Dietikon

Die Senioren der Senevita-Malgruppe wandeln auf den Spuren grosser Künstler

Das Senevita Limmatfeld präsentiert und würdigt mit einer Ausstellung die grossen und kleinen Werke der Bewohner.

Eine bunte Vielfalt verschiedenster Gemälde hängt seit dieser Woche im Eingangsbereich der Alters- und Pflegeresidenz Senevita Limmatfeld. Die Urheber der Werke sind die Bewohner selbst. Seit drei Jahren trifft sich eine kleine Gruppe von acht bis zehn Senioren jeden Dienstagnachmittag für rund 90 Minuten, um sich in farbenfrohe und künstlerische Tätigkeiten zu vertiefen. Mit einer Vernissage wird die Ausstellung «SenevitART», die bis zum 15. November 2019 dauert, heute um 16 Uhr mit einem Apéro und einer kurzen Ansprache feierlich eröffnet.

Präsentiert werden 28 Werke, die in der internen Malgruppe unter der Leitung der Kunsttherapeutin Bettina Eberle in den vergangenen knapp zwei Jahren entstanden sind. Im Fokus stehen die Eigeninterpretationen grosser Werke von weltberühmten Künstlern der vergangenen 200 Jahre, die durch die Nachahmung der Senioren in ein neues Licht gerückt werden. Ergänzt werden diese projektbezogenen Bilder von weiteren Werken, die der Fantasie der Senioren entsprungen sind.

Humorvolle Senioren gestalten grosse Werke

«Es sind die schönsten Sachen herausgekommen und manche Bilder zeigen wahres Talent», äussert sich Peter Schäpper zu der Ausstellung. Er sei erstaunt darüber, was von den Senioren alles erschaffen werden könne. Schäpper gehört seit der ersten Stunde zu den kreativen Köpfen und beeindruckt mit seinen Bildern, die teilweise auch ganz feine Strukturen beinhalten.

Während der Malstunde am Dienstagnachmittag beweist er zudem wiederholt seinen Humor. Gerne widmet er sich seinen Illustrationen, die er zu bekannten Liedern fertigt. Dazu ändert er die Texte nach seinem Gusto ab. Das Lied «Das alte Haus von Rocky Docky» wird in seiner Version eben mal in «Die alte Maus von Rocky Docky» umgewandelt. Auch das Volkslied «s’ Guggerzytli» wurde vom gesellschaftskritischen Schäpper neu aufgezogen. Längst nicht alle Bilder können an der Ausstellung gezeigt werden, aber sie geben Einblick in diese kreative Welt.

«Sollte ein Besucher eines meiner Werke kaufen wollen, dann ist das in einem Tauschgeschäft möglich», scherzt er weiter: «Wer einen van Gogh bringt, der kriegt einen Schäpper.» Es herrscht generell eine heitere Stimmung in der Malgruppe. «Spass muss eben sein», sagt die Bewohnerin Katharina Jutzeler zum bunten Treiben. Eine ausgedruckte Vorlage mit Herz und Blumen malt mit roter Farbe dagegen die eher ruhige Dora Fitzi aus. Mit ihren 98 Jahren ist sie die älteste Malerin im Raum.

Viele Bewohner malen das erste Mal

«Wer von Ihnen hat denn schon in früheren Jahren gemalt oder gezeichnet?», fragt die Leiterin Bettina Eberle in die Runde. Prompt meldet sich niemand, ausser Fanny Steimel. Sie habe viel mit Aquarell gemalt und entscheide jeweils spontan, was sie als Nächstes gestalten wolle, erzählt sie. Der Kurs biete eine gute Abwechslung zum Alltag. Sie sei im Toggenburg aufgewachsen und habe danach viele Jahre in Schlieren und in der Fahrweid gewohnt.

Stickarbeiten helfen beim genauen Malen

Präzision und Detailtreue findet man in den Bildern von Martha Kunz. «Ich war jahrelang als Textilstickerin tätig, auch auf Auftrag, und musste immer auch zuerst die Vorlagen auf Papier zeichnen. Dieses musste ich dann wiederum ins Textile umwandeln, was aufwendig war und Genauigkeit verlangte», erzählt sie. Unter anderem deshalb habe Frau Kunz also diesen Blick fürs Detail, stellt Bettina Eberle fest.

Auf den ersten Blick eher kritisch gegenüber den eigenen Werken ist Margot Späni, obwohl es eines ihrer zahlreichen Bilder auf den Flyer der Ausstellung geschafft hat.

Späni ist seit 2016 im Senevita Limmatfeld zu Hause. «Ich probiere seit kurzem das Malen mit Wasserfarben aus, obwohl mir die Bleistifte und Farbstifte lieber waren», sagt sie. Besonders schwierig sei es, eine Hautfarbe wiederzugeben. So habe ihre Nachahmung des Bildes «Das Mädchen mit dem Perlenohrring», das im Original ein bleiches blondes Mädchen zeigt, eher dazu geführt, dass einem nun ein Mädchen mit einem dunklen Teint ansehe.

Fanny Steimel lüftet ihr Geheimnis

In der Ausstellung ist zudem ein besonderes Werk zu sehen, das die versierteste Malerin in der Gruppe, Fanny Steimel, gemalt hat. Das Bild hat keinen Titel und so grübeln seit geraumer Zeit sowohl Bekannte als auch die Malgruppe darüber, was sich hinter dem in erdigen und braunen Tönen gemalten Werk verbirgt. «Alle sehen darin was anderes», sagt die Urheberin und lächelt. «Die Gäste der Vernissage dürfen die Liste der Vorschläge für den Bildtitel verlängern.» Danach werde sie das Geheimnis lüften.

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Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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