Schlieren
Streit startet in der Waschküche – und endet vor dem Bezirksgericht

Zettel mit Beschimpfungen und Streit vor der Wohnungstüre: Vor dem Bezirksgericht Dietikon haben sich zwei Nachbarn getroffen, die sich alles andere als grün sind.

Louis Probst
Drucken
Teilen
«Das hat sich aufgestaut. Er hat in der Waschküche alles fotografiert – auch den Filter der Waschmaschine. Und ich hatte einen schlechten Tag. Ich hatte neue Medikamente erhalten, und ich hatte Alkohol getrunken.»

«Das hat sich aufgestaut. Er hat in der Waschküche alles fotografiert – auch den Filter der Waschmaschine. Und ich hatte einen schlechten Tag. Ich hatte neue Medikamente erhalten, und ich hatte Alkohol getrunken.»

Symbolbild: Zvg / Aargauer Zeitung

«Das stimmt, ja», sagte der Beschuldigte. «Ich habe den Zettel an die Türe geklebt.» Auf diesem Zettel an der Türe einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Schlieren stand «Ratte». Wenig später kam es vor der Wohnung gewissermassen zum Showdown: Dabei bezeichnete der Beschuldigte den Bewohner als «Riesen-A... loch». Zudem soll der 65 Jahre alte Rentner gemäss Anklage seinen Kopf durch die geöffnete Türe in die Wohnung gestreckt und dem Bewohner mit der linken Hand gegen die Wange geschlagen haben – was offenbar ohne Verletzung ausging.

Der Beschimpfte erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Rentner. Sie forderte, wegen mehrfacher Beschimpfung, Hausfriedensbruch sowie Tätlichkeiten, eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 300 Franken. Und so trafen sich die Kontrahenten – beide etwa gleichaltrige Schweizer – vor dem Bezirksgericht Dietikon wieder. Aus der Befragung durch Richter Benedikt Hoffmann ging hervor, dass sich die beiden Nachbarn alles andere als grün sind. Der Beschuldigte gab zu, nicht nur den Zettel an der Türe angebracht, sondern den Privatkläger auch beschimpft zu haben. «Ich bin ausgeflippt», erklärte er. «Dabei sind schon ein paar Schlötterlinge gefallen. Schlimme Wörter. Ich war alkoholisiert.»

«Nur meine grosse Nase war in der Wohnung drin»

Er sei jedoch nie in der Wohnung des Privatklägers gewesen. «Die Türe stand offen», sagte er. «Meine Nase war drin. Ich habe ja eine grosse Nase. Aber ich bin nicht in der Wohnung gewesen.» Auf die Frage, ob er denn herumgefuchtelt hätte, meinte er:

«Ich rede immer mit den Händen. Ich habe aber niemanden geschlagen. Ich trage Schmuck. Er hatte aber keine Abdrücke an der Wange.»

Er sei jetzt seit 20 Jahren Mieter in diesem Haus, und er hätte seinen Frieden gehabt bis der Privatkläger mit der Auseinandersetzung um die Waschküche begonnen habe, sagte der Beschuldigte: «Er hat mich bei der Hausverwaltung schlechtgemacht und mich terrorisiert.»

Auf die Frage nach dem konkreten Anlass für den Vorfall an der Wohnungstür erklärte er.

«Das hat sich aufgestaut. Er hat in der Waschküche alles fotografiert – auch den Filter der Waschmaschine. Und ich hatte einen schlechten Tag. Ich hatte neue Medikamente erhalten, und ich hatte Alkohol getrunken.»

Er meinte auch: «Im Haus leben 32 Mieter. Man muss sich ja nicht mögen. Es ist klar, dass man mit zweien oder dreien nicht auskommt. Man hätte aber alles untereinander regeln können.»

Der Privatkläger erklärte, dass man mit dem Beschuldigten nicht habe reden können. «Ich hatte das Gefühl, dass alles nichts nützt.» Deshalb habe er der Hausverwaltung geschrieben. «Ich wäre froh, wenn er etwas aus der Anklage lernen würde.» Dazu räumte der Beschuldigte ein, dass er sich in einer Suchtberatung befinde und dass er bemüht sei, seine Aggressionen im Griff zu haben. Auf die Frage des Richters nach einer Möglichkeit für eine gütliche Einigung meinte der Privatkläger: «Ich sehe keine Einsicht.»

Keine Tätlichkeit, aber eine tätliche Beschimpfung

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfacher Beschimpfung und Hausfriedensbruch zu einer bedingten Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer Busse von 300 Franken. Zudem muss er die Gerichtskosten tragen.

Dass kein Schuldspruch wegen Tätlichkeit erfolge, heisse aber nicht, dass die Tätlichkeit nicht stattgefunden habe, betonte der Richter. Die Ohrfeige, die sehr schwach gewesen sein müsse, werde – als tätliche Beschimpfung – im Schuldspruch der mehrfachen Beschimpfung erfasst. Das Gericht gehe davon aus, dass der Vorfall so abgelaufen sei, wie er in der Anklage dargestellt werde. «Am Sachverhalt besteht kein Zweifel», so der Richter.

Aktuelle Nachrichten