Dietikon
Jetzt soll Tom Hängs die Böötler erziehen

Die Städte Dietikon und Zürich machen mit einem Video die wichtigsten Regeln bekannt. Es ist der neuste Anlauf, um gefährliche Situationen auf und in der Limmat zu verhindern.

David Egger
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Schwimmweste, Flamingo-Badehose, Badeschlarpen, breites Grinsen: Das soll bei Böötlern besser ankommen als Anzug oder Uniform.

Schwimmweste, Flamingo-Badehose, Badeschlarpen, breites Grinsen: Das soll bei Böötlern besser ankommen als Anzug oder Uniform.

Screenshot: Youtube-Kanal der Stadt Dietikon

Der Tod lauerte in Dietikon. Er war so nahe, dass er nur mittels manuellen Notstopps des EKZ-Kraftwerks verhindert wurde. Es war ein Schockmoment – und nur einer von gleich mehreren Gummiböötli-Zwischenfällen beim Dietiker Kraftwerk im letzten Sommer.

Ein Jahr später heisst es jetzt: «Der Sommer ist da! Du weisst, was das heisst: Limmatböötle!» So beginnt das neuste Video der Stadt Dietikon, das sie diese Woche auf ihrem Youtube­Kanal veröffentlicht hat. Die Stadt will damit den Gummiböötlern die wichtigsten Regeln bekanntgeben – um Lebensgefahr, Littering und andere Schattenseiten des Limmat­bootsverkehrs zu verhindern.

So erklärt Tom Hängs die wichtigsten Böötli-Regeln.

Stadt Dietikon

Elektrizitätswerke und Polizeikorps machen mit

Entstanden ist das Video in Zusammenarbeit mit dem Stromversorger EKZ, dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), der Stadtpolizei Zürich, der Kantonspolizei, der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) und den Rettungsschwimmern der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaften (SLRG). Neben der Stadt Dietikon haben auch EKZ und EWZ das Video auf Youtube veröffentlicht – die beiden Letzteren auch mit Untertiteln.

Im Video tritt ein betont ­lockerer Mann als Tom Hängs auf und erklärt die wichtigsten Böötli-Regeln – stilgerecht in mit Flamingos verzierten hellblauen Badehosen sowie mit Sonnenbrille und breitem Grinsen. «Logisch», sagt er, werde das heute ein lustiger Böötli-Tag – aber eben nur, wenn jeder «safe» (neudeutsch für «sicher») ankomme. Ein manueller Notstopp des Kraftwerks, ein Verschwinden in dessen Sog, wäre hingegen alles andere als lustig.

Nach dem Böötli aufpumpen zieht er die Schwimmweste an

Zuerst erinnert er daran, während er das Boot aufpumpt, dieses mit Name – in diesem Fall eben Tom Hängs –, Adresse und ­Natelnummer anzuschreiben. Dann zieht er seine leichte Schwimmweste des Herstellers Secumar – erhältlich zum Beispiel bei Sportxx und Galaxus – an und steigt beim Wipkingerpark ins Wasser.

Als seine Begleiterin ihr Boot an seines binden will, kramt er kurzerhand eine Schere hervor und schneidet die Schnur wieder durch. Die Botschaft ist klar: In Sachen Sicherheit sollte man keine Kompromisse eingehen. Dazu gehört auch das sprichwörtliche Trockenbleiben: Als sein Begleiter ihm ein Bügelbier hinstreckt, sagt Tom Hängs Nein. Nicht etwa, weil er lieber Rum möchte, sondern:

«Ein echter Captain trinkt keinen Alkohol!»

Stattdessen folgt ein richtig guter Freizeitkapitän dem Exit-Schild unter der Europabrücke vor dem Höngger Wehr. Notfalls ist auch ein Ausstieg, allerspätestens bei der mit Bojen markierten Rampe links des Wehrs, möglich.

Danach ist wieder Geniessen angesagt – bis zur Ankunft in der Gummiböötli-Hafenstadt Dietikon.

«Beim Glanzenberg musst Du raushüpfen. Wenn Du den Tag noch ausklingen lassen willst, gibt es hier Verpflegungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Und wenn du müde bist, ist der Bahnhof Glanzenberg nur 200 Meter entfernt»,

erklärt Tom Hängs dem Youtube-Publikum.

Auch die Nötzliwiese wird als Ausstieg beworben

Und dann ruft er noch dazu auf, den eigenen Müll selbst zu entsorgen, statt auf der Wiese liegen zu lassen.

«Wenn Du das Boot wegschmeissen willst, machst Du das zu Hause, aber am besten behältst Du das Boot.»

Denn es werde ja sowieso nicht das letzte Mal Limmatböötle gewesen sein. Zum Schluss des Videos wird auch die Nötzliwiese knapp als Ausstiegsort beworben. Tom Hängs sagt:

«Wenn Du den Ausstieg Glanzenberg verpasst hast, ist das die letzte Ausstiegsmöglichkeit. Pass auf und schau, dass Du auf der linken Seite bleibst.»

Achtung: Böötlen ist dieses Wochenende verboten

Dieses Wochenende sollte aber niemand in die Limmat steigen – die Zürcher Stadtpolizei hat dies am Freitagnachmittag verboten.

«Nach den grossen Niederschlagsmengen in den letzten Tagen führt die Limmat sehr viel Wasser mit sich. Zurzeit beträgt die Abflussmenge rund 300 Kubikmeter pro Sekunde»,

teilte sie mit. Dies führe zu Lebensgefahr. Fast gleichzeitig musste am Freitag ein Schwimmer wegen der enormen Strömung per Helikopter aus der Limmat gerettet werden.

Bis und mit Sonntag gilt «ein Verbot für jegliches Befahren mit Schiffen auf der Sihl ab der Zollbrücke bis zum Einfluss in die Limmat und auf der Limmat ab dem Lettenwehr bis zum Höngger Wehr». Das Verbot gilt auch für Schwimmer und Gummiböötler.

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