Dietikon
Es braucht bereits Nachhilfestunden um das richtige Billett zu lösen

Zweimal im Jahr organisiert Pro Senectute zusammen mit dem SBB-Personal des Bahnhofs Dietikon eine Information für all jene, die mit der Bedienung des Ticket-Automaten ein wenig überfordert sind.

Meret Michel
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Ein SBB-Mitarbeiter des Bahnhofs Dietikon erklärt den Umstehenden, was beim Lösen von Bahn-Billetten zu beachten sei. Mem

Ein SBB-Mitarbeiter des Bahnhofs Dietikon erklärt den Umstehenden, was beim Lösen von Bahn-Billetten zu beachten sei. Mem

Für einmal waren die SBB nicht nur pünktlich, sondern sogar etwas zu früh: Offiziell sollte die Informationsveranstaltung für Senioren zur Bedienung der Billett-Automaten von SBB und dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) um 11.30 beginnen – doch bereits um 11.20 sammelte sich eine grosse Traube älterer Damen und Herren um Fritz Kläusli, Geschäftsführer des SBB-Bahnhofs Dietikon, die ihn mit Fragen löcherten.

Billett-Lösen soll einfacher werden

Seit der Einführung des Z-Passes im Dezember 2012 haben sich die Probleme mit falsch gelösten Billetten auf dem Netz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) gehäuft. Nun soll das Billett-Lösen wieder einfacher werden, versprechen SBB und ZVV.
Wie die SBB gestern mitteilten, wird die Auswahl der Reisewege in den nächsten Monaten auf die am häufigsten genutzten Varianten reduziert. Zudem werde die SBB «per sofort auf Forderungen verzichten, wenn ein Reisender in guter Absicht ein Billett mit einem falschen Reiseweg gelöst hat».
Um die Nerven der Passagiere weiter zu schonen, können sie sich ab Juni im ganzen ZVV-Gebiet von 6 bis 22 Uhr per Telefon beim Billett-Kauf helfen lassen. Ab Juni wird an allen Automaten die neue Gratis-Nummer 0800 33 00 33 gut sichtbar angebracht sein. (sda)

Drei Betriebe, drei Systeme

Zweimal im Jahr organisiert Pro Senectute zusammen mit dem SBB-Personal des Bahnhofs Dietikon eine Information für all jene, die zeitweilig mit der Bedienung der Automaten überfordert sind. «Gerade für ältere Menschen kann die komplizierte Bedienung der Billett-Automaten zum Problem werden», sagt Hans-Rudolf Merki, Leiter der Pro Senectute Dietikon.

Hier beim Bahnhof gibt es neben SBB und ZVV auch die BD die Bremgarten-Dietikon-Bahn, die die Bezirkshauptstadt mit den umliegenden Aargauer Gemeinden verbindet. Konkret bedeutet das: drei Verkehrsbetriebe, drei Automaten-Modelle und drei Ticket-Systeme.

Zonen sorgen für Verwirrung

Die Unterschiede beginnen banal: Bei den SBB kann man mit Münz, Scheinen oder Karte bezahlen, während ZVV und BD-Automaten nur Münz oder Karte akzeptieren. Komplizierter wird es bei der Wahl des richtigen Tickets – vor allem seit die ZVV mit der Fahrplanumstellung im Dezember des letzten Jahres auch ihr Tarifsystem für Einzelbillette änderte.

Der Preis eines Einzelbilletts innerhalb des Kantons Zürich sowie allen umliegenden Kantonen berechnet sich neu nicht mehr nach Anzahl zurückgelegter Kilometer zwischen Abfahrts- und Zielort, sondern anhand der Zonen, die man während der Fahrt passiert. Der Vorteil dabei ist, dass man nach Belieben zwischen Zug, Bus oder Schiff umsteigen kann.

Das Lösen der korrekten Kombination von Zonen gestaltet sich jedoch dadurch umso komplizierter und kann – nicht nur für Senioren – zum unlösbaren Problem werden. Und Vorsicht: Sobald man sich ausserhalb dieser Zone bewegt – in sogenannten «Drittkantonen», wie der Fachmann sie nennt – werden die Preise wieder von der SBB nach Anzahl Kilometer berechnet. Will man trotzdem den Bus benutzen, muss man das Billett dafür wiederum separat lösen.

Je grösser die Auswahl, desto unübersichtlicher die Bedienung

Für grosse Verwirrung sorgen auch die zahllosen Via-Varianten, die schon bei etwas ungewöhnlicheren Strecken angezeigt werden. So ist es beispielsweise möglich, von Dietikon nach Schlieren entweder via Spreitenbach oder Zürich zu reisen, «für das eine Prozent der Kunden, die auf dem Weg noch ins Shoppi wollen», wie Kläusli sagt.

Hier liegt die Krux der Sache: «Mit den neuen Automaten kann man alle erdenklichen Optionen für einen Reiseweg selber lösen» sagt Kläusli. Je grösser aber die Auswahlmöglichkeiten für die Kunden sind, desto unübersichtlicher wird die Bedienung. Die ZVV hat das Problem allerdings erkannt und inzwischen entsprechende Massnahmen angekündigt (siehe Box).

Die vielen Erklärungen scheinen auch einige der Umstehenden eher verwirrt zu haben. Grundsätzlich zeigen sie sich jedoch froh um die Informationen. Und viele gehen die Sache pragmatisch an: «Für alles Komplizierte gehe ich einfach direkt an den Schlater», meint eine Seniorin.

Doch nicht nur Senioren scheinen Probleme zu haben mit den Ticket-Automaten. Auch Hanspeter Burri (Mike Müller) scheint seine liebe Mühe zu haben.

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