Schlieren

Das Startup-Biotop wächst dank Institut für Jungunternehmen

Albert Schweizer, Standortförderer der Stadt Schlieren, und André Brühlmann vom Institut für Jungunternehmen.

Albert Schweizer, Standortförderer der Stadt Schlieren, und André Brühlmann vom Institut für Jungunternehmen.

Die Ansiedelung des Instituts für Jungunternehmen verspricht neue Arbeitsplätze.

«Für uns ist das wie vorgezogene Weihnachten», freut sich Albert Schweizer, Standortförderer der Stadt Schlieren. Das Geschenk: Das in St. Gallen ansässige Institut für Jungunternehmen (IFJ) lässt sich in Schlieren nieder. Seit drei Wochen führt das IFJ im Schlatter-Hochhaus an der Brandstrasse 24 diverse Schulungen für Startups durch. Das Institut wird aus der Privatwirtschaft finanziert und bietet kostenlos diverse Förderprogramme für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer an. Es soll dazu beitragen, neben dem Bio-Technopark und dem Newtech Club den Aufbau des dritten Clusters zur Förderung von Startups in Schlieren voranzutreiben (siehe Box). Der neue Cluster wird der erste sein, der Unternehmen verschiedenster Branchen offensteht.

Auf der Suche eines neuen Standorts ausserhalb der Stadt Zürich ging das IFJ selber auf die Stadt Schlieren zu. «Hier treffen wir auf eine grosse Bereitschaft, Startups zu fördern, und auf viele leerstehende Gewerberäume zu tiefen Mietpreisen», begründet André Brühlmann, Mitglied der Geschäftsleitung des IFJ, den Entscheid, einen Standort im Limmattal zu eröffnen. Die Kombination von 29 000 Quadratmetern an leerstehenden Gewerbeflächen und einer gezielten Förderstrategie der Behörden bietet ideale Voraussetzungen, Schlieren zu einer wichtigen Startup-Stadt zu machen. «Mit der Ansiedelung des IFJ sind wir definitiv auf der Schweizer Startup-Landkarte angekommen», sagt Schweizer.

Brühlmann hat eine klare Vorstellung davon, was ein Startup ist: «Ein Startup ist eine Firma, die es weniger als fünf Jahre gibt und die Arbeitsplätze schaffen will», führt er aus. Es ist vor allem diese letzte Eigenschaft, auf die es die Stadt Schlieren abgesehen hat. Schlieren hat heute 15 000 Arbeitsplätze, laut Schweizer gibt es Potenzial für weitere zwei- bis viertausend. «Natürlich hoffen wir, dass sich von den vielen Startups, die hier gefördert werden, auch einige als erfolgreiche Unternehmen in Schlieren ansiedeln werden», sagt der Standortförderer.

Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze habe er von der Stadt primär den Auftrag, Leerbestände bei Gebäuden abzubauen und eine Gemeinschaft innovativer Unternehmen aufzubauen, sagt Schweizer. Erst in einem nächsten Schritt gehe es auch darum, zusätzliche Steuereinnahme für die Stadt zu generieren. Viele der in Schlieren geförderten Unternehmen brauchten zuvor jedoch viel Zeit, eine gewisse Grösse zu erreichen, erklärt Schweizer.

Wie das IFJ fördert

Das IFJ ist die grösste Networking-Plattform für Unternehmerinnen und Unternehmer der Schweiz. Jährlich nehmen über 12 000 Personen an den Schulungen des Instituts teil. Durchgeführt werden diese Kurse von grossen Unternehmen in ihrem je eigenen Fachgebiet: Google führt in die Grundlagen der Onlinewerbung ein, «Pricewaterhouse Coopers» bietet einen Kurs mit dem Titel «Businessplan und Finanzierung» an und Microsoft vermittelt Wissenswertes zu IT-Infrastrukturen. Weil diese Firmen ein Interesse daran haben, dass innovative Startups gegründet werden, vermitteln sie ihr Know-how, ohne dafür bezahlt zu werden.

Dass Unternehmen in der Schweiz viel Geld in die Förderung von Startups investieren, sei zur Normalität geworden, sagt Brühlmann. «Mittlerweile sind alle grösseren Unternehmen in der Startup-Förderung engagiert. Viele von ihnen über eigene Stiftungen.» Diese Unternehmen seien immer auf der Suche nach innovativen Projekten. Aus vielen Startups würden später willkommene Geschäftspartner; oder ein grösseres Unternehmen könne sich die Innovationskraft eines Startups durch einen Aufkauf aneignen.

Die Arbeit des IFJ wird von vier Schweizer Firmen – Abacus, Mobiliar, Post Finance und Swisscom – finanziert. Neben der Organisation von Einzelkursen gehören zu dieser Arbeit auch umfassende Förderprogramme. Das 2007 ins Leben gerufene Programm «Venture Kick» etwa unterstützt vielversprechende Geschäftsideen mit insgesamt 130 000 Franken Startkapital, wenn sie von einer Jury aus Experten und Investoren als zukunftsträchtig beurteilt worden sind. Durch «Venture Kick» kamen bisher über 350 Startups in den Genuss von 16 Millionen Franken Fördergeldern. Weitere 700 Millionen kamen von zusätzlichen Investoren. Die geförderten Startups schufen über 3500 neue Arbeitsplätze.

Führt eine Geschäftsidee auf diesem Weg bis zur Gründung eines Unternehmens, hat dieses gute Chancen auf Erfolg. «Von den etwa 350 Unternehmen, die wir gefördert haben, sind ausser einem einzigen noch alle am Markt tätig», sagt Brühlmann.

Eine unerschöpfliche Quelle von Ideen für Startups sind die Hochschulen, vor allem die ETH Zürich und die «École polytechnique fédérale» in Lausanne. Von den bestplatzierten Startups auf einem vom IFJ und der Handelszeitung jährlich durchgeführten Ranking haben eine Mehrzahl ihren Ursprung an einer dieser beiden Hochschulen. «Dementsprechend siedeln sich viele Startups in deren Nähe an», erklärt Brühlmann. Ein weiterer Faktor also, der dem Standort Schlieren zugutekommt.

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