Dietikon
«Faszinierender» Kraftwerksausbau mit Renaturierung ist gestartet – die 13 Massnahmen im Überblick

Regierungsrat Markus Kägi war gestern auf der EKZ-Baustelle zu Gast, bei der es um weitaus mehr als nur Strom geht. Die Limmattaler Zeitung zeigt die 13 wichtigsten Massnahmen in der Übersichtskarte.

David Egger
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Um den Oberwasserkanal trockenzulegen: MIthilfe eines Pneukrans wird eine Spundbohle in den Boden der Grien-Insel gerammt.
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Symbolischer Baustart Kraftwerk Dietikon
Unter Vibrationen und viel Lärm frass sich das Metall immer weiter in den Boden.
«Spektakulär»: Einen derartigen Spatenstich habe er noch nie erlebt, sagte Kägi in seiner Rede (siehe Video).
«Wir sind hier in einer wachsenden Agglomeration, wo die Erhaltung landschaftlicher Qualitäten und die Bereitstellung von Erholungsräumen eine grosse Rolle spielen», sagte Kägi weiter..
Der Baustart war denn auch von grosser Bedeutung: Strom für 4500 Haushalte wird die Dietiker Wasserkraft künftig liefern.
Das sind 18 Prozent mehr als bisher, wie EKZ-CEO Urs Rengel anmerkte.
Als die Spundbohle dann im Boden war...
..wurde zur Feier des Tages das Spatenstich-Schild enthüllt.
Nach getaner Arbeit war die Freude sowohl bei Kägi als auch bei EKZ-CEO Urs Rengel (links) gross...
...so gross, dass Rengel beim Fototermin zu einem Spass aufgelegt war.
Passt kaum ins Bild: Der Pneukran, mit dessen Hilfe die Spundbohle in den Boden gerammt wurde.
Kägi bedankte sich bei Rengel.
Rengel wiederum bedankte sich in seiner Rede in erster Linie bei den Stromkonsumenten.
Auch aus der Limmattaler Politik war ein Gast zu verzeichnen: Markus Nydegger, der Werkvorsteher von Unterengstringen.
Mit Nydegger traf Kägi am Spatenstich also auf einen Parteikollegen.
Auch ihr stand die Freude ins Gesicht geschrieben: EKZ-Sprecherin Annette Hirschberg.
Markus Kägi nutzte die Chance vor Ort, auch mit den engagierten Bauarbeitern fachzusimpeln.
Und Action: Auch der leidenschaftliche Dietiker Fotograf Anton Scheiwller war vor Ort.
Zu Beginn der Feier deckte die EKZ die Gäste mit Gummistiefeln, Ohropax, Westen und Helmen aus.
Danach wurden die Gäste mit Kaffee und Gipfeli gestärkt...
...ehe dann der Marsch zur Spundbohlen-Rammung losging.
Aufgeschnappt: Regierungsrat Kägi hat übrigens die Gummistiefel-Grösse 44.
«Die technische Faszination, die von diesem Bauvorhaben ausgeht, nimmt uns alle gefangen», sagte Kägi in seiner Rede.
Kägi wies zudem darauf hin, dass Wasserkraft etwas Ur-Schweizerisches sei.
Nach dem feierlichen Akt ging es dann zurück ins EKZ-Gebäude zum Apéro.

Um den Oberwasserkanal trockenzulegen: MIthilfe eines Pneukrans wird eine Spundbohle in den Boden der Grien-Insel gerammt.

David Egger

Viel Lärm gestern auf dem Inselarm zwischen Limmat und Oberwasserkanal bei Dietikon: Mithilfe eines Pneukrans wurden dort Metall-Wände, sogenannte Spundbohlen, in den Boden gerammt. Weitere folgen noch, um den Kanal für den Ausbau des Kraftwerks der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) trockenzulegen. Die Einrammung diente zugleich als symbolischer Spatenstich.

«Die technische Faszination, die von diesem Bauvorhaben ausgeht, nimmt uns alle gefangen», sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP), als er den offiziellen Akt – in obligaten EKZ-Gummistiefeln (Grösse 44) und mit Ohropax – beging. Es sei erstaunlich, wie viel Energie im Wasser stecke, sagte Kägi. Und er wies darauf hin, dass Wasserkraft etwas Ur-Schweizerisches sei.

18 Prozent mehr Strom werden das erneuerte Hauptkraftwerk und das neue Dotierkraftwerk liefern. Neu reicht die Stromproduktion total für 4500 Haushalte. Möglich sei das dank allen Strombezügern – via Einspeisevergütung helfen sie mit, dass das Projekt knapp rentabel ist, sagte EKZ-CEO Urs Rengel an der Feier gestern.

37 Millionen Franken investieren die EKZ. Damit sie die Konzession für die nächsten 60 Jahre erhielten, müssen sie viele Massnahmen zur Renaturierung sowie für den Hochwasserschutz und die Naherholung umsetzen. Baustart ist vielerorts im Mai, nach Ende der Fisch-Schonzeit. Die Zahlen in der folgenden Zusammenfassung der augenfälligsten Neuerungen richten sich nach den Zahlen in den beiden obigen Karten.

