Dietikon

Der neue Kulturbetrieb «Gleis 21» ist bald bereit: Die Ateliers warten auf Künstler

Carla Hohmeister und Kerstin Camenisch (von links) sitzen im Veranstaltungsraum des neuen Kulturzentrums. Derzeit statten sie die Innenräume aus.

Die Ausschreibung für die Ateliers im Kulturzentrum Gleis 21 läuft.

Carla Hohmeister und Kerstin Camenisch (von links) sitzen im Veranstaltungsraum des neuen Kulturzentrums. Derzeit statten sie die Innenräume aus.

Der Kulturbetrieb «Gleis 21» öffnet am 12. Januar 2019 seine Türen. Die Ausschreibung der Räume läuft.

Es riecht nach Holz und frischer Farbe. Bohrmaschinen, Kabel und Holzlatten schmücken den Eingangsbereich des Kulturzentrums «Gleis 21» beim Bahnhof Dietikon. Zwei Stimmen hallen aus dem grossen Raum daneben. Kerstin Camenisch und Carla Hohmeister platzieren einen Holztisch um. Im grossen Saal wirkt er fast etwas verloren. «Hier sollen künftig Veranstaltungen, Proben und Workshops stattfinden», sagt Camenisch. «Das wird sozusagen unsere neue Stube, wir wohnen ja gleich nebenan im Altberg-Quartier», sagt Hohmeister und lacht. Die beiden Frauen präsidieren den Trägerverein «Gleis 21», den sie vor zwei Jahren gründeten, um der ehemaligen Farbenfabrik Benz kulturelles Leben einzuhauchen.

Nahe am Ziel

Nun sind die Präsidentinnen beinahe am Ziel angekommen. Vor einer Woche haben sie den Mietvertrag mit der Liegenschaftsbesitzerin, der Stadt Dietikon, unterschrieben. Diese sanierte den Rohbau für rund 1 Million Franken vom Frühling bis zum Stadtfest im September. Am 12. Januar 2019 sollen sich die Tore des neuen Kulturzentrums öffnen. «Wir planen eine grosse Feier», sagt Camenisch. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. «Wir sind derzeit damit beschäftigt, die Küche einzubauen, Geschirr und Mobiliar zu organisieren», sagt Hohmeister und zeigt auf den Klappstuhl, auf dem sie sitzt. Von denen habe man bereits genug. «Wir konnten 240 davon zu einem günstigen Preis vom Klangmaschinenmuseum in Dürnten erwerben.»


Selber Hand anlegen

Bis zur Eröffnung müssen auch akustische Massnahmen vollzogen sein. «Es darf nicht so hallen wie jetzt. Das wäre für musikalische Darbietungen störend», sagt Camenisch. Ein Vereinsmitglied kümmere sich derzeit darum. Man sei zudem auf der Suche nach einer Vorrichtung, um den Saal abzudunkeln. «Da wir nicht nur Veranstaltungen, sondern auch Ausstellungen planen, wären Module ideal, die als Stellwände und zur Abdunklung genutzt werden können», sagt Hohmeister. Beide Frauen legen bei der Innenausstattung des früheren Brockis selber Hand an. «Wir werden unterstützt von Vereinsmitgliedern und Freunden. Alles, was man selber machen kann, versuchen wir, in Eigenregie durchzuführen», sagt Camenisch.
An die Lüftung würden sie sich aber nicht trauen. «Dafür braucht es Spezialisten», sagt Hohmeister. Für die beiden Lüftungen im Bistro und dem Veranstaltungsraum rechnen die Präsidentinnen mit Kosten von rund 190 000 Franken. Insgesamt lässt sich die Innenausstattung mit rund 400 000 Franken beziffern. «Derzeit haben wir von Vereinsmitgliedern, Stiftungen und privaten Spendern etwa die Hälfte davon erhalten», sagt Camenisch. Sie sei aber zuversichtlich, dass auch der Rest des benötigten Geldes noch fliessen werde. «Wir sind derzeit mit dem Lotteriefonds in Verhandlung. Wenn alles gut geht, bekommen wir Anfang nächsten Jahres einen grossen Batzen.» Im Gespräch sei man auch mit einigen Dietiker Unternehmen.

