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Familienbeziehungen, Essen und eine verwirrende Entführung: Dieser Krimi aus Uruguay hat Humor

Der Uitiker Bibliothekarin Rosmarie Haueis hat es die skurrile Krimi-Satire «Falsche Ursula» aus Uruguay angetan.

Ursula Eigenmann
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Rosmarie Haueis empfiehlt den Roman «Falsche Ursula» allen, «die einen kurzweiligen, vergnüglichen Plot mit unvorhersehbaren Wendungen mögen».

Rosmarie Haueis empfiehlt den Roman «Falsche Ursula» allen, «die einen kurzweiligen, vergnüglichen Plot mit unvorhersehbaren Wendungen mögen».

zvg

Rosmarie Haueis, seit über 20 Jahren leidenschaftliche Bibliothekarin aus Uitikon, widmet inzwischen einen grossen Teil ihrer Freizeit ihren beiden kleinen Enkelkindern. Fit hält sie sich mit Walking und Aquafitness, und wann immer möglich geniesst sie dunkle Schokolade sowie Natur und Licht im Oberengadin.

Rosmarie, warum hast Du zu diesem Buch gegriffen?

Rosmarie Haueis: Obwohl ich noch nie dort war, spricht mich die lateinamerikanische Literatur irgendwie an – wie etwa Claudia Piñeiro (Argentinien), Hernán Rivera Letelier (Chile) oder Mario Vargas Llosa (Peru). Deshalb war ich gespannt auf Mercedes Rosendes (Uruguay) neuen Kriminalroman «Falsche Ursula», mit dem sie die ­Vorgeschichte zum im Jahr 2018 erschienenen, prämierten Titel «Krokodilstränen» erzählt.

Worum geht es?

Obwohl «Falsche Ursula» als Krimi deklariert ist, ist der Roman mehr als das und sicher kein typischer Vertreter dieses Genres. Im Leben der stark übergewichtigen Ursula Lopéz dreht sich – nebst ihrem Job als Übersetzerin und der Verarbeitung einer schwierigen Vater-Tochter- beziehungsweise Geschwisterbeziehung – fast alles ums Essen. Da verspricht ein Anruf Abwechslung in ihrem frustrierenden Alltag: Ein Mann behauptet, ihren Ehemann entführt zu haben und verlangt für dessen Freilassung eine Million Lösegeld. Nur: Ursula ist überhaupt nicht verheiratet. Weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat, geht sie auf die Sache ein, nimmt aber auch Kontakt zur eigentlich gemeinten, «richtigen» Ursula Lopéz auf. Und diese macht der Ich-Erzählerin ein ganz unerwartetes Angebot, was einige Irrungen und Wirrungen zur Folge hat. Jeder versucht jeden, übers Ohr zu hauen, bei den meisten reicht aber die Cleverness hinten und vorne nicht.

Wurden Deine Erwartungen erfüllt?

Zur Ablenkung in diesen eher belastenden Zeiten suchte ich ein gut geschriebenes und gut zu lesendes Buch, das solide Unterhaltung, Spannung und durchaus auch Humor vereint. Diese skurrile Krimi-Satire mit einer im wahrsten Sinne des Wortes runden Hauptfigur, aber mit Ecken und Kanten, die man anfangs für unmöglich hält, die dann aber durch ihre Coolness überzeugt, hat mir gut gefallen.

Wem würdest Du dieses Buch empfehlen?

Allen Leserinnen und Lesern – Achtung, die Männer kommen nicht so gut weg im Buch –, die sich gerne überraschen lassen, die eine ausdrucksstarke, zuweilen direkte Sprache schätzen und die einen kurzweiligen Plot mit unvorhersehbaren Wendungen mögen.

Ursula Eigenmann ist die Leiterin der Bibliothek Uitikon.

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Jeden Monat präsentiert eine Bibliothekarin oder ein Bibliothekar aus dem Limmattal an dieser Stelle ein Buch, eine DVD oder ein Spiel, die sie selbst kürzlich entdeckt haben. Die Rubrik ist in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken des Bezirks Dietikon entstanden.

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