Dietikon

ETH-Professor plädiert für kreative Lösung für S-Bahn-Station Silbern

Diese Männerrunde lockte viel Publikum an. Von links nach rechts: Philipp Buhl von SBB Infrastruktur, Vincent Bäriswyl von SBB Cargo, Frank Furrer vom Verband der verladenden Wirtschaft, Moderator Paul Schneeberger, Bernd Scholl, Professor des ETH-Instituts für Raumentwicklung, Markus Maibach, Spezialist der Firma Infras für die Evaluation von Verkehrsprojekten, und der Verkehrs- und Transportberater Thomas Schmid von der Rapp Trans AG.

Diese Männerrunde lockte viel Publikum an. Von links nach rechts: Philipp Buhl von SBB Infrastruktur, Vincent Bäriswyl von SBB Cargo, Frank Furrer vom Verband der verladenden Wirtschaft, Moderator Paul Schneeberger, Bernd Scholl, Professor des ETH-Instituts für Raumentwicklung, Markus Maibach, Spezialist der Firma Infras für die Evaluation von Verkehrsprojekten, und der Verkehrs- und Transportberater Thomas Schmid von der Rapp Trans AG.

Ohne das Limmattal und seinen Rangierbahnhof würden Zürich und die Schweiz still stehen. Über die Zukunft des Rangierbahnhofs diskutierte nun eine Expertenrunde in Dietikon. Auch die Station Silbern war ein Thema.

Dietikon und Spreitenbach sind zwar nicht der Berg Sinai und der Rangierbahnhof ist nicht wie die zehn Gebote. Und doch fragte der Raumplaner und Forumsmoderator Paul Schneeberger am Dienstagabend im Dietiker Gleis 21, ob es eigentlich gottgegeben sei, dass der Rangierbahnhof, die Autobahnen und vieles mehr im Limmattal liegen müssten. «Man sieht einfach: Das Limmattal liegt strategisch sehr günstig», antwortete darauf Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung an der ETH Zürich.

Zusammen mit dem ganzen Metropolitanraum Zürich sei das Limmattal die wirtschaftlich stärkste Region der Schweiz. Das habe auch historische Gründe, sagte Scholl. Er erinnerte daran, dass im Limmattal schon sehr früh viel investiert wurde, insbesondere mit dem Bau der Spanischbrötlibahn von Zürich über Dietikon nach Baden, die 1847 Eröffnung feierte. So wurde das Limmattal schnell immer attraktiver und produzierte mehr Wertschöpfung. Für grossflächige Anlagen – wie es eben der Rangierbahnhof ist – werden keine anderen Räume zu finden sein, so Scholl. Darum gelte es, diese Infrastrukturen in einen anderen Zustand zu überführen.

Wieso der Flughafen ein Vorbild für den Rangierbahnhof ist

Als Beispiel nannte er den Zürcher Flughafen: Während dort früher 320 000 Flugbewegungen mit 25 Millionen Passagieren stattgefunden hätten, seien es heute 30 Millionen Passagiere bei nur 270 000 Flugbewegungen. Dies habe mit grösseren Flugzeugen und besseren Auslastungen zu tun. Vor diesem Hintergrund müsse man sich eine Frage stellen, so Scholl: «Welche technologischen Veränderungen gibt es, von denen die Limmattaler Bevölkerung profitieren kann?»

Will heissen: Der Rangierbahnhof ist eben doch für die Ewigkeit bestimmt. Aber immerhin leisere Wagen, eine Überdeckung oder eine Verkleinerung sollten die Zukunft fürs Limmattal erträglicher machen. So könne man sich schrittweise über die Jahrzehnte dahin bewegen, dass der Rangierbahnhof besser ins Limmattal integriert sein wird. Es sei gut, sich frühzeitig mit den möglichen Veränderungen zu beschäftigen, damit man rasch die daraus entstehenden Chancen nutzen und negative Wirkungen vermeiden könne, so Scholl weiter. Er war einer von sieben Experten am Forum im Dietiker Gleis 21, das sich um die Zukunft des Rangierbahnhofs drehte und unter dem Patronat der Gemeinde Spreitenbach, der Regionalen Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025) und der ETH Zürich stand. Das Gleis 21 war rappelvoll, der Rangierbahnhof – und sein Lärm – bewegen das Limmattaler Volk.

