Weiningen
Die Traubenernte nach dem Hageldesaster bringt wenige aber sehr süsse Trauben

In den Hängen um Weinigen wuseln dieser Tage die Winzer mit zahlreichen Helfer durch die Rebberge. Es gilt viele Kilos praller und süsser Weintrauben zu ernten.

Katja Landolt
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Die Trauben sehen traurig aus, der Hagel hat ihnen übel zugesetzt
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Winzer Robin Haug mit einer der gefüllten Kisten
Helfer Max Mattenberger zwickt die vertrockneten Beeren heraus
Wümmet in Weiningen
Helfer Isidor Manhart hilft seit Jahren beim Wümmet mit
Je nach Sorte haben sich die Trauben mehr oder weniger gut vom Hagelschaden erholt
Hier wird der Wein 2011 in ein paar Monaten gelagert

Die Trauben sehen traurig aus, der Hagel hat ihnen übel zugesetzt

Katja Landolt

Energisch streift Winzer Robin Haug über die Traube; kleine, trockene Beeren spicken ab, kullern ins Gras. Ein paar wenige Beeren klammern sich noch am Stiel fest, gesunde Beeren. Prall und saftig - die Überbleibsel von der Sturmnacht vom 13. Juli, in der der Hagel die Weininger Rebberge übel zugerichtet hat.

Es ist kurz vor Mittag. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, das Gras zwischen den Rebstöcken ist noch nass. An den Hängen des Weinguts von Hans-Heinrich Haug wird geerntet, ein gutes Dutzend Helfer zieht mit Kisten und Scheren durch die Reihen und zwickt den Riesling Silvaner von den Ästen. Kopfschüttelnd. «So etwas habe ich noch nie gesehen», sagt Max Mattenberger aus Rudolfstetten, der seit Jahren beim Wümmet mithilft. Und Isidor Manhart aus Unterengstringen pflichtet ihm bei: «Wir haben ja auch schon schlechte Jahre erlebt, aber so etwas habe ich in der ganzen Zeit noch nie gesehen.»

Ernte dauert fünf Mal länger

Die Ernte ist eine Sisyphus-Arbeit; keine Traube, die den Sturm heil überstanden hat. Die dürren Beeren müssen herausgeschnitten oder -gezupft werden, damit ihre Häute später nicht die bitteren Gerbstoffe an den Saft abgeben und den Geschmack verderben. Das ist insbesondere beim Rotwein wichtig; hier werden die Beeren mitsamt den Häuten sieben Tage lang gegärt, Maischengärung nennt sich das. Beim Weisswein werden die Trauben gleich zu Beginn abgepresst. «Den Weisswein können wir deshalb zügiger lesen», sagt Robin Haug.

Trotzdem - beim Rotwein dauert es fünf Mal länger als in anderen Jahren, um das gleiche Gewicht zu ernten. Rechnet Robin Haug normalerweise mit einem Ernteertrag von 70 Kilogramm pro Person und Stunde, sind es heuer nur gerade 15 Kilo. Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt? Robin Haug lacht und nickt. Die Öchslewerte seien gut bis sehr gut; der Weisse habe zwischen 80 und 93 Grade - «die hätte ich nie so hoch eingeschätzt» -, der Rote rund 100. Der heisse September hat die Werte nochmals kräftig in die Höhe getrieben. Robin Haug: «Es wäre schade, aus diesen Trauben Traubensaft zu machen. Deshalb nehmen wir den Mehraufwand in Kauf.»

Die diesjährige Ernte des Weissweines wird nur etwa dreissig Prozent eines normalen Jahres ergeben. Das scheint ein doch relativ hoher Ertrag zu sein, gingen die Experten doch im August von einem Verlust von 90 Prozent aus. Haben sich die Experten getäuscht? Robin Haug schüttelt den Kopf, die Experten hätten nicht falsch geschätzt. «Aber in normalen Jahren schneiden wir einen Teil der Trauben raus, um die Qualität der andern Trauben zu steigern. Dieses Jahr hat das der Hagel für uns erledigt.»

Besser erholt, als gedacht

Ausserdem hätten sich bei gewissen Sorten die angeschlagenen Beeren besser erholt, als gedacht. «Wir wussten erst nicht, wie die Reben auf den Hagel reagieren werden», sagt Haug. Möglich wäre gewesen, dass sie sämtliche Energie in den Rebstock und die Wurzeln ziehen. Glücklicherweise hätten die Pflanzen nach der Schockstarre den Zucker aber in der Traube eingelagert. Gut geht es auch den Rebstöcken: Bis im nächsten Jahr werden sie sich vollständig erholt haben.

Etwas Wehmut aber bleibt; das Jahr 2011 wäre für die Winzer ein Superjahr gewesen. «Es ist schon etwas enttäuschend, das uns der Hagel einen Strich durch die Rechnung gemacht hat», sagt Robin Haug. Aber so sei das nun mal. «Das ist eben Natur.»