Marco Bisa

Dietiker Polizeichef will seine Truppe auf den Strassen sehen

Sein Polizeiherz schlägt bereits für Dietikon: Marco Bisa zieht nach dreieinhalb Monaten eine erste positive Bilanz.

Sein Polizeiherz schlägt bereits für Dietikon: Marco Bisa zieht nach dreieinhalb Monaten eine erste positive Bilanz.

Seit Dezember ist Marco Bisa der neue Chef der Stadtpolizei Dietikon: Der frühere Mediensprecher der Zürcher Stapo zieht eine erste positive Bilanz – er hat die Präsenz auf den Strassen bereits erhöhen können, zudem startet bald eine spezielle Jugendpatrouille.

Sie sind nach einem Abstecher auf eine Gemeindeverwaltung zur Polizei zurückgekehrt. Hatte Ihnen im Büro die Aufregung gefehlt?

Marco Bisa: Der direkte Kontakt zu den verschiedenen Anspruchsgruppen hat mir gefehlt. Auch finde ich es schön, wenn ich für die Bevölkerung da sein kann, wenn ich ihr helfen kann.

Weshalb haben Sie die Stelle überhaupt gewechselt?

Ich war über 20 Jahre bei der Stadtpolizei Zürich. Nach dieser langen Zeit habe ich eine neue Herausforderung gesucht. Als Abteilungsleiter Bevölkerungsdienste der Gemeinde Bonstetten hatte ich eine spannende Aufgabe gefunden. Aber mein Polizeiherz hat einfach nicht aufgehört zu schlagen. Da hörte ich, dass Dietikon einen neuen Stadtpolizeichef sucht. Das brachte mich zurück zur Polizei.

Sie waren nun als Polizist auf den Strassen von Zürich und von Dietikon unterwegs. Wie unterscheiden sich diese beiden Städte?

Grosse Unterschiede sehe ich vor allem im Ausgehverhalten. In Zürich gibt es viel mehr Clubs und Veranstaltungen. Aber ich bin in Dietikon aus polizeilicher Sicht, etwa in Sachen Kriminalität oder Verkehr, mit ähnlichen Herausforderungen wie in Zürich konfrontiert. Man spürt, dass es sich um eine Zentrumsregion handelt. Es läuft immer etwas, es gibt für uns genug Arbeit.

Was ist Ihre vordringlichste Aufgabe in Dietikon?

Der Stadtrat und ich wollen eine Polizei, die bürgernah und greifbar ist. Sie soll in der Stadt wahrgenommen werden. Es ist wichtig für das Sicherheitsgefühl der Einwohnerinnen und Einwohner, dass sie Polizisten in ihren Quartieren sehen.

Der Personalbestand wird aber nicht ausgebaut. Wie schaffen Sie mehr Präsenz?

Ich habe bereits die Arbeitseinteilung geändert, damit wir mehr präsent sein können. Ich will meine Polizisten draussen sehen, nicht im Büro. Ich habe nun schon viele Rückmeldungen erhalten; die Leute spüren, dass wir häufiger patrouillieren.

Dabei wird die Polizei auch Park- und andere Bussen verteilen. Kommt das gut an?

Wenn wir die Meldung erhalten, dass eine Busspur befahren wird oder dass an einem Ort trotz Verbot abgebogen wird und dabei gefährliche Situationen entstehen, dann sind wir verpflichtet, einzuschreiten, Präsenz zu markieren, Kontrollen durchzuführen und zu büssen. Das gehört zu unserer Aufgabe. Wichtig ist, dass die Leute merken, dass die Polizei da ist und kontrolliert. Dies hat auch eine präventive Wirkung, nicht nur im Strassenverkehr.

In welchen Bereichen noch?

Ich bin mir sicher, dass wir dank unserer erhöhten Präsenz auch bezüglich Lärm und Littering etwas erreichen können. Die Dietiker Polizisten sollen dabei nicht nur Bussen verteilen, sie sollen auch mit den Leuten reden.

Nützt denn blosses Reden?

Es hilft, es kann zumindest ein Puzzlestein sein. Natürlich lässt sich beispielsweise das Littering-Problem von der Stadtpolizei nicht lösen, das ist ein gesellschaftliches Problem. Aber ich bin überzeugt: Indem wir offen und bürgernah sind, können wir doch viel erreichen.

Setzen Sie auf das sogenannte Community Policing?

Ja, es braucht die Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung. Das beinhaltet beispielsweise, dass wir auf einer Patrouille auch einmal in einen Laden hineingehen, mit dem Besitzer reden und ihn fragen, wie es ihm geht, ob er sich sicher fühlt, ob er Probleme hat. So hören wir etwa, dass in dessen Innenhof in der Nacht Partys gefeiert werden und Abfall zurückgelassen wird. Dies fliesst bei mir in eine Hotspot-Liste ein. Da können wir auf unseren Patrouillen dann Schwerpunkte setzen. Damit zeigen wir den Leuten, dass wir ihre Sorgen nicht nur hören, sondern auch ernst nehmen. Das ist wichtig und schafft Vertrauen.

Sie haben Hotspots erwähnt. Welche gibt es in Dietikon?

Eine Herausforderung ist sicher die 24-Stunden-Gesellschaft, insbesondere die Durchsetzung der Nachtruhe in den wärmeren Monaten. Es herrscht viel Betrieb entlang der Limmat und im Stadtzentrum. Dann gibt es viele Baustellen, wie jene der Limmattalbahn, die uns für Jahre beschäftigen. Und das Motorengeheul und die Jugendlichen sind auch ein Thema.

Wie reagiert die Stadtpolizei Dietikon darauf?

Wir werden beispielsweise neu von April bis Oktober gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich und städtischen Akteuren wie der Jugendarbeit spezielle Jugendpatrouillen durchführen. Es ist das Ziel, in persönlichen Gesprächen präventiv zu wirken.

Gibt es polizeiintern auch noch Handlungsbedarf?

Grundsätzlich bin ich überzeugt davon, dass die Stadtpolizei gut aufgestellt ist. Sie ist inzwischen auch bereits sichtbarer geworden. Wichtig ist mir die Netzwerkpflege. Mit der Kantonspolizei Zürich arbeiten wir bereits eng und sehr gut zusammen. Mit anderen, beispielsweise den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich und der Aargau Verkehr AG, suche ich das Gespräch. Ein gegenseitiger Informationsaustausch ist wichtig. Für mich braucht eine Polizei zudem auch PR. Ich will deshalb die Polizei in Dietikon besser verkaufen. Die Bürger müssen wissen, dass es uns gibt, dass wir da sind. Deshalb sind wir auch mit einem Stand am Sommerfest und am Herbstmarkt dabei.

Und schlägt Ihr Polizeiherz schon für Dietikon?

Ja, ich war in den vergangenen drei Monaten schon oft auf Patrouille. Dabei konnte ich einerseits mit den Bürgern in Kontakt treten, andererseits konnte ich mich mit meinen Leuten austauschen. Ich habe ein tolles Team und eine spannende Aufgabe.

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