Coronavirus

Dietiker Stützpunktfeuerwehr: Weshalb die Feuerwehren mit halb leeren Fahrzeugen ausrücken

Abstand halten: Im Dietiker Kommandofahrzeug ist der mittlere Sitz mit einem X markiert.

Abstand halten: Im Dietiker Kommandofahrzeug ist der mittlere Sitz mit einem X markiert.

Damit die Limmattaler Feuerwehren angesichts des grassierenden Coronavirus einsatzfähig bleiben, müssen sie sich strikte an die geltenden Verhaltensregeln halten - sie rücken selbst im Mannschaftstransport auseinander. Ein Augenschein bei der Dietiker Stützpunktfeuerwehr.

Rücken die Feuerwehren im Limmattal aus, sind sie derzeit mit halb leeren Fahrzeugen unterwegs. So sitzen beispielsweise im Mannschaftstransporter der Dietiker Stützpunktfeuerwehr maximal sechs statt wie üblich neun Feuerwehrleute. Im TLF, dem Tanklöschfahrzeug, fahren im engen Kabäuschen hinter dem Fahrer und dem Beifahrer nur noch drei statt sechs Einsatzkräfte mit.

Dies ist dem Coronavirus geschuldet. Es liegt aber nicht daran, dass die Hälfte der Truppe erkrankt ist – es handelt sich vielmehr um eine Massnahme, damit die Feuerwehrleute weiterhin gesund und einsatzfähig bleiben. «Gewisse Sitze werden bei einem Einsatz nicht mehr besetzt, damit im Fahrzeug der geforderte Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Einsatzkräften eingehalten werden kann», erklärt Stabsoffizier Roger Wiederkehr.

In den Fahrzeugen der Dietiker Feuerwehr wurden die Sitze, die leer bleiben sollen, mit Klebeband markiert.

Home-Office ist beim Einrücken bemerkbar

Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft und die Reaktionsfähigkeit hat dies nicht: «In einem Fahrzeug sitzen zwar weniger Einsatzkräfte, doch rücken wir mit mehr Fahrzeugen aus», sagt Wiederkehr. Die Vorgabe der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ), innert zehn Minuten ab Alarmierung am Schadenplatz einzutreffen, hält die Stützpunktfeuerwehr Dietikon nach wie vor ein. Sie ist tendenziell gar leicht schneller: Da viele der 85 Dietiker Feuerwehrleute im Home-Office arbeiten, müssen sie bei einer Alarmierung nicht von ihrer ­allenfalls auswärts gelegenen Arbeitsstelle einrücken.

Das Coronavirus und die damit verbundenen Auflagen beeinflusst die Arbeit der Feuerwehr nicht nur beim Ausrücken. Die Fahrzeuge und das Material müssen aufwendiger gereinigt werden. Bei der Auftragsvergabe müssen auch bei einem Grosseinsatz kleine Gruppen gebildet und der geforderte Abstand eingehalten werden. Und wird die Feuerwehr zu einem Patiententransport gerufen, hat sie neu eine Box dabei, in der sich Handschuhe, Schutzbrillen und Schutzmasken befinden. «Zu unserer Sicherheit müssen wir uns gut schützen», sagt Wiederkehr. Und dies diene letztlich auch der Sicherheit aller: «So bleiben wir einsatzfähig.»

Die Bereitschaft wird überwacht

Die Gebäudeversicherung, welche die Feuerwehren im Kanton Zürich strategisch führt und beaufsichtigt, hat ebenfalls reagiert. Seit 12. März verschickt sie regelmässig Informationsschreiben mit aktuellen Lagebeurteilungen und Verhaltensanweisungen an alle Feuerwehrkommandos im Kanton, wie die GVZ auf Anfrage mitteilt.

Um den Überblick über den Zustand der Feuerwehrorganisationen zu behalten, setzt sie ein Monitoring-System ein: Die Feuerwehren müssen ihr laufend melden, wie viele ihrer Mitglieder gesund und einsatzbereit sind. «Dadurch kann die GVZ im Bedarfsfall rasch reagieren.»

Übungen und Weiterbildungen sind nicht erlaubt

Die GVZ hat zudem den Betrieb im Ausbildungszentrum Andelfingen vorerst eingestellt und den verschiedenen Feuerwehren im Kanton bis auf weiteres verboten, Übungen abzuhalten. Und das Feuerwehrdepot ist für Angehörige der Feuerwehr in der Freizeit ebenfalls tabu – nur im Ernstfall dürfen sie es gemäss GVZ-Weisung betreten. So soll eine Ausbreitung des Virus unter Feuerwehrleuten verhindert werden.

Dass dies gelingt, hofft auch Wiederkehr. Und er ist zuversichtlich: «Wir haben alle Massnahmen getroffen, die möglich sind.» Und an die Verhaltensregeln hielten sich im Dietiker Feuerwehrdepot alle bereits automatisch. «So bilden sich auch bei der Nachbesprechung im Depot immer nur kleine Gruppen von weniger als fünf Personen.» Die Ausnahmesituation, die vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen sei, sei mittlerweile schon zum Alltag geworden, sagt Wiederkehr. «Wir nehmen die Situation ernst, damit wir unseren Auftrag zugunsten der Bevölkerung weiter erfüllen können.»

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