Dietikon
«Flussbalkone»:Die SVP spricht von einem Skandal

Das Projekt «Flussbalkone» von Stararchitektin Tilla Theus beim Kronenareal kommt noch immer nicht vom Fleck. Der Stadtrat bezogdeshalb erneut verbale Prügel.

Jürg Krebs
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Die "Flussbalkone" gaben zu reden.

Die "Flussbalkone" gaben zu reden.

Tilla Theus

Der Stadtrat hatte auf dem Kronenareal ein Projekt von Architektin Tilla Theus mit Namen «Flussbalkone» genehmigt, das nicht zonenkonform war. Die Teilrevision zur Legitimierung des Projekts wurde im September 2013 vom Stadtparlament nach einer emotionalen Debatte murrend genehmigt. Dies in der Hoffnung, dass der Stadtrat und Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) die Entwicklung dieses historischen und wichtigen Zentrumsareals endlich voranbringen.

Gemeinderat Samuel Spahn (Grüne) wollte mit seiner Interpellation, die von neun weiteren Gemeinderäten mitunterzeichnet worden war, Klarheit über das weitere Vorgehen schaffen. Die Antworten des Stadtrats zeigten aber auf, dass weiterhin der Wurm drin ist, sind doch weitere Probleme aufgetaucht. Es ist von einem «Massnahmekatalog zur Überarbeitung von Kronenliegenschaften» die Rede, weiteren Planungsarbeiten und einer Überarbeitung des Mehrfamilienhausprojekts «Flussbalkone».

Spahn sprach an der Parlamentssitzung von gestern Abend angesichts dieser Antwort von einem eigentlichen Planungsdebakel, das der Stadtrat verursacht zumindest zu verantworten hat. Er hätte erwartet, dass der Stadtrat ihm ein Datum für die Fertigstellung des Projekts mitteilt. Weiter ärgerte sich Spahn über die Verkaufsabsichten für die Liegenschaft Alter Bären. Zudem warf er dem Stadtrat vor, mit der versprochenen Attraktivitätssteigerung des Zentrums nicht vorwärts zu machen. Eine solche ist für das Gebiet «Krone» bis «Trio» vorgesehen. Immerhin erfuhr Spahn, dass frühestens 2016 Baubeginn für die «Flussbalkone» sei.

SVP-Gemeinderat Markus Erni wählte für seinen Ärger an der stadträtlichen Planung und Kommunikation noch deutlichere Worte als sein Vorredner: «Wenn wir nochmals alle Punkte Revue passieren lassen, können wir nur von einem veritablen Skandal reden.» Zum Beispiel seien die mit einem Rekurs behafteten Grenzabstände mit dem Nachbar für das Projekt «Flussbalkone» noch immer nicht geklärt. Im September habe der Stadtrat aber versichert, dass der Rekurs, der die Zonenänderung erst nötig gemacht habe, beigelegt worden sei. Dem Stadtrat riet er, endlich Klartext zu sprechen und die Karten offen auf den Tisch zu legen.

FDP-Gemeinderat Philipp Müller rief dazu auf, die Emotionen aus der Diskussion zu halten, goss dann aber selbst Öl ins Feuer, als er den Grünen Geldverschwendung vorwarf. Er forderte diejenigen auf, die Hoffnungen auf ein Kulturzentrum im Bereich Zehntenscheune und Alter Bären haben, diese endlich zu begraben. Letzterer sei früher auch schon ein Wohnhaus gewesen. Das könne er auch in Zukunft sein.

SP-Gemeinderat Manuel Peer gab sein Unverständnis über den Stadtrat Ausdruck den Alten Bären zu verkaufen. Ort und Liegenschaft seien zu wertvoll, um sie aus der Hand zu geben.

DP-Gemeinderat Martin Müller fragte ironisch, ob es jetzt um dieselbe Hochbauabteilung gehe, die im Geschäftsbericht von allen noch gelobt worden sei.

«Wir haben unsere Lehren gezogen», verteidigte sich Esther Tonini. Es sollen jetzt alle strittigen Punkte vertraglich abgesichert werden, bevor eine neue Baueingabe gemacht werde. Auf Gespräche und Beteuerungen der Beteiligten wolle man sich nicht mehr verlassen. So sollen weitere Überraschungen verhindert werden. Damit war die Diskussion gestern erledigt – vorläufig.

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