Waldweihnacht
Feiern im Wald mit Respekt: Förster bitten um ruhige Weihnachten

Gegen eine Waldweihnachtsfeier haben die Förster im Limmattal nichts einzuwenden – aber nur wenn Tier und Natur respektiert werden. Neben den Abstands- und Hygieneregeln gilt es darum, auch die Verhaltensregeln im Wald zu beachten.

Carmen Frei
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Mit Rücksicht auf Tiere und Natur kann auch dieses Jahr Waldweihnachten gefeiert werden. (Archivbild, 12.12.2016)

Mit Rücksicht auf Tiere und Natur kann auch dieses Jahr Waldweihnachten gefeiert werden. (Archivbild, 12.12.2016)

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Für das Weihnachtsfest rät das Bundesamt für Gesundheit (BAG) unter anderem zu Feiern im Freien, da so die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Nun warnen die Vereinigung Swiss Rangers und die Parkaufseher des Wildnisparks Zürich Sihlwald vor einer Zunahme von Waldweihnachtsfeiern und somit Unruhe in den Wäldern. Sie bitten die Bevölkerung, auf Natur und Tiere Rücksicht zu nehmen.

Ähnlich sehen es die Förster im Limmattal. Grundsätzlich möchten sie, dass die Bevölkerung mit Respekt in den Wald geht. Wie sich die Situation über die Festtage gestalte, sei schwer einzuschätzen, findet Felix ­Holenstein, Revierförster der Stadt Dietikon. Er rechne aber nicht mit einem grossen ­Ansturm oder grossen Schwierigkeiten. «Der Wald kommt damit klar, wenn an den bestehenden Feuerstellen Weihnachten ­gefeiert wird», meint er.

«Es ist doch schön, wenn man in dieser speziellen Zeit im Wald mit der Familie feiern kann.» Das Wild brauche jedoch seine Ruhe. ­Darum sei es wichtig, dass man auf das Wild Rücksicht nehme und auf den Wegen bleibe. «Die Leute sollen einfach alles wieder mitnehmen. Alle Fahrzeuge und strombetriebene Mittel sind im Wald sowieso verboten», erklärt er. Am besten solle man die Feier kurz mit dem Förster oder dem Waldbesitzer absprechen.

Bereits während des ganzen Jahres mehr Besucher

Roland Helfenberger vom Forstrevier Limmattal Süd erwartet klar mehr Personen im Wald. «Wir hatten schon im Frühling wesentlich mehr Leute», erklärt er. Wie das über die Festtage aussehen werde, wisse er nicht. Sorgen bereiten ihm der Abfall, der liegen bleibt, und die Störung der Wildtiere: «Es hat zu jeder Tages- und Nachtzeit Leute im Wald. Die Tiere haben keinen Rückzugsort mehr und keine Rückzugszeit.»

Das Jahr hindurch hätten sie bemerkt, dass mehr Personen im Wald gewesen seien. «Ich bin nun gespannt, ob die eine oder andere Familie im Wald Weihnachten feiert», sagt er. Wichtig sei einfach, dass man nur die bestehenden Plätze besuche und diese wieder so verlasse, wie man sie vorgefunden habe.

Besuch bei Tageslicht und an bestehenden Plätzen

Daniel Dahmen, der als Förster für das Gebiet Limmattal Nord zuständig ist, erwartet auch mehr Personen im Wald. «Das ist schon das ganze Jahr über so», sagt er. Sobald Freizeit- und Sporteinrichtungen geschlossen hätten, habe es mehr Waldbesucher. «Ich nehme an, dass das auch an Weihnachten zunehmen wird», meint er.

Allgemein spreche nichts gegen einen Waldbesuch: «Ein Besuch ist in Ordnung bei Tageslicht und wenn man die bestehenden Plätze nutzt.» Es solle alles, was hingebracht wurde, wieder mitgenommen und auf die Waldtiere Rücksicht genommen werden. «Wenn die Leute länger mit künstlichem Licht in der Dunkelheit dort bleiben, dann bedeutet das für die Tiere eine Beunruhigung und Einschränkung, die nicht nötig ist», sagt Dahmen. «Die Leute sollen sich bei Tageslicht im Wald aufhalten und an Orten, wo sowieso Leute unterwegs sind», rät er. Ausserdem solle sich niemand ins Unterholz begeben. «Dort wollen die Tiere zur Ruhe ­kommen.»

«Es war überall ein wenig die Rede davon»

Peter Muntwyler vom Forstrevier Heitersberg, das einen Teil von Bergdietikon umfasst, erwartet dieses Jahr auch die eine oder andere Gruppe, die Waldweihnachten feiert. «Es war überall ein wenig die Rede davon», meint er. Überrennt werde die Region vermutlich nicht. «Man ist ja so oder so im kleinen Kreis unterwegs», sagt er. Bei den kalten Temperaturen befürchte er nicht, dass nächtelang durchgefeiert werde.

«Am besten feiert man am späteren Nachmittag, nicht in die Nacht hinein und nicht mit Verstärkeranlagen», rät er. Auch ein Radio zähle bereits dazu. Gegen das Schmücken einer Tanne habe er nichts einzuwenden. Wichtig sei, dass alles wieder mitgenommen werde. «Wenn man gemeinsam einen Spaziergang in den Wald unternimmt, ist das kein Problem.»

Am besten feiert man am späteren Nachmittag, nicht in die Nacht hinein und nicht mit Verstärkeranlagen.

(Quelle: Peter Muntwyler, Forstrevier Heitersberg)

Auch Markus Byland, der als Förster für das Naturschutzgebiet Egelsee zuständig ist, sieht die Situation entspannt. «Vielleicht gehen Einzelne mit Geschenken hinauf», meint er. Es sei ohnehin mit einem grossen Aufwand verbunden, er rechne darum nicht mit Feiern. In den Wald zu gehen sei sicher nicht verboten, solange es im üblichen Rahmen sei. «Die meisten halten sich an die Regeln», sagt er. «Ich denke nicht, dass es Probleme geben wird.»

Peter Rieser, der als Förster für Unter- und Oberengstringen verantwortlich ist, findet Weihnachten draussen eigentlich eine schöne Sache. «Ich habe aber Mühe, wenn die Überreste dort bleiben und jede zweite Tanne geschmückt dasteht», sagt er. Wenn der Weihnachtsschmuck nicht wieder mitgenommen werde, sei das ein Problem. Auch die Störung des Wildes bereitet ihm Sorgen. «Wenn mitten im Wald ‹O du Fröhliche› gesungen wird, beunruhigt dies das Wild», meint er.

Es sei nicht ideal, wenn Tag und Nacht Betrieb herrsche. Da für Weihnachten schlechtes Wetter angesagt ist, hofft er aber auf wenig Andrang: «Die Versuchung ist dann minimiert.» Wenn Leute trotzdem im Wald feiern möchten, ist ihm wichtig, dass sie aufräumen. «Man soll es so hinterlassen, wie es von der Natur aus sein sollte.»