Dietikon

Der Stadtrat Dietikon will kein Genderbudget – Gleichstellung werde schon genügend gefördert

Der Dietiker Stadtrat hegt bezüglich Karrierechancen von Männer und Frauen Skepsis. (Symbolbild aufgenommen in Dietikon)

Der Dietiker Stadtrat hegt bezüglich Karrierechancen von Männer und Frauen Skepsis. (Symbolbild aufgenommen in Dietikon)

Der Stadtrat äussert sich zwar ausführlich zu einer Anfrage von Beat Hess – zu Massnahmen ist er aber nicht bereit.

Der Dietiker Stadtrat erachtet es als selbstverständlich, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen anzustreben. So unterstütze er allgemeine Gleichstellungsziele wie gleiche Teilnahmemöglichkeiten für Männer und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Der Stadtrat will aber nicht den ganzen städtischen Finanzhaushalt bewusst darauf ausrichten, die Gleichberechtigung zu fördern. Dieses sogenannte Gender-Budgeting sei sehr aufwendig und der Nutzen fraglich. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage von Gemeinderat Beat Hess (Grüne). Dieser wollte im Juni wissen, ob der Stadtrat sich vorstellen könne, in Zukunft gendergerecht zu budgetieren, um Nachteile von Frauen gegenüber Männern wie etwa tiefere Löhne zu reduzieren.

Stadt stellt gleiche Löhne bereits sicher

Mit dem Konzept des Gender-Budgetings, das erstmals anfangs der 1980er-Jahre in Australien angewendet wurde, werden Budgets so gestaltet, dass Frauen und Männer gleichermassen davon profitieren. So kann eine Regierung über die politischen Strukturen für mehr Gleichberechtigung sorgen. Denn die Geldverteilung ist laut Hess bisher eines der Hauptursachen der herrschenden Ungleichheit: «Vor allem in von Männern ­geschaffenen Institutionen herrscht Ungleichheit. Das Gender-Budgeting setzt dort an», begründete er seine Anfrage. Der Stadtrat zweifelt in seiner Antwort daran, dass Lohngleichheit gesetzlich geregelt werden müsse. Die Stadt stelle gleiche Löhne mit der Personalverordnung bereits sicher, zudem würden Männer und Frauen nicht an allen Arbeitsbereichen gleich viel Interesse zeigen. So seien im Schulbereich deutlich mehr Frauen tätig als Männer, weshalb sie dementsprechend die Mehrheit der ausbezahlten Lohnsumme erhalten, schreibt der Stadtrat.

Auch bezüglich Karrierechancen von Männer und Frauen hegt der Stadtrat Skepsis, ob es einer gesetzlichen Grundlage bedürfe. Die Kaderpositionen der Stadt seien bereits gleichmässig besetzt, so der Stadtrat. In den einzelnen Abteilungen variiere die Geschlechterverteilung aber stark. Kaderpositionen in der Hochbau- und Infrastrukturabteilung seien beinahe nur von Männern besetzt, in der Sozialabteilung hingegen verhalte es sich umgekehrt.

Verweis auf Basel als Vorreiter

Hess selbst freut es, dass seine Kleine Anfrage den Stadtrat zum umfassenden Nachdenken über Geschlechtergleichstellung angeregt hat. Dennoch hegt er Zweifel daran, inwiefern der Stadtrat das Thema als wichtige Angelegenheit anerkennt: «Er besteht aktuell aus sieben Männern, die im Schnitt über fünfzig Jahre alt sind und mehrheitlich in einem traditionellen Familienmodell leben», sagt Hess auf Anfrage. So seien Themen wie Geschlechterrollen aus persönlichen Gründen wohl nicht sehr dringlich.

Dass in der Antwort des Stadtrats keine konkreten Budgetvorschläge erwähnt wurden, bedauert Hess. Er verweist auf den Kanton Basel-­Stadt, der das Gender-Budgeting seit 2009 anwendet: «Basel stellt Personal und Geld bereit, um Gleichstellung zu fördern. Davon hätte man sich inspirieren lassen können.» Für dieses Jahr hat Basel 1,4 Millionen Franken budgetiert; jährlich werden in einer eigenen Abteilung rund 15 Projekte dazu bearbeitet. Vorläufig will Hess diesbezüglich nichts weiter unternehmen, wie er sagt. Seine Partei werde sich aber weiterhin intensiv mit dem Thema Gleichstellung befassen.

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