Weltreise
Die unendliche Reise eines Limmattalers mit dem Truck nach Labrador City

Jetzt bin ich schon vier Monate in Québec und fühle mich wohl. Mein Mann, Bruno ist meist im Truck unterwegs. Ende Mai ruft er mich an: «Habe eine Ladung für Labrador-City bekommen.»

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Unterwegs nach Labrador City: Exklusive Bilder aus Kanada
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Unterwegs nach Labrador City: Exklusive Bilder aus Kanada

Limmattaler Zeitung

Das ist für mich der Moment, meine Tasche zu packen und mit auf Reisen zu gehen. Die ersten 520 Kilometer dem Lorenzstrom entlang. Über die Mündung des Saguenay-Flusses wird der ganze Strassenverkehr auf Fähren verladen, Velos, Autos, Trucks, alle. Drei Wochen später werden wir als Touristen wieder hier sein um Wale zu beobachten.

630 Liter in 100 Kilometer

Von Baie Comeau folgt die Strasse dann dem Manicouagan-Fluss, an mehreren riesigen Staumauern vorbei. Neben dem Wehr von «Manic5» klettert die Strasse in Serpentinen mit bis zu 18 Prozent Steigung. Unser Truck hat 52 Tonnen Gesamtgewicht, Bruno fährt in einem kleinen Gang in diese «Kletterpartie» hinein.

Der Truck-Bordcomputer zeigt einen Momentanverbrauch von nicht weniger als 630 Litern pro 100 Kilometer an. Wir passieren auch diese Stelle problemlos, im Gegensatz zu einem Trucker der uns oben erzählt, dass ihm mit seinem Automatik-Getriebe acht mal auf der Strecke, in einer Steigung der Motor abgestorben ist und er neu anfahren musste. Diese weiteren 580 Kilometer gehen mal über Schotterpiste und dann ist‘s wieder geteerte Strasse. Wir kommen ohne Schaden oben an.

Endlich in Labrador-City

Ein Tier habe ich neu kennen gelernt. Es ist dunkelbraun, so gross wie ein Biber, hängt in den Bäumen in der Sonne, wackelt umständlich und langsam über die Strasse, wie ein Faultier und heisst Porcépic (franz.). Zur Verteidigung hat das Porcupine (engl.) Stacheln auf dem Rücken und Hinterteil, die es bei Gefahr aufrichten kann. Auf halben Weg steht die Tafel; hier stand die Stadt Gagnon. Um 1980 wurde sie abgebaut und heute sieht man nur noch die Strasse, die Trottoirs und die ehemaligen Einfahrten zu den Häusern. Sonst hat sich die Natur alles zurück geholt.

Die letzte Stadt in der Provinz Québec ist Fermont: ein Eisenbergwerk das Berge versetzt. Unsere Strasse schlängelt sich über Eisenbahnschienen, durch Kies- und Sandgebirge, an einem rostroten See vorbei. Die Farbe des Wassers stört weder Enten noch Gänse, auch dass Teile der Wasserflächen noch zugefroren sind macht denen nichts aus.

Nach 12 Stunden Fahrt kommen wir in Labrador-City an. 17 Uhr Samstagabend, der Ablad ist erst am Sonntag,. So bleibt uns Zeit für einen feinen Fisch und Frites im Pub. Wir treffen ein Trucker-Ehepaar aus Ontario, das wir vor 5 Jahren in Colorado kennen gelernt haben. So werde ich drei bis vier Wochen mit auf dem Truck sein und dann wieder ein paar Wochen im Haus bleiben. Es wird nie langweilig.

*Die Dietikerin Marianne Bechtiger wanderte im Januar nach Kanada aus.

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