Kosten tief halten

So lange das Geld aber noch nicht da ist, muss der Verein mit seinen Mitteln sparsam umgehen. «Wir werden den Einbau der Lüftungen etappieren. Derzeit können wir nur die Lüftung für die Küche des Bistros realisieren. Die für den Veranstaltungsraum muss warten», so Hohmeister. Das sei aber kein Problem für den Kulturbetrieb. «Wir können so zwar keine Grosskonzerte veranstalten, Workshops und kleinere Veranstaltungen sind aber trotzdem möglich», sagt Camenisch.


Die beiden Frauen freuen sich nicht nur auf die neue riesige «Stube», sondern auch auf die Verpflegung im «Gleis 21». Unterdessen haben sie mit Francesca Melia eine Betreiberin für das Bistro gefunden. Die gebürtige Sizilianerin wird italienische Spezialitäten anbieten. «Über den Mittag soll es zwei Menüs geben, die man entweder drinnen oder draussen auf dem gestuhlten Vorplatz essen kann», sagt Camenisch. Paninis und leichte Speisen stünden ebenso auf der Menükarte. Abends könne man zudem italienische Apéros mit Wein und Antipasti-Platten geniessen. Was den Präsidentinnen überdies gefällt, ist, dass sich Melia auch sonst in das Kulturzentrum einbringen will. «Sie plant etwa einen Einmach-Workshop oder einen Arancini-Nachmittag, an dem sie den Teilnehmern verrät, wie man die süditalienische Reisspezialität zubereitet», sagt Camenisch. Genau das sei die Idee des Kulturhauses. «Wir wünschen uns, dass alle Nutzungsflächen zusammenspielen», sagt Hohmeister.

Ideen einbringen

Das wird auch von den Künstlern erwartet, die in die fünf Atelierräume einziehen sollen. Derzeit läuft die Ausschreibung. Interessierte können sich noch bis Ende Oktober bewerben. «Wir sind auf der Suche nach Kreativtätigen, die nicht nur im stillen Kämmerchen für sich arbeiten, sondern bereit sind, Ideen einzubringen und sich am Gesamtprojekt ‹Gleis 21› zu beteiligen», sagt Hohmeister. Bevorzugt behandelt würden regionale Künstler, die im Bereich Kunst, Literatur, Kunsthandwerk, Design, Neue Medien oder Fotografie arbeiten. «Musiker können wir aufgrund der Lautstärke nicht berücksichtigen.»
Es seien bereits einige Dossiers eingegangen. Die Nachfrage scheint gross. Kein Wunder bei den äusserst günstigen Mietpreisen. Ein 20 Quadratmeter grosses Atelier kostet 300 Franken pro Monat. «Wir verstehen uns als Zentrum, das Kultur fördert und unterstützt. Dies soll sich auch in den Mietpreisen widerspiegeln», sagt Camenisch. Schliesslich stünde bei der Ateliervermietung nicht das Geldverdienen im Vordergrund, sondern die Belebung des Hauses. «Zudem zahlen wir der Stadt eine günstige Miete. Das wollen wir so weitergeben.»

Verein Bureau D zieht ein

Ein Mieter steht bereits fest. «Voraussichtlich wird der Verein Bureau D in ein Atelier einziehen, der flexible Arbeitsplätze zur Verfügung stellt», sagt Hohmeister. Eine externe Jury wird dem Verein bei der Auswahl der weiteren Mieter helfen. «So wollen wir sichergehen, dass wir einen guten Mix haben und sich die Leute untereinander verstehen», sagt Hohmeister. Bezugsbereit sind die Ateliers ab Januar. Ausser das Grossraumatelier im Untergeschoss. «Das wird erst im Mai frei, weil der Raum für die Trickfilmausstellung, die im Frühling im ‹Gleis 21› stattfindet, besetzt ist», sagt Hohmeister.

Dass sie nun kurz vor der Eröffnung stehen, können beide noch gar nicht richtig fassen. «Wir haben lange nicht gewusst, wie es weitergeht. Die Verzögerungen aufgrund der Abklärungen über den Zustand der Liegenschaft haben uns den Wind aus den Segeln genommen. Doch jetzt haben wir wieder Fahrt aufgenommen», sagt Camenisch. Zuversichtlich sind die beiden auch, weil sie merken, dass ihr Vorhaben bei der Bevölkerung ankommt. «Viele Leute kamen am Stadtfest auf uns zu und fragten neugierig, was wir planen und lieferten sogar Ideen», sagt Camenisch. Die Dietiker würden sich freuen, dass etwas Neues in ihrer Stadt entsteht. «Genau so wie wir.»

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Autor

Sibylle Egloff

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