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Der Verein Pro Üetliberg kritisiert das Kino am Berg: Steht das «Spektakel über den Dächern» auf der Kippe?

Im Jahr 2004 rief der Uto-Kulm-Betreiber Giusep Fry das «Kino am Berg» ins Leben. Bereits damals wurde das Projekt vom Verein Pro Üetliberg kritisiert. Auch 14 Jahre später wird der Verein gegen das geplante «Spektakel über den Dächern» aktiv.

Alex Rudolf
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Für das Virtual-Reality-Kino am Berg ziehen Wolken auf. Der Verein Pro Üetliberg verlangt vom Stalliker Gemeinderat, die Rechtmässigkeit der Veranstaltung zu Prüfen. Während eines Monats wollen die Veranstalter von «We are Cinema» Virtual-Reality-Filme zeigen. Foto: Severin Bigler

Für das Virtual-Reality-Kino am Berg ziehen Wolken auf. Der Verein Pro Üetliberg verlangt vom Stalliker Gemeinderat, die Rechtmässigkeit der Veranstaltung zu Prüfen. Während eines Monats wollen die Veranstalter von «We are Cinema» Virtual-Reality-Filme zeigen. Foto: Severin Bigler

SEVERIN BIGLER

Von einem «Spektakel über den Dächern» von Zürich sprechen die Veranstalter des Virtual-Reality-Openair-Cinemas auf dem Üetliberg in einer Mitteilung. Und dies dürfte es durchaus werden. Denn zwischen Mitte Juli und Mitte August sollen pro Abend jeweils zwei Vorstellungen für jeweils 150 Personen durchgeführt werden. So sitze man nicht vor einer Leinwand, sondern sei Teil des Films, heisst es weiter. Der Wow-Effekt sei garantiert, da die derzeit eindrücklichsten Virtual-Reality-Kurzfilme zu sehen sein werden. Darunter findet sich etwa ein Film, der ein Blick hinter die Kulissen der SRF-Erfolgsserie «Der Bestatter» ermöglicht, einen über den Auftritt des Jungmusikers Nemo und eine Reportage über Schwerelosigkeit.

Die Durchführung einer Kino-Veranstaltung auf dem Üetliberg ist historisch jedoch vorbelastet. 2004 rief Uto-Kulm-Betreiber Giusep Fry das «Kino am Berg» für 750 Besucher ins Leben. Weil die Anwohner massiven Mehrverkehr befürchteten, wurde der Verein Pro Üetliberg ins Leben gerufen, der das Projekt erfolgreich bodigte und sich im folgenden Jahrzehnt für das Naturschutzgebiet einsetzte. So musste Fry etwa einen Anbau wieder entfernen. Zudem entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit um den Gestaltungsplan Uto Kulm, der die Nutzung des Zürcher Hausbergs regelt.

Problematik ausgeblendet?

Und auch heute, rund 14 Jahre später, ist Pro Üetliberg skeptisch bezüglich der Frage, ob sich ein solcher Kinobetrieb mit den Zielen des Naturschutzes vereinbaren lässt. In einem Brief an den Stalliker Gemeinderat, der dieser Zeitung vorliegt, verlangt der Rechtsvertreter des Vereins, ein baurechtliches Bewilligungsverfahren durchzuführen und die Bewilligungspflicht einer solchen Veranstaltung zu prüfen.

Beim Kino am Berg im Jahr 2004 standen Licht- und Lärmemissionen im Zentrum der Kritik. «Mit Virtual Reality können wir diese Problematik komplett ausblenden. Jeder Besucher bekommt Kopfhörer, wodurch es keinen Lärm gibt», sagt Corinne Oschwald, Mitbegründerin des Veranstalters «We Are Cinema». Bei Virtual-Reality-Cinema handle es sich um ein erprobtes Konzept und die Natur werde keineswegs in Mitleidenschaft gezogen.

«Mit Virtual Reality können wir diese Problematik komplett ausblenden. Jeder Besucher bekommt Kopfhörer, wodurch es keinen Lärm gibt.»

- Corinne Oschwald, Mitbegründerin «We are Cinema»

Aus dem Brief an den Stalliker Gemeinderat geht jedoch hervor, dass es den Naturschützern von Pro Üetliberg nicht mehr primär um die vom eigentlichen Kinobetrieb verursachten Auswirkungen auf die Natur geht. «Auch wenn keine Leinwand vorgesehen ist und die Vorführungen, wie behauptet wird, wenig Lärm- und Lichtemission verursachen, entstehen solche bis in die Nacht hinein durch die Besucher selbst und die Nutzung des Areals», schreibt der Verein.

Weiter sei im Gestaltungsplan ersichtlich, dass die Fläche, auf der der Kinobetrieb vorgesehen ist, ausschliesslich für die Nutzung durch den Gastgewerbebetrieb vorgesehen sei. Die Bedingungen für die Durchführung von anderen Aussenveranstaltungen seien im Gestaltungsplan geregelt, heisst es weiter. Nicht nur soll der Stalliker Gemeinderat über die Bewilligungsfähigkeit des Anlasses befinden: «Da sich das Areal im Bereich einer überkommunalen Schutzverordnung und überdies in einer vom Bund inventarisierten Landschaft befindet, ist die Bewilligungsfähigkeit auch durch das Zürcher Amt für Raumentwicklung zu prüfen», schreibt Pro Üetliberg. Vor der rechtskräftigen Erteilung einer solchen Bewilligung könne der Betrieb nicht aufgenommen werden. Wie dieser Entscheid aus Sicht von Pro Üetliberg aussieht, ist ebenfalls im Brief vermerkt. «Die Bewilligung kann kaum erteilt werden. Denn die Baudirektion wollte mit der Festsetzung des Gestaltungsplans gerade nicht, dass auch dieser Aussenbereich zum Eventbetrieb mit Zusatznutzung zur Verfügung steht.»

Bei der Stalliker Gemeindeverwaltung bestätigt man auf Anfrage den Eingang des Briefes. Da es sich aber um ein laufendes Verfahren handle, können keine weiteren Angaben gemacht werden, sagt Gemeindeschreiber Roberto Brunelli. Man habe jedoch aus den Medien von den Plänen des Uto Kulm erfahren und die detaillierten Unterlagen eingefordert, um die Abklärungen zu treffen.

«Die Zeit würde davonrennen»

Falls die zuständige Stalliker Bau- und Planungskommission zum Schluss kommt, dass die Durchführung des Anlasses nicht mit dem Gestaltungsplan Uto Kulm konform ist, könnte die Veranstaltung auf der Kippe stehen. Denn für ein ordentliches baurechtliches Verfahren muss man mit einer Dauer von zwei bis drei Monaten rechnen, sagt Brunelli. «In diesem Fall würde die Zeit davonrennen.»

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