Dietikon
Der Stadtrat rechtfertigt Gesetzesanpassung nach Anfrage aus dem Parlament

«Würde man die bestehenden Konzeptbestimmungen festhalten, könnten die weiteren Bauten und die ebenso wichtige Umgebungsgestaltung nicht mehr in vollem Umfang realisiert werden», erklärt der Stadtrat.

Katja Landolt
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Biegt sich der Stadtrat die Gesetze zurecht, wenn er die Kernzonenbestimmungen lockern will?jk

Biegt sich der Stadtrat die Gesetze zurecht, wenn er die Kernzonenbestimmungen lockern will?jk

Im kommenden Juni oder Juli wird der Dietiker Gemeinderat voraussichtlich über die revidierte Bau- und Zonenordnung entscheiden – und damit über die künftige Gestaltung der Kernzone entlang der Reppisch. So dürften Projekte mit zeitgenössischer Architektur, die von einem durch die Baubehörde eingesetzten Fachgremium als besonders gut erachtet werden, gestalterisch von den Kernzonenbestimmungen abweichen.

Die Teilrevision würde unter anderem dem stadteigenen Projekt «Flussbalkone» auf die Sprünge helfen, das seit gut zwei Jahren kaum vom Fleck kommt (siehe Box). Und genau das machte CVP-Gemeinderat Gabriele Oliveri stutzig. Er stellte dem Stadtrat deshalb folgende Frage: «Warum will der Stadtrat die Kernzonenbestimmungen an das Projekt anpassen, anstatt das Projekt an das geltende Gesetz?»

Das lange Kapitel der «Fussbalkone»

Dem stadteigenen Projekt «Flussbalkone» - Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen, geplant von Stararchitektin Tilla Theus - wurde im Januar 2011 die Baubewilligung erteilt. Ein Nachbar blockierte darauf das Projekt mit einem Rekurs für rund ein Jahr. Die Stadt verlor den Rekurs und passte das Projekt leicht an. Im Sommer 2012 hob dann die kantonale Baudirektion die Baubewilligung wegen Unstimmigkeiten auf. Die Baudirektion entschied, dass gewisse gestalterische Elemente der geplanten Überbauung nicht konform mit den Kernzonenbestimmungen seien. Die Stadt entschied schliesslich in Absprache mit der Baudirektion, die Bau- und Zonenordnung leicht anzupassen. Die Stadt kann nun frühestens Ende Jahr auf die neue Baubewilligung für das Projekt hoffen.

Für den Stadtrat ist klar: «Von der Anpassung profitieren zukünftig nicht nur die Liegenschaften um die ‹Krone›, sondern alle Grundeigentümer der Kernzone.» Eine adäquate Ergänzung der Bauordnung unterstütze eine moderne, qualitätsvolle, integrative und zukunftsgerichtete Nutzung und Ausgestaltung, schreibt er in seiner Antwort weiter. «Sie birgt ein grösseres Potenzial für die Stadtentwicklung als die bisherige Gesetzgebung.»

Dietikon nicht die erste Gemeinde

Der Stadtrat erläutert in seiner Antwort noch einmal die Probleme, die die traditionelle Ausrichtung der Kernzonenbestimmungen mit sich bringe: Sie stünden häufig im Widerspruch zu einer angemessenen und zeitgemässen Bau- und Raumentwicklung; durch die enge Auslegung der Kernzonenbestimmungen könnten komplexe Fragestellungen nicht bewältigt werden. Ausserdem sei Dietikon nicht die erste Gemeinde im Kanton, die ihre Bauordnungen anpassen würde.

Weiter erinnert der Stadtrat daran, dass beim Kreditentscheid zum Projekt «Flussbalkone» im Gemeinderat ein «guter, zustimmender Grundtenor» geherrscht habe, und sich verschiedene Gemeinderäte positiv zur modernen Umsetzung geäussert hätten. «Etwa die Hälfte des ursprünglichen Konzepts wird in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt.

Würde nun an den bestehenden Kernzonenbestimmungen festgehalten, könnten die weiteren Bauten und die ebenso wichtige Umgebungsgestaltung nicht mehr in vollem Umfang realisiert werden», so der Stadtrat. Die Stadt müsste so am heutigen Status quo festhalten. «Die Chance auf eine Aufwertung wäre für Jahre vertan.»

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