Der Fall Achermann liegt nun auf dem Tisch des Dietiker Bezirksrats. Wegen des Umgangs mit dem beliebten Schlieremer Lehrer Stefan Achermann, der wegen Streitigkeiten bezüglich der IT-Infrastruktur kündigte, reichten Eltern eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Schulpflege der Stadt Schlieren ein. 147 Personen, vorwiegend Eltern, Grosseltern und volljährige Geschwister der Schüler, unterzeichneten die Beschwerde, wie Eltern-Vertreter Lothar Seiler in einer Mitteilung schreibt. In der Begründung finden die Verantwortlichen deutliche Worte. Besonders mit der Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) und der Leiterin des Schulhauses Kalktarren, Seraina Vils, gehen die Eltern hart ins Gericht.

Rund 70 000 Franken hatte der Seklehrer des Schulhauses Kalktarren, Stefan Achermann, aus seiner eigenen Tasche für die Aufrüstung seines Unterrichtszimmers ausgegeben. Zahlreiche Computer und einen Beamer schaffte er an. Die Schulleitung verlangte von ihm, diese Einrichtungen abzubauen, damit im Schulzimmer eine neue Beleuchtung installiert und die Räume auf das neue IT-Konzept vorbereitet werden können. Achermann sah dies als reine Schikane und kündigte seine Stelle. Erst sammelten Eltern Unterschriften in Form einer Petition,  anschliessend stellten sich auch zahlreiche Kalktarren-Schüler hinter den Lehrer. Früchte trugen diese Anstrengungen nicht. Der Termin der Bauarbeiten wurde lediglich vom Winter auf den Sommer verschoben.

Nun gehen die Eltern noch einen Schritt weiter, gelangen an den Bezirksrat und beineln ihre verschiedenen Beanstandungen auseinander. In der Aufsichtsbeschwerde, die dieser Zeitung vorliegt, heisst es beispielsweise, dass die IT-Infrastruktur, die Achermann bereits vor mehreren Jahren in seinem Kalktarren-Schulzimmer installierte, von der Schulpflege nicht nur geduldet, sondern aktiv unterstützt worden sei. So habe man nur dank den privaten Investitionen von Achermann gewisse Freifächer überhaupt anbieten können.

Die Weisung von Schulpräsidentin Beatrice Krebs, wonach Achermann das Zimmer wegen der beabsichtigten Neuerungen räumen muss, führte dazu, dass der Lehrer die Kündigung einreichte. «Der Schulpräsidentin muss sehr wohl klar gewesen sein, dass diese nachvollziehbare Reaktion von Herrn Achermann eintreffen wird, und hat diese an Mobbing grenzende Handlung vermutlich bewusst in Kauf genommen», schreiben die Eltern in der Aufsichtsbeschwerde.

Opfer des Erfolgs?

Aussagen, die Krebs gegenüber der «Weltwoche» machte, stimmen die Eltern zudem misstrauisch. Gegenüber dem Magazin sagte sie, dass Achermanns Engagement über dem angestrebten Standard liege, was den Druck auf andere Lehrer erhöhe. «Folglich lässt sich daraus schliessen, dass Herr Achermann Opfer seines eigenen Erfolges wurde», heisst es in der Aufsichtsbeschwerde.

Speziell sei es bei der Übergabe der Unterschriften der Schüler-Petition zu- und hergegangen, heisst es in der Beschwerde. Diese unterzeichneten laut Angaben von Seiler rund 200 Schülerinnen und Schüler. «Es durften allerdings nur die zwei Klassen von Herrn Achermann bei der Übergabe an den Stadtpräsidenten Markus Bärtschiger (SP) dabei sein. Alle anderen Schüler mussten oberhalb der Treppe auf dem Pausenplatz warten.» Weiter seien die Kinder vor und nach der Petitionsübergabe von Schulleiterin Vils an der freien Meinungsäusserung gehindert worden. «Einerseits gegenüber den in der Pause weilenden Schülern, andererseits auch gegenüber der anwesenden Presse.»

Krebs unabkömmlich

Ein weiteres Indiz dafür, dass gravierende Probleme mit der Schulpflege bestünden, so heisst es in der Beschwerde, sei die hohe Personalfluktuation bei Schulleitungen und im Sekretariat. Seit Juli 2017 kam es in diesen beiden Bereichen in Schlieren zu sieben Kündigungen. Konkret verlangen die Eltern, dass die Schule Schlieren mit Achermann eine einvernehmliche Lösung findet, bei der Achermann mindestens den aktuellen Klassenzug mit seiner bestehenden Informations-Technologie zu Ende führen könne. So werde der Einstieg der Schülerinnen und Schüler in die Berufswelt, das Gymnasium oder die Berufsmittelschule nicht gefährdet.Zudem sei die Schulpflege im Sinne einer wertschätzenden Kultur dazu angehalten, das selbst auferlegte Gesamtleitbild der Schule konsequent umzusetzen.

Mit der Aufsichtsbeschwerde konfrontiert und nach Einschätzungen gefragt, schreibt Bea Krebs in einer Mail, dass sie den ganzen Tag unterwegs sei und aktuell keine Antworten liefern könne. Sie werde allerdings bis Mitte Woche Stellung beziehen.