Gateway
Erwin Rutishauser: «Für eine Lösung müssen sich alle etwas bewegen»

Der Krisenmanager soll als Mediator den Streit zwischen SBB Cargo und den Gegnern des Gateways schlichten. Um dies zu erreichen müssen jedoch Kompromisse auf beiden Seiten gemacht werden können.

Bettina Hamilton-Irvine
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Verhärtete Fronten zwischen SBB Cargo und Gateway-Gegnern: Erwin Rutishauser solls richten.

Verhärtete Fronten zwischen SBB Cargo und Gateway-Gegnern: Erwin Rutishauser solls richten.

Keystone

Herr Rutishauser, Sie sollen als Mediator zwischen SBB Cargo und den Gegnern des Gateways Limmattal vermitteln. Damit stehen Sie vor einer fast unlösbaren Aufgabe.

Erwin Rutishauser: Meine Aufgabe ist es zunächst, zuzuhören und eine Auslegeordnung zu machen. Erst nachher kann ich mir ein Bild von der gesamten Situation machen.

Sie müssen aber schon jetzt einen enormen Druck verspüren. Auf Ihnen lastet viel Hoffnung.

Es ist eine herausfordernde Aufgabe und es ist klar, dass ich diese auch mit dem nötigen Respekt, aber auch mit Zuversicht angehe.

Beide Seiten wollen nicht von ihrer Position abrücken. Die Kritiker verlangen, dass das Projekt umgehend gestoppt wird, da es nicht einmal die Kunden wollen. SBB Cargo beharrt darauf, der Standort sei ideal. Wie wollen Sie da etwas erreichen?

An der vom Bundesamt für Verkehr einberufenen Terminalkonferenz waren alle Akteure anwesend. Entsprechend haben alle dem festgelegten Prozess zugestimmt. Auch die SBB.

Können Sie sich denn überhaupt ein Resultat vorstellen, mit dem beide Seiten zufrieden wären?

Ich habe die Aufgabe am Montag übernommen und muss mich erst einmal mit den verschiedenen Standpunkten auseinandersetzen.Es ist noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen. Meine Aufgabe ist es nun, sehr offen auf die verschiedenen Akteure zuzugehen, um zu sehen, welche Argumente und Emotionen da sind.

Was macht Sie zur geeigneten Person, um die verhärteten Fronten in diesem Streit aufzuweichen?

Das müssen Sie das Bundesamt für Verkehr fragen. Sagen kann ich aber, dass ich von meinem Werdegang her die Bahnbranche sehr gut kenne.

Sind Ihre Projekte normalerweise so herausfordernd wie dieses?

(lacht) Ich habe das Glück, dass meine Projekte normalerweise spannend sind. Eine solche Herausforderung braucht Offenheit, Commitment aller Akteure, Bereitschaft zu konstruktiven Gesprächen, aber auch ein zielgerichtetes Vorgehen.

Sie haben acht Jahre lang für die SBB gearbeitet. Macht Sie das nicht parteiisch?

Nein. Ich kann sehr gut mit dieser Situation umgehen. Dabei hilft mir, dass ich nicht nur SBB-Erfahrung habe, sondern alle Seiten der Bahnbranche kenne: Kunden, Lieferanten, verschiedene Bahnen und auch die politische Situation. Zudem darf man nicht vergessen, dass alle Akteure ein gemeinsames Ziel haben – zu einem Konsens zu kommen. Dass alle Ja gesagt haben zu diesem Prozess, ist ein wichtiger erster Schritt.

Doch auch Ihr Auftraggeber, das Bundesamt für Verkehr, ist ein Befürworter des Gateways Limmattal.

Das Bundesamt für Verkehr hat Stellung genommen. Es hat aber auch ganz klar darauf hingewiesen, dass es noch offene Fragen gibt, und deshalb einen Prozess zur Lösungsfindung eingeleitet. Dafür müssen sich alle etwas bewegen, sonst gibt es keine mehrheitsfähige Lösung.

Wie geht es nun weiter?

Ich werde auf die einzelnen Akteure zugehen, um noch besser zu spüren, was sie antreibt. Aufgrund dessen werde ich dann gemeinsam mit dem Bundesamt für Verkehr die nächsten Schritte festlegen. Das ist ein ganz klarer Entwicklungsprozess.

Erwin Rutishauser ist Krisenmanager und Berater. Zuvor war er unter anderem für die SBB und die Rhätische Bahn tätig.

Terminalkonferenz: Kritik an «Arroganz» der SBB Cargo

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat am Dienstag alle Akteure zu einer Konferenz mit dem Thema Gateway Limmattal und Basel-Nord eingeladen. Schon seit Jahren wird das von SBB Cargo beim Rangierbahnhof Limmattal geplante Container-Umschlagterminal Gateway vom Komitee «Gateway: So nicht!» vehement bekämpft. Auch die Standortgemeinden Dietikon und Spreitenbach, Anliegergemeinden, Parteien, Politiker und Standortförderung stellen sich dagegen. Auslöser für die Terminalkonferenz war aber, dass selbst die Verladeindustrie, der das Projekt zugute kommen soll, beim Bund verlangt hat, die Planung solle «sofort eingestellt werden». Zum runden Tisch eingeladen wurden Bahnen, Infrastrukturbetreiber, Operateure des Kombinierten Verkehrs, Terminal- und Hafenbetreiber sowie interessierte Verbände. Wie das BAV in einer Mitteilung schreibt, sei das Ziel der Aussprache gewesen, die Kritik mit allen Beteiligten zu diskutieren. Als erste Massnahme einigte sich die Konferenz darauf, den Branchenexperten Erwin Rutishauser als Mediator einzusetzen (siehe Interview oben). Das BAV hofft, dass sich alle Akteure auf eine mehrheitsfähige Lösung einigen können. Die Gateway-Gegner werten die Konferenz jedoch bereits als Sieg. So schreibt die CVP des Bezirk Dietikons in einer Mitteilung, dank der Konferenz sei verhindert worden, «dass hohe Millionenbeträge in Projekte investiert werden, die von niemandem gewünscht werden und einzig zu neuen finanziellen Löchern im Cargo-Verkehr führen würden». Die Konferenz zeige deutlich, dass die Arroganz, mit der SBB Cargo auftrete, sich räche. Das Komitee «Gateway: So nicht!» schreibt unter dem Titel «Bundesamt für Verkehr stoppt mittels Terminalkonferenz Millionendebakel der SBB Cargo», die Tatsache, dass eine Mediation eingeleitet werden müsse, zeige, «dass seitens der SBB Cargo konzeptlos Terminals geplant werden, ohne auf die Bedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft einzugehen».

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