Bezirksgericht Dietikon

Die fünf Drogen-Schmuggler werden abgeschoben

Die kolumbianischen Drogenkuriere werden nun in ihr Heimatland ausgeschafft.

Das Bezirksgericht verurteilt fünf junge Kolumbianer zu bedingten Freiheitsstrafen von zwei Jahren.

Während der Gerichtsverhandlung im Februar waren bei einigen der fünf Beschuldigten noch Tränen über die Wangen gekullert. Gestern bei der Urteilseröffnung huschte nun bei den 21- bis 29-Jährigen ein kurzes Lächeln übers Gesicht. Sie wurden zwar allesamt – und angesichts der Beweislage erwartungsgemäss – der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Doch müssen sie nun nicht länger hinter Gittern bleiben – schon heute oder morgen dürften sie vom Zürcher Migrationsamt abgeholt und in ihre Heimat nach Kolumbien zurückgeschafft werden.

Theoretisch hätte den fünf Männern, die sich nun seit mehr als acht Monaten in verschiedenen Gefängnissen befinden, eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren drohen können. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer immerhin teilbedingte Strafen von drei Jahren verlangt, die zur Hälfte hätten vollzogen werden sollen. Deren Verteidiger hatten hingegen auf bedingte Strafen zwischen 15 und 18 Monaten plädiert.

Das Bezirksgericht Dietikon blieb nun mit seinen gestrigen Urteilssprüchen deutlich näher an den Anträgen der Verteidigung als an jenen der Anklage: Es verurteilte alle fünf Kolumbianer zu Freiheitsstrafen von 24 Monaten, die es bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren aussprach. Zudem verhängte es Landesverweise für sieben Jahre, die im gesamten Schengen-Raum gültig sind.

Die fünf Männer hatten im Juli 2018 versucht, Kokain in die Schweiz zu schaffen. Sie waren von Bogota nach Paris geflogen, wo sie abgeholt und mit einem Auto nach Dietikon gefahren wurden. In einer Wohnung an der Heimstrasse hätten die fünf jungen Männer ihr Transportgut übergeben sollen, wären sie da am 3. Juli 2018 um 5.26 Uhr nicht verhaftet worden.

Sie alle hatten vor der Reise viele mit Drogen gefüllte Fingerlinge geschluckt. Zwischen 26 und 34 Stück waren es gemäss Anklageschrift, 620 bis 810 Gramm reines Kokain transportierte jeder so in seinem Magen von Bogota nach Dietikon. Von einer «beträchtlichen Menge harter Drogen» sprach der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Schwelle zum schweren Fall sei damit von jedem einzelnen Beschuldigten um ein Mehrfaches überschritten worden.

Keine eigentliche Notlage

Die fünf Männer hatten in der Gerichtsverhandlung im Februar erklärt, dass sie sich aus finanzieller Not für diesen Drogentransport zur Verfügung gestellt hatten. Der eine hatte auf seine Familie verwiesen, die von seinem Geld abhängig sei. Ein anderer hatte erklärt, keine Krankenversicherung, aber beträchtliche gesundheitliche Probleme zu haben. Ein weiterer wiederum hatte über zu wenig Arbeit und zu viele Schulden geklagt. Allen fünf schien diese Reise ein Ausweg aus der Misere zu sein; die Hintermänner des Drogengeschäfts hatten ihnen für den Transport je rund 4000 Franken in Aussicht gestellt.

Der Richter sprach diesbezüglich von einer «egoistischen Motivlage». Die fünf Männer hätten aus rein finanziellen Gründen gehandelt. Eine eigentliche Notlage sah das Gericht nicht vorliegen: «Die Beschuldigten waren nicht gefährdet, sie waren nicht an Leib und Leben bedroht.» Es gebe auf der Welt viele Menschen, die in prekären Verhältnissen leben müssten. Es kämen aber nicht alle in die Schweiz, um hier zu delinquieren.

Ein Transport als erste Tat

Dass sich die fünf Männer aber aus ihrer Perspektive in einer wirtschaftlichen Notlage befunden hatten, anerkannte das Gericht durchaus. Andernfalls hätten sie sich nicht bereit erklärt, die mit Kokain gefüllten Fingerlinge zu schlucken, die im Magen hätten aufplatzen können. «Man setzt ja nicht einfach so seine Gesundheit derart aufs Spiel», sagte der Richter.

Das vom Staatsanwalt geforderte Strafmass von drei Jahren stufte das Dietiker Bezirksgericht insgesamt als zu hoch ein. Dass die Hintermänner des Drogenschmuggels professionell handeln, könne beispielsweise nicht den fünf jungen Transporteuren angelastet werden. Auch nicht in Betracht fallen könne der Umstand, dass in Kolumbien allenfalls eine höhere Strafe verhängt werden würde.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer davon gesprochen, dass die Männer als Transporteure im weltweiten Drogenhandel zwar nur eine untergeordnete Rolle spielen würden, aber dennoch keine unwichtige: «Ohne sie würden die Drogen erst gar nicht in die Schweiz kommen.» Auch das Gericht wollte den Tatbeitrag der Beschuldigten nicht bagatellisieren. Doch hielt es den Männern zugute, dass ihnen nur ein einziges Tatgeschehen, also nur ein Transport, vorgeworfen werde. Und da es sich bei ihnen zudem um Ersttäter handelt, sei von der Vermutung einer positiven Legalprognose auszugehen und die Strafe damit bedingt auszusprechen.

Für die Tat erachtete das Gericht grundsätzlich eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten als angemessen. Unter anderem wegen der Geständnisse und der gezeigten Reue – die Beschuldigten hatten sich teilweise unter Tränen «bei der ganzen Schweiz» entschuldigt – reduzierte es diese auf die am Ende verhängten 24 Monate.

Wegen der Verurteilung müssten die fünf Kolumbianer auch die Untersuchungs- und Verhandlungskosten tragen; diese wurden aber bereits abgeschrieben, da die Männer das Geld nicht aufbringen können. Auch deren Anwaltskosten übernimmt der Staat. Diese belaufen sich je Anwalt auf 9000 bis 18 000 Franken.

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