Dietikon
«Extreme Dimensionen» – so reagieren Politiker auf das geforderte Aus des Rangierbahnhofs

Die Idee einer Umnutzung des Rangierbahnhofs ist sehr beliebt, wenn auch (noch) nicht sehr realistisch. Klar ist aber: Solange die Limmattaler keine Ruhe haben, werden sie keine Ruhe geben.

David Egger
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Quietsch-quietsch: Wären die Güterwagen-Geräusche leiser, wäre das Limmattal dem Rangierbahnhof wohlgesinnter.

Quietsch-quietsch: Wären die Güterwagen-Geräusche leiser, wäre das Limmattal dem Rangierbahnhof wohlgesinnter.

Keystone

Den Rangierbahnhof Limmattal auflösen und dafür eine neue Stadt bauen: Diese Forderung des bürgerlichen Komitees «Gateway: so nicht!» stösst auf viele Sympathien. Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP), der einst zuvorderst gegen das Gateway-Projekt kämpfte, freut sich, dass das Komitee den Antrag zur Umnutzung des Rangierbahnhofs eingereicht hat. «Die Stadt unterstützt diese Bestrebungen. Solche Visionen braucht es», sagt Müller. Am wichtigsten ist ihm, dass endlich der Rangierlärm abnimmt. «Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Teileinhausung des Rangierbahnhofs nach wie vor das realistischste Mittel», so Müller. Die Idee wurde auch schon von der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) mehrfach angeregt. «Ich halte es für realistisch, dass die Teileinhausung in den nächsten 20 oder 30 Jahren kommt», so Müller. Es wäre ein Kompromiss: Weiter rangieren, aber weniger lärmig.

«Die Schliessung des Rangierbahnhofs ist auch unser Fernziel», sagt der Spreitenbacher Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP). Eine nicht bebaubare Einhausung könnte die Entwicklung des Areals erneut für ein halbes Jahrhundert oder länger blockieren, fürchtet Schmid.

Rangierbahnhof Limmattal

Der Überblick über die Menge rangierter Wagen pro Jahr:

Stimmen die Bedingungen, träumt auch Links mit

Und wie sieht es auf der linken Seite aus? Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) fragt sich, ob eine komplette Auflösung des Rangierbahnhofs überhaupt möglich ist. «Ich denke, dass es vor den Toren Zürichs auch künftig eine Güterumschlagsanlage braucht.» Man könne nicht immer von der Verlagerung auf die Schiene reden und gleichzeitig Güteranlagen aufheben. Sollte sich aber eine Verlagerung des Standorts in den tieferen Aargau (etwa ins Birrfeld) als sinnvoll erweisen, käme auch Neff ins Träumen. «Dann wäre die Umnutzung eine riesige und spannende Chance, um auf dem Areal einen Dreiklang von Natur, Arbeit und Wohnen zu erschaffen», sagt er. Dies könnte dann Konflikte entschärfen wie etwa jenen zwischen Wirtschaft und Moorschutz im Gebiet Silbern, so Neff. «Sollte diese Umnutzung kommen, wären das extreme Dimensionen, denen man mit weiteren extremen Gedanken begegnen müsste», sagt Neff. Er fragt sich etwa, ob Dietikon und Spreitenbach dann nicht fusionieren müssten, um die Städteplanung für dieses Areal richtig anzugehen.

Auch Gemeinde- und Kantonsrätin Rosmarie Joss (SP) findet die Frage berechtigt, ob der Rangierbahnhof in seiner heutigen Grösse bestehen bleiben muss: «Vor allem im Bewusstsein um all die technologischen Neuerungen, die es schon gibt und die uns noch bevorstehen.» Joss warnt aber vor zu viel Eile, da Dietikon nicht unter Druck stehe, Neuland zu gewinnen. «Bei einer Umnutzung dürfte das Land nicht einfach an den Meistbietenden verkauft werden. Man müsste es langfristig halten, als strategische Reserve für künftige Generationen.»

Zurück in die Gegenwart: Im Rangierbahnhof werden Güterzüge für die Region und weiter entfernte Ziele formiert. Nach wie vor ist er der grösste und damit wichtigste Bahnhof für den Einzelwagenladungsverkehr in der Schweiz, wie ein SBB-Sprecher bestätigt.

«Lärm muss endlich abnehmen»

Ein Sprecher des Bundesamts für Verkehr (BAV), das gerade sein Schienen-Gütertransport-Konzept überarbeitet und dem das Komitee «Gateway: so nicht!» darum seine Forderung schickte, sagt, dass nach Ende der Anhörungsfrist am 7. Juli die Stellungnahmen zum neuen Konzept ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst werden – «inklusive die Stellungnahme des Komitees». Ebenso wird dann das Konzept überarbeitet. Frühestens Ende Jahr soll es der Bundesrat dann verabschieden.

Wie ernst es dem Komitee ist, sagt dessen Präsident, der Oetwiler CVP-Gemeinderat Thomas Bernegger: «Sehr ernst. Der Rangierlärm muss endlich abnehmen.» Das verlange das Limmattaler Stimmvolk. Das Komitee sei aber nicht dogmatisch: «Wenn eine Einhausung des Rangierbahnhofs ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist als eine Verschiebung des Standorts, dann sind wir auch mit einer Einhausung einverstanden.»

Auch ein neuer Vorstoss zur Standortfrage im Kantonsrat ist bereits in Planung, wie Komiteemitglied und Kantonsrat Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) bestätigt.

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