Oberengstringen
Die Kirchenorgel wurde Opfer eines Vandalenakts

Zehn Pfeifen der Orgel lagen verbogen am Boden, am Opferstock gab es Spuren eines versuchten Einbruchs: In der Kapelle der katholischen Kirche wüteten unbekannte Vandalen.

Manuela Moser
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Die Pfeifen der Orgel sind verbogen und müssen ausgetauscht werden. Facebook/Bernhard Hörler

Die Pfeifen der Orgel sind verbogen und müssen ausgetauscht werden. Facebook/Bernhard Hörler

Bernhard Hörler

Was der Hilfssakristan Étienne Adam am Mittwochmorgen in der Kapelle der katholischen Kirche St. Mauritius in Oberengstringen vorfand, war nicht erfreulich: Zehn Pfeifen der kleinen Kuhn-Orgel aus dem Jahr 1963 waren ausgehängt und lagen verbeult am Boden, am Opferstock gab es Brandspuren – jemand hatte offenbar versucht, Geld zu entwenden.

Dabei hatte Sakristan Claudio D’Inca die Kapelle am Abend zuvor noch intakt verlassen. Um 17.30 Uhr schloss er wie immer die Hauptkirche sowie die Verbindungstür zur Kapelle. Diese bleibt gewöhnlich bis 19.30 Uhr offen und schliesst dann automatisch. Nach D’Incas Weggang müssen Vandalen in die Kapelle eingedrungen sein. «Mit Opferkerzen, die sie zuerst über dem Feuer weich gemacht und dann in den Schlitz des Opferstocks geschoben haben, versuchten sie, Geldnoten rauszufischen.»

Auch das Geld im Opferstock wollten die Vandalen haben. Facebook/Bernhard Hörler

Auch das Geld im Opferstock wollten die Vandalen haben. Facebook/Bernhard Hörler

Bernhard Hörler

Der Versuch sei aber dilettantisch, so der Sakristan weiter, dass Geld am Wachs kleben bleibt, sei unwahrscheinlich. Zudem leert der Sakristan die Opferstöcke jeden Abend – viel Geld wäre also nicht zu holen gewesen. «Es macht mich nachdenklich», sagt D’Inca, «dass es dennoch immer wieder versucht wird.» Bis vor Kurzem habe es vor der Kirche auch oft eine «Sauerei» gegeben – Erbrochenes, Uriniertes, Reste von Haschisch. «Aber was jetzt mit der Orgel gemacht wurde, ist aussergewöhnlich. Unerklärbar auch, dass die Pfeifen einfach so verbeult am Boden lagen, auf den Fusspedalen.»

«Es ist eine unglaubliche Tat»

Der Vandalenakt beschäftigt auch den Dietiker Organisten Bernhard Hörler, der immer donnerstags in Oberengstringen spielt. Er postete das Vorkommnis auf Facebook und sorgte im Netz für Kopfschütteln. «Wer macht denn so etwas?», fragt sich jemand, und eine andere Person findet: «Es darf einfach nicht wahr sein, dass Menschen keinen Respekt vor der Handwerkskunst des Orgelbaus haben.» Auch der reguläre Organist der Kirche Oberengstringen, Luigi Loré, kommentierte mit den Sätzen: «Ich bleibe ohne Worte. Ich finde es unglaublich. Die Orgel in der Kapelle ist für mich wie ein Sohn.» Und er fragt sich: «Warum?» Für Hörler selbst ist der Vandalenakt «unglaublich»: «Ich bin entrüstet über diese Dreistigkeit und Rücksichtslosigkeit.»

Hörler war seinerzeit mit dabei, als die Orgel im Spätsommer 1993 von der Firma Kuhn aus Männedorf gekauft und in die Kapelle nach Oberengstringen gekommen war. Eine grössere Orgel steht in der Kirche nebenan, auch sie war schon einmal einem ähnlichen Vandalismus zum Opfer gefallen. «Die Täter mussten damals sogar eine zwei Meter hohe Absperrung überwinden», erinnert er sich. Das ist nun aber zirka 40 Jahre her und erforderte im Ergebnis noch grössere Reparaturen als der Schaden, der aktuell an der kleinen Orgel angerichtet wurde. Hörler findet deshalb nicht, dass die Zeiten schlimmer geworden seien. «Spekulieren will ich ja nicht, aber wer immer es war – ob Jugendliche oder Erwachsene, ein Bubenstreich oder ein Drögeler auf der Suche nach einem Versteck: Am Schluss sind es immer Einzeltäter, die solche Sachen anrichten.»

Die Orgel ist trotz des Schadens weiter bespielbar. Hörler benutzte sie gestern im Gottesdienst. «Man kann das Instrument zum Glück spielen, denn neun der zehn beschädigten Pfeifen des Hauptregisters klingen noch.» Nur das «d’» sei so verbogen, dass es vorübergehend stumm ist. «Wenn man aber eine andere Tonart wählt oder das Stück in eine andere Tonart transponiert, geht es.» Trotzdem fehlen dem Organisten für den immateriellen Schaden, den die Tat angerichtet hat, die Worte.

Die Kirchenpflege will den Vorfall am nächsten Dienstag besprechen. Für Sakristan Claudio D’Inca wäre eine Videoüberwachung der falsche Weg: «Es braucht in einer Kirche trotz allem etwas Privatsphäre.»

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