Gemeindehaus Unterengstringen
Eine Leidensgeschichte geht doch noch gut aus

Viele Projekte wurden präsentiert und später wieder verworfen. Das Warten auf ein neues Gemeindehaus in Unterengstringen dauerte lange.

Sandro Zimmerli
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So sieht der Haupteingang des neuen Gemeindehauses aus, das Architektin Tilla Theus entworfen hat. Davor der Parkplatz.
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So präsentierte sich hingegen der Eingang des alten Gemeindehauses. Die Glyzinien am Balkon oben links sind das einzige am alten Gemeindehaus, das die Verwaltungsmitarbeiter vermissen werden.
Wer im alten Gemeindehaus zum Steueramt musste, konnte jeweils in diesem "Warteraum" Platz nehmen, mitten im Treppenhaus. Es ist eines der vielen Anzeichen der Platzknappheit.
Ganz anders dagegen der Eingangsbereich im neuen Gemeindehaus. Hier sind zum Beispiel Ausstellungen denkbar.
Das Gemeinderatszimmer im Dachstock des alten Schulhauses: Im Sommer wurde es hier oben ziemlich heiss.
Im neuen Gemeinderatszimmer sorgt hingegen wie im ganzen Neubau eine Komfortlüftung für gute Luft. Zudem steht jetzt ein grosser Monitor zur Verfügung. Hier haben Gemeindeschreiber Jürg Engeli und Bauvorstand Simon Wirth (FDP) am Sitzungstisch Platz genommen.
Das Sitzungszimmer des Gemeinderats bietet auch Überraschungen: Die Wand neben dem Monitor lässt sich zur Seite schieben. Dahinter kommt ein Kühlschrank zum Vorschein.
So präsentiert sich der Blick aus dem Fenster des Sitzungszimmers des Gemeinderats. Das Fenster ist viereckig. Die meisten anderen sind eiförmig...
...und sind von der äusseren Wappenfassade umhült. Pflugschar und Rebmesser stammen vom Gemeindewappen.
So sah bisher der Arbeitsplatz der Einwohnerkontrolle aus (im Bild die Mitarbeiterinnen Beatrice Dörig und Laura Nosdeo).
Dieses Büro der Einwohnerkontrolle ist hingegen im neuen Gemeindehaus zu finden.
So sah es beim bisherigen Schalter der Einwohnerkontrolle aus (im Bild die lernende Kauffrau Deborah Stucki). Das Münz muss künftig wohl nicht mehr direkt am Schalter sortiert werden. Denn im neuen Gemeindehaus hat es mehr Platz.
Im neuen Gemeindehaus sehen die Schalter so aus: hier zum Beispiel jener des Steueramts.
Der Aufenthaltsraum im neuen Gemeindehaus: Hier essen Mitarbeiter künftig so manchen Znüni oder Zmittag. In der Kochnische steht das Abwaschmittel schon bereit.
Das neue Gemeindehaus erfüllt zudem alle neuen Sicherheitsvorgaben. Hier zu sehen ist zum Beispiel der Überwachungsbildschirm beim Hintereingang, der der Dorfstrasse zugewandt ist.
Hans Roth, der Leiter der Finanzverwaltung, ist der dienstälteste Verwaltungsmitarbeiter. Er arbeitet schon seit 31 Jahren im alten Gemeindehaus.
Aber auch Gemeindeschreiber Jürg Engeli ist schon lange dabei: genauer seit 18 Jahren. Wenn er Gäste im Büro hatte, versuchte er jeweils die Aktenbeigen so zur Seite zu schieben, dass es eine Gattung macht. Doch der Platz war knapp.
Hier, in Engelis neuem Büro, werden hingegen all seine wichtigen Akten Unterschlupf finden.
Später kommen die Akten dann hierhin: ins Archiv im Keller des neuen Gemeindehauses.
Ebenfalls im Untergrund ist die Tiefgarage zu finden, wo auch ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung zur Verfügung steht.
Das Symbol der bisherigen Platzknappheit: In diesem Container hinter dem alten Gemeindehaus war die Abteilung Zusatzleistungen zuhause. Das Personal nannte den Container liebevoll das "Chalet".
Nun dürfen auch die Mitarbeiter der Abteilung Zusatzleitungen im Gemeindehaus arbeiten. Für den Gang zur Toilette müssen sie nun nicht mehr durch Regen und Schnee gehen.
Gemeindehaus Unterengstringen
Gemeindeschreiber Jürg Engeli und Bauvorstand Simon Wirth (FDP) gewährten der Limmattaler Zeitung den Rundgang durchs alte und neue Gemeindehaus. Und nun zum Schluss noch eine wichtige Information...
Wer die Gemeindeverwaltung besucht, wird nicht abgezockt: Die ersten 30 Minuten Parkieren auf den Parkplätzen vor dem Haupteingang sind gratis.

So sieht der Haupteingang des neuen Gemeindehauses aus, das Architektin Tilla Theus entworfen hat. Davor der Parkplatz.

SEVERIN BIGLER

Lange und verworren – nicht nur das Dietiker Stadthaus, auch das neue Unterengstringer Gemeindehaus kann auf eine bewegte Historie zurückblicken. Kommenden Samstag wird es mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht. Es ist der Abschluss einer Geschichte, die in den späten 1990er-Jahren ihren Anfang nahm.

