Coronavirus

Der kleine Militärkosmos – Praktikant Joël Decurtins berichtet von der Front

Soldaten eines Spitalbataillons trainieren den Ernstfall (Symbolbild). Soldat Joël Decurtins (rechts) wartet derweil noch auf seinen Einsatz.

Soldaten eines Spitalbataillons trainieren den Ernstfall (Symbolbild). Soldat Joël Decurtins (rechts) wartet derweil noch auf seinen Einsatz.

Im Januar begann Joël Decurtins (19) aus Uitikon ein Praktikum bei der Limmattaler Zeitung. Wegen der Coronakrise musste er Mitte März kurzfristig ins Militär einrücken. Wie es ihm dabei ergeht, berichtet er in seiner Kolumne.

Vor rund zweieinhalb Wochen zog ich zusammen mit dem Spitalbataillon 75 in die Kaserne Frauenfeld ein. Wir wurden mobilisiert, um das von Corona-Patienten belastete Gesundheitswesen zu unterstützen. Innert Tagen hatten wir die wichtigsten Aspekte der Pflege aufgefrischt und uns so auf einen Einsatz vorbereitet.

Seit Kurzem helfen erste Soldaten unseres Bataillons im reaktivierten alten Bettenhochhaus des Kantonsspitals Frauenfeld und an weiteren Standorten. Ich und viele andere Soldaten unseres Bataillons sind aber immer noch nicht im Einsatz. Wann es losgeht, wissen wir nicht. Die Ostschweizer Kantone und der Kanton Zürich, für die das Spitalbataillon 75 zuständig ist, sind vom Virus nicht so stark betroffen wie die Kantone, die den anderen drei Spitalbataillonen zugeteilt sind. Doch auch in unserer Region steigen die Fallzahlen weiterhin an. Deshalb will man nicht schon jetzt alle Soldaten auf Spitäler verteilen. Sonst hätte man bei weiterem Bedarf keine Helfer mehr zur Verfügung.

Solange wir auf einen Auftrag warten, verbringen wir unsere Zeit in der Kaserne Frauenfeld. Seit dem Tag des Einrückens leben wir hier in unserem eigenen kleinen, durch einen Maschendrahtzaun begrenzten Kosmos. Bis sich die Lage rund um das Coronavirus beruhigt hat, wird das auch so bleiben. Das Kasernenareal können wir nur während der Einsätze im Gesundheitswesen und in Zukunft hoffentlich auch für kurze Urlaube verlassen.

Die Kaserne besteht im Wesentlichen aus einigen Betongebäuden und etwas Grün, einer Wiese und einem kleinen Wäldchen. Die Möglichkeiten, sich hier während des Wartens zu beschäftigen, sind begrenzt, werden jedoch immer vielfältiger. Studenten und andere, die in Ruhe arbeiten wollen, können dies in einem Arbeitsraum tun. An drei Abenden pro Woche gibt es am Kasernen-­Kiosk Bier und wöchentlich werden mehrere Veranstaltungen wie ein Kino oder Breakdance-Kurse organisiert. Meine freien Stunden verbringe ich mit Lesen, Sport und immer öfters mit Gemeinschaftsspielen. Dadurch scheint die Zeit in unserem kleinen Kosmos etwas schneller zu vergehen.

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