Dass vor allem Aargauer die Bremgarten-Dietikon-Bahn nutzen, ist in Dietikon bekannt. Und macht die Bahn nicht beliebter. Kommt hinzu, dass sich Autofahrer im Zentrum oft gedulden müssen, wenn die vorbeifahrende Bahn für lange, aufreibende Rot-Phasen sorgt.

Auch Regierungsrat und Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) kennt die Problematik. «Zur Bremgarten-Dietikon-Bahn haben wir Dietiker ein ambivalentes Verhältnis, ist sie doch primär ein Zubringer aus dem Aargau», sagte nämlich der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) zu Stocker, als die beiden am 20. Juli im Beisein der Presse durch Dietikon spazierten (die Limmattaler Zeitung berichtete). Ausserdem erwähnte Bachmann, dass vor allem Aargauer das Park-and-Rail-Areal nutzen, was im Rahmen der geplanten Weiterentwicklung des Bahnhofareals schon mehrfach zur Sprache kam.

Gut 25 Tage nach Stockers Sommer-Spaziergang durch Dietikon berichtete gestern der «Tages-Anzeiger» unter dem Titel «Stadtpräsident lästert über Aargauer» über Bachmanns Aussagen. «Bemerkenswert» und «politisch schon fast unkorrekt» seien diese. Im Aargau war gestern denn auch sofort eine gewisse Verstimmung auszumachen.

Am Rande der Pressekonferenz zum Start der Kampagne «Nein zur halben Limmatalbahn» nahm Bachmann gegenüber der Limmattaler Zeitung Stellung. Den Titel im «Tages-Anzeiger» sehe er von einer humorvollen Seite, sagte Bachmann, dessen Vater im aargauischen Brugg aufwuchs. Er habe auch klargemacht, dass man mit den Aargauer Nachbarn, namentlich Bergdietikon und Spreitenbach, eine gute Zusammenarbeit habe. «Diese leiden unter den gleichen Problemen», so Bachmann. So weichen bekanntlich viele Autofahrer dem stockenden Verkehr auf dem Mutschellen aus, indem sie via Bergdietikon fahren.

Zudem sieht Bachmann nicht nur den Verkehr aus dem Aargau kritisch: «Man sieht auch einen Haufen Luzerner und Zuger Nummernschilder auf unseren Strassen.» Es sei aber Fakt, dass es primär Aargauer sind. «Unser Gewerbe hat nichts davon.» Schliesslich kauften diese Pendler nicht in Dietikon ein.

Die Äusserungen habe er insbesondere als Volksvertreter gemacht. «Das ist meine Aufgabe als Stadtpräsident. Ich sehe mich auch als Sprachrohr der Dietikerinnen und Dietiker.»
Bachmann weiss auch zu differenzieren: «Es hat unter diesen Aargauern wahrscheinlich auch einen ganzen Haufen ausgewanderte Zürcher», sagte er.

«Rüeblitorte mag ich»

Und er hat auch Lob für die Nachbarn: «Die Rüeblitorte mag ich extrem», so Bachmann. Zudem, «Spass beiseite», beneide er den Aargau um dessen Einsatz für kantonale Infrastrukturprojekte auf nationaler Ebene. Der Aargau trete geschlossen auf. «Nach meinem Empfinden macht das der Kanton Zürich weniger gut.»