1998 machte der damalige Gemeindeschreiber den Gemeinderat darauf aufmerksam, dass die Raumverhältnisse im Gemeindehaus an der Weiningerstrasse eng und keine Reserven mehr vorhanden sind. Wegen dessen plötzlichen Unfalltodes wurde die Lösungssuche aber um zwei Jahre vertagt. Weil der Gemeinderat kein Ausbaupotenzial am bisherigen Standort sah, entschloss er sich, einen Neubau bei der Freizeitanlage Büel zu planen. Entstehen sollte ein Gemeinde-Dienstleistungszentrum, in dem neben der politischen Gemeinde auch die Primarschule, die reformierte Kirchgemeinde und die Kantonspolizei untergebracht sind. Die Kosten für die Gemeinde wurden mit 11,865 Millionen Franken angegeben.

Nach einiger Kritik – vielen war die Dimension des Projektes nicht geheuer – wurde im Herbst 2003 eine kleinere Version an einer Gemeindeversammlung vorberaten. Trotz vieler Vorbehalte sprach sich die Versammlung deutlich für ein Gemeindehaus «light» aus. Doch an der Urnenabstimmung vom 30. November 2003 wurde das Projekt mit 896 zu 377 Stimmen abgelehnt.

Tag der offenen Tür

Das Einweihungsfest für das neue Gemeindehaus am 1. Juli startet um 10.30 Uhr. Um 11 Uhr folgen die Ansprachen und um 11.30 Uhr wird das Band durchschnitten. Von 11.30 Uhr bis 12 gibt es einen Apéro für alle. Anschliessend folgt das Mittagessen an der alten Schulstrasse. Für die musikalische Umrahmung sorgen «The Four Windows» . Die Marionettenbühne zeigt um 11 Uhr und um 14.30 Uhr das Stück «Die drü Säuli und de Wolf» im alten Schulhaus.

Es dauerte nun eine Weile, ehe die Diskussion um das Gemeindehaus wieder in Gang kam. 2007 erklärte die Exekutive, dass man «nur» noch die Verwaltung in einem neuen Gemeindehaus einzuquartieren gedenke. Anfang 2008 präsentierte sie verschiedene Varianten. Eine bestand darin, dass sich die Gemeinde in das Castrol-Haus an der Zürcherstrasse einmieten solle. Als eine andere Möglichkeit wurde die Errichtung eines neuen Gemeindehauses bei der Gemeindescheune an der Dorfstrasse in Betracht gezogen. Die Kosten dafür wurden auf knapp 5,4 Millionen Franken beziffert.

Gerichte mussten entscheiden

An einem Informationsabend sprach sich eine Mehrheit der Besucher für die Mietlösung aus. Doch die Verhandlungen scheiterten. Eine neue Idee sah nun vor, das alte Gemeindehaus abzureissen, durch einen Investor am selben Ort ein neues erstellen zu lassen und sich dort einzumieten. Zu teuer und am falschen Ort, lauteten dieses Mal die Vorwürfe. Wegen der anhaltenden Kritik an der Mietlösung in einem Neubau reagierte der Gemeinderat Anfang 2010 und verschob die für den März geplante Abstimmung.

Kurz darauf tauchte eine nächste Variante auf. Eine Immobilienfirma wollte das neue Gemeindehaus an der Zürcherstrasse, schräg gegenüber dem bisherigen Standort, bauen. Die Verwaltung sollte sich dort einmieten. An der Rechnungsgemeindeversammlung sprachen sich die Stimmbürger jedoch gegen den Standort Zürcherstrasse aus, bewilligten dafür einen Planungskredit von 225 000 Franken für den Neubau eines Gemeindehauses an der Dorfstrasse.

Aus dem darauffolgenden Architekturwettbewerb ging das Projekt von Tilla Theus als Sieger hervor. Die Geschichte schien nun ihr Ende zu finden. Doch es kam anders. Es gab Ärger wegen des Vergabeverfahrens. Umstritten war insbesondere das sogenannte «Public Voting». Während zweier Tage Mitte März 2011 hatten die Stimmberechtigten Gelegenheit, die vier eingereichten, anonymisierten Projekte zu begutachten und zu bewerten. Dieses Votum – es wurde mit 10 Prozent an der Gesamtbeurteilung gewichtet – war in das Verdikt der Fachjury mit eingeflossen. Dabei sprachen sich über 50 Prozent der Besucher für das Tilla-Theus-Projekt aus. Gegen dieses Vorgehen reichte das zweitplatzierte Architekturbüro Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein und bekam Recht.

Anders sah es das Bundesgericht, das vom Gemeinderat angerufen wurde. Der Fall lag nun wieder beim Verwaltungsgericht. Dieses entschied nun, dass der Vergabeentscheid aufgehoben und der Zuschlag dem beim Architekturwettbewerb zweitplatzierten Architekturbüro erteilt werden muss. Der Grund dieses Mal: Die Punktevergabe bezüglich der Preisofferte für ein Vorprojekt. Nach langen Verhandlungen gelang es dem Gemeinderat schliesslich, sich Ende 2012 aussergerichtlich mit dem Architekturbüro zu einigen. Der Weg für den Tilla-Theus-Bau war frei.

Allerdings gab es im Vorfeld der Urnenabstimmung vom 8. März 2015 Unstimmigkeiten zwischen dem Gemeinderat und der Rechnungsprüfungskommission wegen des Einflusses des Neubaus auf den künftigen Steuerfuss. Trotz der Querelen sagten schliesslich 54 Prozent Ja zum 8,8 Millionen Franken teuren Neubau. Nun kann er eingeweiht werden.

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