Unterengstringen

Ein Gebet im Kloster Fahr zieht grosse Kreise: in der Schweiz, Deutschland und Luxemburg

Seit einem Jahr verbinden die Benediktinerinnen im Kloster Fahr das Gebet am Donnerstag jede Woche mit einer erweiterten Komplet um 19.30 Uhr

Seit einem Jahr verbinden die Benediktinerinnen im Kloster Fahr das Gebet am Donnerstag jede Woche mit einer erweiterten Komplet um 19.30 Uhr

Das vor einem Jahr im Kloster Fahr ins Leben gerufene Gebet um Veränderung in der Kirche wird mittlerweile an rund 70 Orten gebetet.

Ein Jahr ist es her, dass im Kloster Fahr die Initiative «Gebet am Donnerstag» ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, dass das eigens dafür verfasste Gebet «Schritt für Schritt» über das Netzwerk der Benediktinerinnen rund um die Welt verbreitet wird.

Ähnlich wie 1989 das Montagsgebet in Leipzig, das am Ursprung der sogenannten friedlichen Revolution stand, die schliesslich im Fall der Mauer mündete, soll das «Gebet am Donnerstag» den kirchlichen Epochenwandel begleiten.

Nach einem Jahr zeigt sich nun, dass die Initiantinnen um Priorin Irene ihrem Ziel ein Stück näher gekommen sind. Der Kreis jener, die ihre Verbundenheit zum Gebet bekunden und sich damit dafür einsetzten, dass Frauen in der katholischen Kirche in allen Diensten und Ämtern gleichberechtigt sind, wächst.

«Gemeinden, Gruppen und Gemeinschaften in der Schweiz, Deutschland und Luxemburg haben ihre Gebetsverbundenheit gemeldet und sind auf der Webseite www.gebet-am-donnerstag.ch aufgeführt; insgesamt sind es rund 70 Orte», schreibt das Kloster Fahr in einer Mitteilung.

Rede von Bischof Gmür stand am Anfang

«Das ist wunderbar und gibt Kraft», sagt Priorin Irene, der die Idee zum Gebet bei einer Rede des Basler Bischofs Felix Gmür an der Vernissage des Buches «Ein weiter Weg» des Projektes «Für eine Kirche mit* den Frauen» kam.

Der Bischof wies darin auf die Wichtigkeit der Kontemplation, also des Gebets hin. Seither verbinden die Benediktinerinnen im Fahr das Gebet am Donnerstag jede Woche mit einer erweiterten Komplet um 19.30 Uhr.

Dabei kommen ganz verschiedene Menschen zusammen, Einzelpersonen aber auch ganze Gruppen aus Pfarreien. «Wir haben einen Pool an Leuten, der jedes Mal kommt. Immer wieder stossen aber auch neue dazu.

Das gemeinsame Gebet empfinde ich jedes Mal als ergreifend», sagt Priorin Irene, die sich schon lange für das Mitbestimmungsrecht der Frauen in der katholischen Kirche einsetzt und in Stuttgart dabei war, als das internationale katholische Frauennetzwerk «CWC - Catholic Women’s Council» gegründet wurde.

«In den letzten Monaten ist Bewegung in die katholische Kirche gekommen. Gerade in Deutschland», sagt Priorin Irene. Im letzten Mai sei dort die Initiative ‹Maria 2.0› entstanden. Verschiedene Gruppen von «Maria 2.0» würden mittlerweile donnerstags zum Gebet einladen und so dafür sorgen, dass die Vision für eine zukunftsfähige Kirche weitere Kreise erreicht.

Heisst es doch in «Schritt für Schritt»: «Frauen und Männer sind durch die eine Taufe gleich- und vollwertige Mitglieder der Kirche. Im Miteinander in allen Diensten und Ämtern können sie zu einer Kirche beitragen, die erneuert in die Zukunft geht.»

Gerade auch wegen solcher Passagen spreche das Gebet viele Menschen an und zeige ihnen, dass sie nicht alleine sind, ist Priorin Irene überzeugt. Und es zeige, zusammen mit den verschiedenen Initiativen, Wirkung.

«Besonders in Deutschland gibt es unter den Bischöfen Stimmen, die sagen, dass man um die Frauenfrage in der Kirche nicht mehr herum komme», so Priorin Irene. Dennoch sei es noch ein langer Weg, der viel Geduld verlange – Schritt für Schritt.

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