Dietikon
Er gründete ein Hip-Hop-Label und hilft mit seinem Deep House im Jemen

Der Dietiker Musikproduzent Dardan Demaj will nicht nur seine Zuhörer unterhalten, sondern setzt sich auch für Notleidende in der Welt ein.

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Produzent Dardan Demaj, besser bekannt als ddp, in seinem Dietiker Studio.

Produzent Dardan Demaj, besser bekannt als ddp, in seinem Dietiker Studio.

Maurus Held

In schwarzem T-Shirt grüsst er herzlich, schnell geht es rein in die Wärme. Kurz noch eine Seitenallee entlang, vorbei an einem Gartentisch und Stühlen. «Im Sommer grillieren wir oft hier draussen», sagt Dardan Demaj. «In diesem Quartier hast du deine Ruhe, niemand fühlt sich gestört. Auch wenn wir mal ein wenig lauter sind.» Und drinnen geht es sowieso laut zu und her. Soll es auch, schliesslich ist es ein Musikstudio. Auf rund hundert Quadratmetern entstehen hier Lieder, die ihren Weg von Dietikon hinaus in die ganze Welt finden. Melodien und Gesänge, die von Kreativität zeugen; unkonventionell, vielseitig – genauso wie ihr Schöpfer, Dardan Demaj alias ddp. Denn dieser macht neben Musik noch ganz andere Dinge. Doch alles der Reihe nach.

«Schau, ich bin eher so der Gefühlsmensch. Ich möchte mich in einem Lied verlieren können. Und beim Deep House funktioniert das ganz gut.» Das Musikgenre, entstanden in Chicago in den 1980er-Jahren, hat ddp vor rund zwei Jahren in seinen Bann gezogen. Seither produziert er Lieder in seinem Studio im Dietiker Industriegebiet. «Manchmal arbeite ich wochenlang am gleichen Song, dann wiederum kann es plötzlich schnell gehen und ich bin innert Stunden fertig.» Unter Druck setzen, lasse er sich nie. Hauptsache, er selbst ist zufrieden mit dem Endprodukt: «Ich glaube, meine Musik wäre nicht gleich gut, wenn ich damit bewusst den Erfolg suchen würde.»

Seine Musik läuft in den USA und in Deutschland

Dass der 28-Jährige nicht nur in der Schweiz, sondern überwiegend auch in Deutschland und den USA eine Hörerschaft gefunden hat, freut ihn dennoch. «Das motiviert mich, weiterzumachen und mich zu verbessern.» Er habe beobachten können, dass seine Lieder bei den Deep House-Hörern unterschiedlichste Emotionen auslösen. Melodien, die auf gewisse Menschen traurig wirken, würden bei anderen eine fröhliche Stimmung erzeugen und umgekehrt. Der Grund dafür sei womöglich, dass er bewusst auf Songtexte verzichtet: «Würde ich Gesang auf meine Beats packen und damit eine Geschichte erzählen, wäre der Hörer eingeschränkt in seinem Interpretationsspielraum. Und den will ich niemandem nehmen.»

Komplett ohne Gesang auskommen will der Dietiker, der in Schlieren wohnt, aber doch nicht. Als er über die Entstehungsgeschichte eines seiner Projekte spricht, kommt sein Innovationsgeist zutage. Dieser sprengt den musikalischen Rahmen. ddp kommt auf ein Thema zu sprechen, das er in den Medien vermehrt aufgegriffen sehen möchte: «Im Jemen spielt sich die weltweit grösste humanitäre Krise ab. Es herrscht Bürgerkrieg, ein ganzes Volk verhungert.» Als er davon erfuhr, wusste er, dass er helfen will. «Ich habe ein Musikvideo aus dem Filmmaterial einer ‹BBC›-Dokumentation zusammengeschnitten und ein Lied von mir geremixt.» Entstanden ist «Deep Thoughts». Der Gesang des Zürcher Rappers EAZ über melancholischen Klängen unterstreicht die bildliche Botschaft, die unter die Haut geht. Der Erlös aus den Verkäufen und Streams spendet Demaj Hilfsorganisationen im Jemen.

EAZ auf einem Deep-House-Beat? Rap-Fans mag diese Kombination auf den ersten Blick überrascht haben. Doch ddp ist keiner, der sich Grenzen setzt, im Gegenteil: Neben seiner Musikkarriere arbeitet er in einem Vollzeitpensum in der Informatikabteilung des Reisebüros Kuoni. Für dieses durfte er selbst schon nach Äthiopien oder Hongkong reisen – perfekte Gelegenheiten also, einer weiteren seiner Leidenschaften zu frönen, der Fotografie. «Es muss nicht immer die Musik sein. Wenn ich beim Produzieren einen Durchhänger habe, fotografiere ich oder schneide Videos.» So drehte er früher auch schon Musikvideos von anderen Rappern.

Zum Beispiel jene von Xen. Dieser stammt ebenfalls aus Dietikon und hat im Mai 2019 sein Label «Physical Shock» gegründet – zusammen mit ddp. Die beiden kennen sich schon seit Kindheitstagen. Seither ist das Label stetig gewachsen, Xen hat sich mittlerweile als Schwergewicht des Schweizer Hip-Hops etabliert. Hits wie «Alé» oder «Hit ‘em up» – beide ebenfalls Kollaborationen mit EAZ – sind Ausdruck davon. Weitere Künstler wie Reza oder Trippy Adi, der auf Italienisch rappt, sollen ihm nun folgen. Und ddp? «Mein grösster Wunsch ist, einfach weiterhin produzieren und damit Menschen helfen zu können.» Um den Dietiker Dardan Demaj alias ddp wird es so schnell also nicht leiser werden.