Schlieren

Engstringerstrasse: Die Zelgli-Quartierbewohner fordern eine Temporeduktion

CVP-Stadtrat Stefano Kunz (rechts) sammelte Ideen der Teilnehmer.

Das Schlieremer Quartier wird in den nächsten Jahren aufgewerte.: Teilnehmer eines Planungsforums erklärten den Spezialisten, wie sie dies am besten tun.

Am Ende des Abends stand eines fest: Die Bewohner des Zelgli-Quartiers wollen, dass das Tempo auf der Engstringerstrasse auf 30 Kilometer pro Stunde gedrosselt wird. Dies sorgte nicht nur bei den Vertretern der Stadt Schlieren, sondern auch bei jenen des Kantons für Überraschung. Werner Toggenburger, Entwicklungsingenieur beim kantonalen Amt für Verkehr, meinte scherzhaft, dass man sich zu gewissen Uhrzeiten glücklich schätzen könne, wenn man überhaupt mit 20 Kilometern pro Stunde durch die Engstringerstrasse komme.

Am Mittwochabend fand die zweite Veranstaltung zum Thema «Lebensraum Zelgli» statt. Weil im Zug der Kapazitätserweiterung der Bern- und Überlandstrasse auch die Engstringerstrasse aufgewertet werden soll, sollen die Quartierbewohner der Stadt und dem Kanton mitteilen können, worauf sie besonders grossen Wert legen. Schliesslich kenne niemand das Quartier so gut wie die Bewohner, bemerkte Toggenburger.

Rund 50 Personen fanden den Weg in den Veranstaltungsraum der Kirche Lachern. So viele Teilnehmer habe er nicht erwartet, sagte der Schlieremer Bauvorstand Stefano Kunz (CVP) in seiner Einleitung. Anschliessend waren die Besucher eingeladen, sich auf fünf Tische zu verteilen, an denen mithilfe von Moderatoren verschiedene Themen diskutiert wurden.

Talacker-Platz soll die beiden Hälften des Quartiers vereinen

Nachdem sich sämtliche Teilnehmer der Gesprächsrunde «Auto- und Busverkehr» für Tempo 30 ausgesprochen hatten, kamen noch weitere Themen zur Sprache. «Spannend war, dass auf der Höhe Bushaltestelle Talacker-Windegg ein städtischer Platz gewünscht wurde, der die beiden Quartierhälften miteinander verbinden soll», sagte Kunz, der die Ergebnisse zusammenfasste. Dies habe man sich notiert. Um den Verkehr flüssiger zu machen, wurde vorgeschlagen, die Bushaltestellen Feldstrasse und Talacker-Windegg zusammenzulegen, da sie ohnehin nahe beieinander seien.

Überraschendes kam auch am Tisch zutage, an dem über den Veloverkehr diskutiert wurde. Die Variante eines durch den westlichen Teil des Quartiers führenden Veloweges, der Unterengstringen mit dem Schlieremer Bahnhof verbindet, wurde klar verworfen. Der Umweg für die meisten Velofahrer sei schlichtweg zu gross und die schnellen E-Bikes würden eine Gefahr für die Kinder des nahegelegenen Schulhauses darstellen. Auch die Variante durch den Ostteil des Quartiers entlang der Lachernstrasse kam nicht sonderlich gut an, da kinderreiche Familien auch hier Gefahr für ihre Sprösslinge orteten. «Wir wollen die direkteste, schnellste Veloverbindung. Und die führt nun mal über die Engstringerstrasse.» So fasste ein Teilnehmer die Haltung der Quartierbewohner zusammen.

Elterntaxis bilden ein grosses Problem beim Zelgli-Schulhaus

Die Sicherheit der Kinder stand auch am Tisch, an dem über die Fussgängerverbindungen gesprochen wurde, im Zentrum. So würden die meisten Fussgängerstreifen über die Engstringerstrasse heute gut funktionieren, ausser jener auf Höhe Rohrstrasse, da dieser als einziger über keine Mittelinsel verfügt. «Eine Querung könnte man abschaffen, wenn dafür eine der beiden anderen richtig aufgewertet wird», sagte eine Teilnehmerin. Auch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, würden ein Problem darstellen, monierte eine Teilnehmerin. Eine andere warf ein: «Besuchen Kinder von ausserhalb des Zelgli-Quartiers überhaupt unser Schulhaus?» Eine junge Mutter erklärte, dass es sich um jene aus dem Rietbach-Quartier handle. «Wegen der gefährlichen Überquerung der Bernstrasse chauffieren einige Eltern ihre Kinder 200 Meter bis zur Schule», sagte sie lakonisch. Im Raum stiess dies auf grosses Unverständnis.

Sämtlichen Teilnehmenden war ein attraktiver Naherholungsraum an der Limmat sehr wichtig, wie der Moderator des Tisches «Öffentlicher Raum» resümierte. Im Quartier gebe es auch verschiedene kleine Wiesen, besonders nahe der Schrebergärten, die nach Auffassung der Einwohner durchaus vergrössert und zu Mini-Parks erweitert werden könnten. Eine Aufwertung wird auch rund um das Schulhaus Zelgli und den Fussballplatz gewünscht. «Man verwies auf das Gemeinschaftszentrum Wipkingen, wo eine laute Strasse nahe einer Erholungswiese gelegen ist. Etwas Vergleichbares könne man sich auch für das Quartier vorstellen», so der Moderator.

Die grösste Sorge der Quartierbewohner zeigte sich am letzten Tisch. An diesem wurde nicht ein spezifisches Thema besprochen, sondern was man sich von der Zusammenarbeit zwischen Kanton, Stadt und Einwohnern wünscht. Egal, welches Projekt umgesetzt werde, so der Moderator, es müsse einen klaren Vorteil für das Quartier darstellen und die Bewohner vor Lärm schützen. Eine ältere Dame bemerkte, dass es ihr wichtig sei, dass sie nicht enteignet werde. «Ich will kein Land, auf dem etwa ein schöner Baum wächst, für einen Veloweg hergeben», sagte sie. In diesen Chor stimmten weitere Quartierbewohner ein.

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