Oberengstringen
Die Liebe kennt kein Alter - grosse Gefühle auf der Bühne in Oberengstringen

Heidi Diggelmann und Jörg Schneider überzeugen als Liebespaar im Herbst ihres Lebens. Nur ein junger Tenor vermag den beiden Legenden ab und an die Show zu stehlen.

Christian Murer
Drucken
Teilen

Schlicht präsentiert sich der Schauplatz des Stücks in der Zentrumshalle Oberengstringen. Zwei lange, beleuchtete Holzbänke sowie ein schmuckloser, brauner Hintergrund erinnern an einen Sportplatz. Doch die Geschichte von «Letschti Liebi» spielt auf einem Hundespielplatz. Hier also treffen sich Raffaele (Jörg Schneider) und Carol (Heidi Diggelmann) – zwei Menschen jenseits der siebzig. Raffaele, ein eingebürgerter Italiener und pensionierter Eisenbähnler, ist ein Charmeur und Hobbysänger. Wie gerne hätte er als junger Mann mit seinen Arien die Welt erobert. Leider war es ihm als Arbeiter nicht vergönnt, seinen Traum vom Besuch der berühmten Metropolitan Opera in New York in die Tat umzusetzen.

Nun versucht er auf dem Hundespielplatz – etwas aufdringlich – mit der distinguierten Dame Carol ins Gespräch zu kommen. Carol dagegen ist zu Beginn ziemlich zurückhaltend, lässt sich aber allmählich auf ein Gespräch ein.

Die Begegnungen der beiden sprühen vor Charme

Das Alter ist das Hauptthema des Bühnenstücks «Last Romance» des amerikanischen Bühnenautors Joe DiPietro. Dieses diente Jörg Schneider als Vorlage für «Letschti Liebi». Die Begegnungen der beiden Jungsenioren sprühen vor Charme, Annäherung, Ablehnung und Witz. Auch eine Intrige mischt mit, denn Raffaeles eifersüchtige Schwester Rosa hat auch ein Wörtchen mitzureden. Am Ende nimmt die Geschichte jedoch eine unerwartete Wende.

In den Szenenübergängen singt der jungen Tenor Daniel Bentz. Er soll mit seinen Darbietungen von Mozart bis Verdi daran erinnern, was aus Raffaele hätte werden können. So wurde aus dem Theaterabend auch eine musikalische Sternstunde.

Publikumsmagnet Jörg Schneider

Die Kulturkommission Oberengstringen lud ein – und die Leute kamen am Freitagabend in Scharen. Dazu sagt die Präsidentin der Kuko, Gisèle Schelling: «Das ist ja wirklich wunderbar, wieder einmal so viele Leute hier an einer unserer Veranstaltungen zu haben.» Bestimmt seien sehr viele Theaterfreunde wegen Jörg Schneider gekommen. Zudem: «Wir haben unser kulinarisches Angebot vor, während und nach der Aufführung erweitert», so Schelling. «Aber auch die Kombination von Oper und Theater war für mich amüsant und packend zugleich», sagt sie weiter.

Auch dem Oberengstringer Gemeindepräsidenten André Bender gefiel die Inszenierung: «Ich fand es ein wunderschönes Stück. Ich glaube auch, dass die Leute viel Freude und Spass daran hatten.» Vom Opernsänger Daniel Bentz war er fasziniert: «Wegen ihm hatten einige sogar Tränen in den Augen.» Eveline Huber aus Oberengstringen sagte nach der Aufführung: «Mir hat das Theater sehr gut gefallen. Vor allem das einfache Bühnenbild hat mich beeindruckt. Und da ich ja auch nicht mehr die Jüngste bin, gibt mir das Stück ‹Letschti Liebi› schon ziemlich zu denken.» Diese Ideen zum Alter werden sie bestimmt später noch begleiten.