Die Zeit zum Handeln war gekommen. Diese Motion an den Gemeinderat war zu viel des Guten. Jetzt galt es, die Haus- und Grundeigentümer in Dietikon zu organisieren. Denn Vermieter sollten dazu verpflichtet werden, einen Mieter so lange zu behalten, bis dieser eine andere Wohnung gefunden hat. Bei der schlechten Zahlungsmoral der Mieter hätte dies katastrophale Folgen für den Hausbesitzer gezeigt, waren sich der Schlossermeister Johann Rudolf Lips, Gemeindeschreiber Emil Schifferli, Hafnermeister Lorenz Gollob, «Krone»-Wirt Alois Gstrein, Landwirt Robert Wiederkehr und Buchdrucker Johann Georg Hummel einig.

In fünf Sitzungen berieten sie Statuten, präzisierten den Zweck des zu gründenden Verbands und klärten organisatorische Fragen, sodass am 2. Dezember 1919 im «Ochsen» der Hauseigentümerverband (HEV) Dietikon, seit 1993 HEV Dietikon-Urdorf, aus der Taufe gehoben werden konnte. Von den 180 eingeladenen Hausbesitzern der Gemeinde erschienen 70 an der Versammlung und gaben ihren Beitritt bekannt. Zum ersten Präsidenten wurde Rudolf Keller gewählt.

Dietikon zählte 1920 knapp

über 5000 Einwohner

Die Verbandsgründung fiel in eine Zeit, in der aus dem landwirtschaftlich und kleingewerblich geprägten Dietikon ein kleiner Industriestandort geworden war. Die Gemeinde zählte damals 562 Wohnhäuser und 5029 Einwohner in 1058 Haushaltungen, wie der heutige HEV-Präsident Hans Schenk in seiner eben erst erschienen Verbandschronik zum 100-jährigen Bestehen schreibt. Der Erste Weltkrieg war zwar vorbei, die wirtschaftlichen Auswirkungen waren jedoch immer noch zu spüren. Auch im Wohnbereich.

Im ganzen Kanton herrschte Wohnungsnot. Vor allem in den Städten und ihren Vororten konnte der Bedarf nach Wohnraum wegen der im Krieg fast gänzlich zum Erliegen gekommenen Bautätigkeit nicht mehr gedeckt werden. Der Regierungsrat versuchte Gegensteuer zu geben. Unter anderem wurde über die zwangsweise Inanspruchnahme der wenigen leerstehenden Wohnungen diskutiert. Bereits 1917 hatte der Bundesrat per Notrecht eine Mietzinskontrolle eingeführt. Erhöhungen der Mietpreise mussten ab diesem Zeitpunkt bewilligt werden.

Diese Veränderungen im Mietwesen veranlassten den neu gegründeten Verband, als erstes einen Mietvertrag mit Hausordnung zu erstellen. Aber auch die Entwicklung Dietikons beschäftigte die Mitglieder immer wieder aufs Neue. So wurden beispielsweise Eingaben zur Verbesserung des Kanalisationswesens im Schächli- und im Mühlehaldenquartier an den Gemeinderat gemacht. Schon früh wurde der Verkehr ein Thema. Insbesondere der dadurch verursachte Lärm. Doch mit seiner Forderung, in reinen Wohnquartieren Einbahnstrassen einzuführen, blieb er erfolglos.

Erfolgreicher war der HEV, als er gemeinsam mit dem Gewerbeverein mit der Idee vorstellig wurde, Anordnungen zur Subventionierung von Umbau- und Renovationsaktionen an Liegenschaften in der Gemeinde in die Wege zu leiten. «Schon im Winterhalbjahr 1935/36, zu einer Zeit also, da im Baugewerbe grosse Arbeitslosigkeit herrschte und die Zahl der Arbeitslosen in der Gemeinde auf über 300 anwuchs, gelangten für über 100 000 Franken Arbeiten an Liegenschaften zur Ausführung, womit manche Not in Familien durch Arbeitsvermittlung behoben und dem Hauseigentümer eine Erleichterung in der Vornahme notwendiger Reparaturen gegeben werden konnte», heisst es in der Chronik.

Auch in den folgenden Jahrzehnten begleitete der HEV das Geschehen in der Gemeinde. Etwa als er zusammen mit der FDP verschiedene Abänderungsanträge zur Bauordnung stellte, die dem Gemeinderat 1958 vorgelegt wurde. Den Änderungen wurde zugestimmt. Kein Erfolg hingegen war den Einwendungen zur Bau- und Zonenordnung 1993 in Urdorf beschieden. Als Dauerthema entpuppt sich bis heute der Eigenmietwert. Seit dessen Einführung beschäftigt er die Mitglieder des HEV.

Zahl der Urdorfer Mitglieder nahm stetig zu

Bereits seit den Anfangsjahren bietet der Verband seinen Mitgliedern verschiedene Hilfeleistungen. Etwa die unentgeltliche Rechtsauskunft, die bereits seit Beginn in Anspruch genommen wird. In den vergangenen Jahrzehnten sind es vor allem Vorträge und Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen, die von den Mitgliedern geschätzt werden. Aktuell sind es deren 1112.

Bereits kurz nach der Gründung traten erste Eigentümer aus den umliegenden Gemeinden von Dietikon dem Verband bei. Manche hatten eine Verbindung zu Dietikon oder besassen dort Liegenschaften, andere wollten den HEV unterstützen oder dessen Angebote nutzen. Bis zur Jahrtausendwende umfasste die Sektion Dietikon die Gemeinden Dietikon, Urdorf, Bergdietikon und Rudolfstetten. Mit der regen Bautätigkeit in den 1960er- und 1970er-Jahren im Limmattal bildeten sich auch in anderen Gemeinden eigene Sektionen. Während zahlreiche Mitglieder nun in die neu gegründeten Verbände im Limmattal oder im Kanton Aargau wechselten, stieg die Zahl der Mitglieder aus Urdorf im HEV Dietikon stetig an. An der Generalversammlung 1993 wurde diesem Umstand Rechnung getragen und der Name in Hauseigentümerverband Dietikon-Urdorf geändert.