So weit, wie eine Überdeckung des wichtigsten Schweizer Rangierbahnhofs noch in der Zukunft liegen könnte, so weit geht auch der Entscheid zurück, die rund 100 Fussballfelder grosse Anlage im Limmattal zu erstellen: Die Bauarbeiten begannen 1969. Die 1978 eröffnete Anlage sei einem «Befreiungsschlag für den Hauptbahnhof Zürich» gleichgekommen. Denn bis dahin fand der Güterumschlag noch beim Hauptbahnhof statt, was dem Güter- und dem Personenverkehr Probleme bereitete, wie Scholl ausführte. Vor 1969 war auch diskutiert worden, den Hauptbahnhof im Limmattal neu zu erstellen. Eine Vision, die gestorben ist.

Nie sterben wird der Dietiker Wunsch nach einer S-Bahn-Station in der Silbern, um die dortigen Verkehrsprobleme zu lösen und den heute rund 5000 und zukünftig 8000 Arbeitsplätzen einen guten Anschluss an den öffentlichen Verkehr zu bieten. Als das Publikum Fragen stellen konnte, wurde Philipp Buhl von SBB Infrastruktur denn auch sofort mit entsprechenden Äusserungen konfrontiert.

Zum Beispiel von der Urdorfer GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig. Ob man nicht beim Rangierbahnhof Platz freimachen und damit Hand bieten könne, um die S-Bahn-Station Silbern möglich zu machen, fragte sie. Und Urs Jenny, Präsident der Dietiker IG Silbern, legte nach. Sowohl der Güter- als auch der Personenverkehr würden zunehmen. «Wir im Limmattal, vor allem wir hier in Dietikon, werden von beidem überrollt», sagte Jenny. Doch stets werde darauf verwiesen, dass die Station Silbern erst möglich sei, wenn der direkte Tunnel Zürich–Aarau erstellt sei. «Wir wollen nicht immer wieder hören, was das Problem ist, sondern wir sind doch hier, um Lösungen zu finden», sagte Jenny. «Die S-Bahn-Station Silbern ist ein ganz grosses Anliegen. Wir brauchen sie, wir ertrinken im Verkehr. Wenn die S-Bahn-Station nicht kommt, wird eine ganze Region in der Wirtschaft Probleme bekommen.»

Woraufhin Buhl erneut auf die Direktverbindung Zürich–Aarau verwies. «Das Thema ist die Finanzierbarkeit», sagte Buhl. Es sei eine Herausforderung für das Bundesamt für Verkehr und die Politik, was man mit Grossprojekten wie dem Tunnel Zürich–Aarau machen soll, die alleine einen Eisenbahn-Ausbauschritt füllen.

Auch Scholl äusserte sich hierzu: «Es ist aus meiner Sicht sehr risikoreich, eine S-Bahn-Station Silbern von einer 7-Milliarden-Franken-Investition abhängig zu machen. Das kanns eigentlich nicht sein. Da müssen wir als Ingenieure kreativ werden, um trotzdem Lösungen zu finden.»

Zum Schluss des Forums wurden alle Experten gefragt, wie sie die Zukunft des Rangierbahnhofs im Jahr 2040 sehen. Der Tenor war klar: Es wird ihn noch geben. Aber er dürfte effizienter, siedlungsverträglicher, leiser, multifunktionaler und teils überdacht sein. Und Buhl von SBB Infrastruktur verwies darauf, dass man weiterhin in den Rangierbahnhof investieren und ihn überarbeiten werde. «Aktuell sanieren wir die Gleisbremsen.»

Ein zweites Forum soll sich Anfang 2020 unter anderem vertieft mit dem Thema Lärm befassen, sagte Peter Wolf von der Regionale 2025.

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