Mein Ding: Wildpflanzen
Die gelernte Hochbautechnikerin kocht heute Vogelbeeren

Lydia Lippuner
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Gabriela Walter vor dem Regal mit Sirups, Likörs und Wildpflanzenprodukten.

Gabriela Walter vor dem Regal mit Sirups, Likörs und Wildpflanzenprodukten.

Limmattaler Zeitung

Sirup aus Waldmeister, Fenchellikör und eingelegte Kornelkirschen: Essbare Wildpflanzen sind Gabriela Walters Spezialgebiet. Ihr Büro und Lagerraum in Dietikon hat sie mit Holzregalen und einem Naturholztisch ausgestattet. Der Laptop auf dem Tisch ist zugeklappt: «Ich bin froh, wenn die Papierarbeit nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt», sagt die gelernte Hochbautechnikerin. Die 46-Jährige hat ihren Bürojob längst gegen den Gartenbau eingetauscht. Was anfänglich als Jahres-Praktikum in einer Gärtnerei begann, endete in einer beruflichen Neuorientierung. Sie blieb während sechs Jahren in einem Gartenbauunternehmen. «In dieser Zeit störte ich mich immer mehr an der konventionellen Gärtnerei», sagt Walter. Denn sie wollte mehr als nur gärtnern: Ihr Fachwissen sollte den Kunden zu umweltbewusstem Denken und einem pflegeleichten Garten verhelfen. Immer wieder nahm sie private Anfragen an, sodass es ihr bald zu viel wurde und sie ihre Stelle kündete.

«Zu meiner Kundschaft gehören sowohl Leute vom Zürichberg als auch solche, denen man schon von Weitem ansieht, dass sie sehr öko sind», sagt sie. Was all ihre Kunden gemein haben, sei, dass Wissen gefragt sei, welches der Pflanzenvielfalt gerecht werde und den Pflegeaufwand gering halte. «Ich berate die Leute gerne, viele arbeiten direkt mit mir im Garten», sagt sie.

Aus der Vernetzung von Garten und Natur entstanden auch die kulinarischen Wildpflanzenspezialitäten. Diese sammelt sie im Limmattal und in den Gärten ihrer Kunden. Manche Leute schreiben ihr, wenn sie eine essbare Wildpflanze entdeckt haben, beispielsweise Flieder oder Vogelbeeren. Aus Letzteren kocht sie eines ihrer Lieblingsprodukte. Aber auch auf den Japanischen Knöterich würde Walter nicht mehr verzichten. Wohl wird dieser von vielen als Unkraut und Problempflanze verurteilt, doch für sie ist er ein weiteres Lebensmittel, das ins Einmachglas wandert.

Sekt statt Sirup

In der Küche, die sie mit anderen Start-ups teilt, probiert Walter immer wieder neue Produkte aus. Da können auch überraschende Kreationen entstehen: Etwa, als der Robinien-Sirup sich in Sekt verwandelte, da ihm der Zucker fehlte. «Ich mache viele Erfahrungen und probiere vieles aus. Einmal machte ich aus misslungenen eingelegten Sprossen einen Chutney», sagt Walter. Das sei ein Renner gewesen. Trotzdem fokussiert sie sich nicht auf Verkaufsschlager. Wenn sie das täte, könnte sie einfach auf schon bekannte Produkte setzen: «Das ist aber nicht mein Ziel, ich möchte für unbekannte Pflanzen Werbung machen», sagt sie. Sie wolle die Leute mit ihren Artikeln verblüffen und überraschen.

Immer neue Aha-Erlebnisse

Dass dieses Ziel Knochenarbeit ist, ist ihr längst bewusst. «Von diesen Produkten kann ich nicht leben.» Das wurde ihr schnell klar. Ursprünglich wollte sie noch weitere Produkte aus Wildpflanzen machen, beispielsweise Seife oder Kirschkernsäckli. Stattdessen beschränkte sie sich dann auf das Kulinarische und kaufte Wildpflanzenprodukte bei anderen Herstellern ein. «Um Zeit für alles zu haben, reduziere ich das eigene Sortiment sogar», sagt Walter. Trotz der Belastung als Selbstständige hat Walter den beruflichen Wechsel nie bereut. «Im Moment ist der Mix zwischen Büro und Garten gerade richtig», sagt sie. Nie mehr im Garten zu arbeiten, sei wohl das Schlimmste, das ihr passieren könnte. Das Arbeiten mit den Händen und die Aha-Erlebnisse in der Natur motivieren sie immer wieder. Und solche Erlebnisse gebe es viele: «Zum Beispiel, wenn auf einem Flachdach unter der brütenden Sonne eine Sumpfpflanze wächst.»

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Sind auch Sie «besessen» von einer Sache? Wollen Sie zeigen, was Ihr Ding ist? Dann schreiben Sie uns ein E-Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch oder einen Brief an Limmattaler Zeitung, Redaktion, Heimstrasse 1, 8953 Dietikon.

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