Urdorf
«Falleri Fallera» - Die Volkslieder-App macht das Singbuch überflüssig

Der Urdorfer Marco Deplazes veröffentlicht eine Volkslieder-App mit 1600 Texten für vergessliche Hobbysänger

Alex Rudolf
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Marco Deplazes präsentiert «Falleri Fallera» auf seinem Smartphone. Alex Rudolf

Marco Deplazes präsentiert «Falleri Fallera» auf seinem Smartphone. Alex Rudolf

Alex Rudolf

Erst kürzlich war Marco Deplazes zu einem Fest im bündnerischen Rabius, seinem Geburtsort, eingeladen. «Viel eher als in der Deutschschweiz ist es bei uns in der rätorromanischen Schweiz weit verbreitet, dass man an einer Feier ein paar Volkslieder singt», sagt er, der seit vier Jahren in Urdorf wohnt. Beim fröhlichen Gesang stellt sich aber meist ein Problem heraus: die Kenntnis der Liedertexte. Beinahe jeder kennt die erste Strophe vom «Schacher Seppeli», doch bereits bei der zweiten geraten die einen oder anderen unter Druck. «Dem wollte ich ursprünglich mit einem Büchlein, in dem die Texte der bekanntesten Volkslieder abgedruckt sind, Abhilfe schaffen», sagt er. Bis anhin fehlte ihm dafür jedoch die Zeit. Anfang Jahr ergab sich für Deplazes zwischen zwei Stellen eine dreimonatige Pause vom Berufsleben, die Zeit für die Realisierung von «Falleri Fallera» war gekommen. Von der Idee, ein Liederbüchlein zu gestalten, verabschiedete er sich aber schnell, denn die Veröffentlichung einer Applikation (kurz: App) für Smartphones schien ihm eine zeitgemässere Lösung zu sein.

1400 Franken für die Technik

Der 44-jährige Geschäftsführer eines Altstetter Unternehmens machte sich auf die Suche nach einem Entwickler, der ihm bei der technischen Umsetzung unter die Arme greifen sollte. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht: «Ich gab mir ein Budget von 1000 Franken. Doch für diesen Betrag erstellt niemand eine App», sagt er. Nach langer Suche einigte er sich mit einem App-Entwickler auf den Preis von 1400 Franken. Daraufhin erstellte dieser eine Datenbank, die Deplazes mit Texten füllte.

«Falleri Fallera» ist im iTunes-Store für einen Franken erhältlich und bietet die Texte von rund 1600 Volksliedern. Der Grossteil davon ist in deutscher Sprache. Rund 100 französisch, 400 italienisch und rund 200 rätoromanisch. Einige wenige Lieder sind englisch. Speziell an der App: Nach 20 Sekunden beginnt der Text automatisch nach unten zu laufen, sodass ohne zu scrollen gesungen werden kann. Zudem gibt es drei verschiedene Schriftgrössen, und die Lieblingslieder können gespeichert werden.

«Falleri Fallera» ist im iTunes-Store für einen Franken erhältlich und bietet die Texte von rund 1600 Volksliedern. Der Grossteil davon ist in deutscher Sprache. Rund 100 französisch, 400 italienisch und rund 200 rätoromanisch. Einige wenige Lieder sind englisch. Speziell an der App: Nach 20 Sekunden beginnt der Text automatisch nach unten zu laufen, sodass ohne zu scrollen gesungen werden kann. Zudem gibt es drei verschiedene Schriftgrössen, und die Lieblingslieder können gespeichert werden.

Zur Verfügung gestellt

Von den bekannten Liedern wie «Es Buurebüebli» oder «Hoch auf dem gelben Wagen» drang Deplazes immer weiter in die Welt der Schweizer Volkslieder vor. «Es ist unglaublich, wie viele Texte sich im Internet finden lassen.» Angereichert wurde das Sammelsurium aus dem Internet mit Wünschen von Bekannten. So sammelte Deplazes rund 1600 Stücke in den vier Landessprachen sowie auf Englisch. Damit war die Arbeit aber noch nicht getan. Nachdem der Entwickler eine Testversion konzipiert hatte, musste die die Applikation erst getestet werden. «Während etwa zwei Monaten behoben wir Kinderkrankheiten der App.» Von «Falleri Fallera» profitierte Deplazes bereits an der diesjährigen Urdorfer 1.-August-Feier. «Als die Anwesenden die Nationalhymne anstimmten, konsultierte ich meine App. Ein Blick auf das Mobiltelefon genügte, um komplett textsicher zu sein.»

Seit dem 27. August gibt es «Falleri Fallera» für einen Franken im App-Store zu kaufen, bereits 100 Menschen haben sie bezogen. Auf das grosse Geschäft hofft Deplazes jedoch nicht: «Es wäre schön, wenn ich mit dem Verkauf meine Ausgaben für den App-Entwickler wieder hereinholen könnte.» Dazu bräuchte es rund 2000 Downloads, da Deplazes pro Käufer nicht den ganzen Betrag, sondern lediglich 65 Rappen erhält.

Vorschläge sind willkommen

Der Kreis der potenziellen Kunden ist gross, ist sich Deplazes sicher. Denn nicht nur an Festen könne «Falleri Fallera» missliche Textpatzer verhindern. «Die Singbücher in Schulen oder bei Pfadis enthalten wahrscheinlich viele Lieder, die auch auf der App zu finden sind.» Möglicherweise hat das herkömmliche Singbuch ausgedient und in naher Zukunft wird stattdessen die Applikation in den Klassenzimmern und auf Pfadfinder-Wanderungen genutzt.

Mit der Veröffentlichung ist die Arbeit aber noch nicht getan. Als Deplazes seine App zu Demonstrationszwecken öffnet, wird ihm die Aktualisierung von 17 Liedern angekündigt. «Ich vergass, dass ich diese überarbeitet hatte», sagt er verdutzt. Nebst der Ausmerzung von kleinen Fehlern beinhaltet die Aktualisierung auch neue Lieder. «Ich erhalte Anregungen von Bekannten, die das eine oder andere Lied gerne auf ihrem Smartphone hätten.» Diesen komme er gerne nach, doch wolle er die Texte nicht selber recherchieren oder abtippen, sondern nur noch in die Datenbank kopieren. «Bei einem Arbeitspensum von 100 Prozent wäre der Aufwand sonst zu gross.»

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