Karte 1: Zahlreiche Massnahmen gehören zum EKZ-Ausbau Klicken Sie auf die Karte, um sie in voller Grösse zu sehen.

Karte 1: Zahlreiche Massnahmen gehören zum EKZ-Ausbau Klicken Sie auf die Karte, um sie in voller Grösse zu sehen.

mta/saw/zvg/ekz

1. Reppisch-Mündung

Beim Zusammenfluss von Reppisch, Unterwasserkanal und Limmat entsteht insbesondere ein neuer Holzsteg, die heutige Brücke wird erneuert, dazwischen entsteht eine Aussichtskanzel. Der Zusammenfluss von Reppisch und Unterwasserkanal wird zudem als Flussdelta gestaltet, mit Zwischen-Gewässer-Armen in einer Kiesbank zwischen Reppisch und Kanal.

2. Grien-Insel

Die Grien-Insel erhält einen Auenwald mit einem neuen Nebenarm der Limmat. Der Inselspitz bei der Reppisch-Mündung wird völlig neu gestaltet, auch hier entstehen unter anderem neue Kiesbänke. Zwecks Vogelschutz ist das Betreten des Waldes verboten. Der Weg wird am südlichen Rand entlang führen, der alte Weg am nördlichen Inselrand fällt weg.

3. Limmat-Ufer

Den Fischen zuliebe wird das Ufer mit Buchten, Buhnen, Bäumen und Sträuchern aufgelockert. Das gibt den Fischen Rückzugsorte und neue Laichplätze.

4. Vogelbeobachtungsstand

Hier entsteht ein Vogelbeobachtungsstand, wie man ihn von anderen Stellen entlang der Limmat bereits kennt.

5. Hauptkraftwerk

Das Herzstück des Projekts: Hier wird das Dietiker EKZ-Hauptkraftwerk erneuert.

6. Chöpflibach-Mündung

Der kaum bekannte Chöpflibach ist heute zwischen Golfanlage und Limmat-Ufer eingedolt. Neu wird er frei und naturnah in die Limmat münden, damit die Fische frei wandern können. Ein höherer Damm verbessert den Hochwasserschutz.

7. Dotierkraftwerk

Vom Oberwasserkanal fliesst ein Teil des Wassers durchs neue Dotierkraftwerk in die Limmat zurück und sorgt so für noch mehr Strom als bisher.

Karte II: Zahlreiche Massnahmen gehören zum EKZ-Ausbau Klicken Sie auf die Karte, um sie in voller Grösse zu sehen.

Karte II: Zahlreiche Massnahmen gehören zum EKZ-Ausbau Klicken Sie auf die Karte, um sie in voller Grösse zu sehen.

mta/saw/zvg/ekz

8. Limmat-Ufer

Mehr Natur: Hier gibts an beiden Ufern unter anderem mehr Buchten, Buhnen, Raubäume, Kiesbänke. Das gibt den Fischen Rückzugsorte und Laichplätze.

9. Allmend Glanzenberg

Hier steht der Mensch an erster Stelle: Die neue Allmend, unter anderem mit Feuerstelle, Frischwasser, Rasen, Hartplatz, Tischen und Bänken bietet Platz für schöne Sommerstunden. Das neu abgeflachte Ufer ermöglicht angenehmes Bädelen. Gummiböötler können hier gut aussteigen. Der neu zu pflanzende Rasen soll im Sommer 2019 freigegeben werden.

10. Gleisanlage

Hier wird der Hochwasserschutz verbessert. Zu diesem Zweck wird auch beim Eingang zur Golfanlage das Strassenterrain um 20 Zentimeter erhöht. Resultat: Eine Woche Baustelle im Sommer 2019.

11. Limmat-Ufer

Auch hier wird das Ufer naturnäher, was ebenfalls den Fischen zugutekommt.

12. Limmat-Ufer

Sechs neue Blockbuhnen sollen das Ufer in der Flussbiegung schützen und auflockern. Zudem soll hier wie andernorts eine Terrainerhöhung den Schutz vor Hochwasser verbessern.

13. Rietbach-Mündung

Der heute im Beton fliessende Rietbach wird an der Mündung renaturiert, um die Fischwanderung zu ermöglichen.

Zur Geschichte: 1860 startete hier die Energieproduktion

Seit ihrer Gründung 1908 betreiben die EKZ das Wasserkraftwerk in Dietikon. Dessen Geschichte reicht jedoch noch weiter zurück. 1856 stellte Ständerat Heinrich Boller, der in Uster eine Spinnerei besass, beim Regierungsrat das Gesuch, ein Wuhr, ein Kanal und ein Wasserkraftwerk für den Betrieb einer Weberei zu erstellen. Bereits vier Jahre später wurde die Anlage in Betrieb genommen. In den nahe gelegenen Werkhallen konnten ab dann 230 Webstühle mechanisch betrieben werden. Eine grundlegende Neuerung brachte das Jahr 1888. Weil die neu eingesetzten Turbinen des Wasserwerks deutlich mehr Kraft produzierten als die Weberei benötigte, liess der damalige Besitzer Arnold Boller einen Gleichstrom-Generator aufstellen. Die elektrische Kraftübertragung im Limmattal nahm so ihren Anfang. (zim)

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