekanntenkreis, sondern auch auf verschiedenen Märkten zu verkaufen.

Nach und nach kam Verstärkung hinzu. Heute sind die fünf Heimwerkerinnen zufrieden und wollen die Gruppe vorerst nicht weiter vergrössern. «Wachsen muss das Geschäft nicht», sagt Nicole Eicher aus Winterthur, die Claudia Gutknecht im Geburtsvorbereitungskurs kennen gelernt hat. «Wir freuen uns natürlich über jede einzelne Bestellung, aber viel mehr Kapazität ist da nicht mehr.»

Der Shop läuft gut, so gut, dass manchmal auch nachts die Nähmaschinen rattern. Fünf, da sind sich die Frauen einig, sei eine gute Zahl. Wären es mehr, würde auch der organisatorische Aufwand grösser. Genäht wird inzwischen in jeder freien Minute. Während die Waschmaschine läuft, das Mittagessen im Topf schmort, die Hausaufgaben gemacht werden. Und natürlich, wenn die Kinder im Bett sind.

Ein Teil der Frauen ist neben der Mutterrolle und dem Nähen zudem arbeitstätig geblieben. Alle haben kaufmännische oder soziale Berufe gelernt, das Nähen haben sie sich selber beigebracht. «Finanziell lohnt sich das Ganze nicht wirklich», sagt Claudia Gutknecht. Dafür müssten die Preise höher sein. Die eigene Zeit, die Schnittmuster und Stoffe aus Geschäften in der Region, das alles hat seinen Preis.

Die fünf Freundinnen haben zusammengerechnet elf Kinder. Zusammenrechnen ergibt Sinn, schliesslich teilen sich die Frauen ihre Zeit. Spätestens, seit sie mit dem Laden im Netz auch beruflich miteinander verbunden sind. Die Lieferfristen von zwei Wochen wollen sie strikt einhalten.

Ihre Facebook-Seite mit knapp 1500 «Likes» aktualisieren sie fast täglich. Kommuniziert wird in einer Chat-Gruppe oder bei einem der heiteren Kaffeetreffen, wie an diesem Vormittag bei Claudia Gutknecht zu Hause. «Claudia ist unser Zugpferd», sagt Corinne Graber. In der Runde fehlt Daniela Porcelli, sie lebt als Einzige nicht in der Nähe Winterthurs und hat einen weiteren Weg.

«Wir teilen alle Bestellungen untereinander auf. Jede greift zu, wie es zeitlich gerade drinliegt», sagt Corinne Graber, «spezialisiert auf ein Produkt ist keine von uns.» Alle machen alles, so gestalte sich auch der Job spannender. Das Projekt macht den Frauen sichtlich Spass. Während sie ein paar Bestellungen durchschauen oder das neue Logo begutachten, ist viel Begeisterung zu spüren. Um die Freundschaften machen sich die Frauen trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten keine Sorgen, im Gegenteil: «So ein gemeinsames Projekt schweisst enorm zusammen», sagt Corinne Graber. Ein gemeinsames Baby, sozusagen.

Und ein richtiger Laden, mit Türglocke und Tresen? «Das wäre mein Traum, am besten an der Marktgasse in Winterthur», sagt Nicole Eicher. Dafür fehle es derzeit nicht an Elan, aber an Zeit. «Wer weiss, was noch kommt, wenn die Kinder grösser sind?»

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