Dietikon
«Er war auf maximale Beute aus»: Bezirksgericht kauft Algerier Ausrede mit Haarschneideapparat nicht ab

Vor dem Bezirksgericht Dietikon hat ein junger Mann bestritten, mehr als nur einen Haarschneideapparat und eine Spraydose aus einem Schlieremer Haus gestohlen zu haben. Laut Anklage liess der Algerier über 10'000 Franken mitlaufen. Die gefundenen DNA-Spuren sprachen eine klare Sprache.

Louis Probst
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Wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz hat das Bezirksgericht Dietikon einen jungen Algerier des Landes verwiesen.

Wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz hat das Bezirksgericht Dietikon einen jungen Algerier des Landes verwiesen.

Archivbild: Walter Bieri/Keystone

«Die Tür stand offen», liess der Beschuldigte, ein junger Mann aus Algerien, vor dem Bezirksgericht Dietikon durch die Übersetzerin ausrichten. «Ich dachte, das Haus sei unbewohnt. Im Badezimmer fand ich einen Haarschneideapparat und eine Spraydose. Das habe ich mitgenommen.» Gemäss der Staatsanwaltschaft – und den Leuten im durchaus bewohnten Haus in Schlieren – war es aber nicht dabei geblieben.

Laut Anklage liess der Beschuldigte, der damals im Durchgangszentrum Altstetten lebte, aus einer Registrierkasse 1050 Franken mitlaufen, ausserdem drei Serviceportemonnaies mit total rund 12'000 Franken, ein Handy sowie ein Köfferchen, in dem sich Schmuck, drei teure Sonnenbrillen, Schminkutensilien und ein Portemonnaie befunden hatten.

«Auf diese Frage kann ich keine Antwort geben»

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch sowie rechts­widriger Einreise und rechtswidrigem Aufenthalt. Sie be­antragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten als Zusatzstrafe zu einer ­früheren, bedingt ausgesprochenen Haftstrafe von zwei Monaten sowie eine Landesverweisung für fünf Jahre.

Er sei mit dem Boot nach Spanien gekommen, später in Frankreich gewesen und mit dem Zug in die Schweiz eingereist, erklärte der Beschuldigte, der sich seit letztem Herbst in Haft befindet und von zwei Polizeibeamten in den Gerichtssaal eskortiert wurde. Er habe in der Schweiz ein Asylgesuch stellen wollen. In der Befragung durch Bezirksrichter Benedikt Hoffmann blieb er meist vage. Auf diese Frage könne er keine Antwort geben, liess er immer wieder ausrichten.

Beschuldigter wird nicht nach Algerien zurückreisen

Zur Frage, weshalb er das Haus in Schlieren betreten habe, meinte er: «Ich stand unter Alkohol und Medikamenten.» Auf den Einwand des Richters, dass es viele Menschen gäbe, die Alkohol genossen hätten, deswegen aber nicht in fremde Häuser eindringen würden, sagte der Beschuldigte. Er führte aus:

«Ich habe die offene Türe gesehen. Wäre sie zu gewesen, wäre ich nicht hineingegangen.»

Er blieb dabei, nur den Haarschneider und die Spraydose mitgenommen zu haben. Auf die Feststellung, dass es doch ein seltsamer Zufall sei, dass die Spraydose mit DNA-Spuren des Beschuldigten neben der leeren Schublade der Registrierkasse vor dem Hause gefunden wurde, sagte der Beschuldigte gelassen: «Ja, wenn man das so anschaut.» Auch zu seiner persönlichen Zukunft blieb er unbestimmt. «Ich weiss nicht, was meine Zukunft sein wird», erklärte er. Er werde jedoch nicht nach Algerien zurückkehren.

«Er hat aus Not die Gunst der Stunde genutzt»

Der Verteidiger beantragte, sein Mandant sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten zu verurteilen. Der Strafantrag der Anklägerin sei zu hoch bemessen. Sein Mandant habe aus «finanzieller Not die Gunst der Stunde genutzt». Es dürfe nicht übersehen werden, dass es sich um einen Kleinstkriminellen ohne Geld und Papiere handle, der keine grosse Wahl habe, als sich illegal in der Schweiz aufzuhalten. Auch würden die Aussagen der Geschädigten «schräg daherkommen». Es falle auf, dass stets höhere Verluste geltend gemacht worden seien.

Das Gericht folgte am Freitag den Anträgen der Staatsanwaltschaft, wobei es die Dauer der Landesverweisung auf sieben Jahre erhöhte. Es verfügte zudem die Fortdauer der Sicherheitshaft. «Das Gericht hat keinen Zweifel, dass der Beschuldigte auf maximale Beute aus war», so Bezirksrichter Hoffmann. Und ergänzt:

«Das gravierende Vorgehen ist geprägt durch Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Eigentum.»

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