Händeschütteln, Stühlerücken, Dossierübergabe. Der Ablauf wiederholt sich gestern Nachmittag fast alle fünf Minuten an jedem der 16 Tische im Reformierten Kirchengemeindehaus in Dietikon. Jugendliche streichen sich etwas nervös durch die Haare oder reiben ihre Hände auf den Oberschenkeln, während Erwachsene sich über ihre Bewerbungsunterlagen beugen und ihnen Fragen stellen. «Was sind Ihre Stärken?», «Was reizt Sie an diesem Beruf?», «Fühlen Sie sich eher in einer ruhigen oder hektischen Umgebung wohl?», wollen die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner am Lehrstellenmarkt der Bezirke Dietikon und Affoltern von den jungen Menschen wissen.

Das Berufsinformationszentrum (biz) Urdorf veranstaltet den Anlass bereits zum vierten Mal. 16 Betriebe nehmen am diesjährigen Lehrstellenmarkt teil. Sie haben 18 Grundbildungen und 68 Lehrstellen zu vergeben. «Wir haben festgestellt, dass viele Betriebe am Ende des Schuljahrs noch über offene Lehrstellen verfügen, während gleichzeitig noch viele Jugendliche eine Lehrstelle suchen. Diesem Missverhältnis wollen wir mit dem Lehrstellenmarkt entgegenwirken», sagt Markus Eggler vom biz Urdorf.

Schnupperlehre vereinbaren

Der Anlass diene als Plattform, wo sich Jugendliche und Betriebe treffen könnten, so der Berufs-, Studien- und Laufbahnberater. «Vor allem Jugendlichen, dieim persönlichen Kontakt einen besseren Eindruck hinterlassen als in den Bewerbungsunterlagen, kommt der Anlass zugute.» Doch nicht nur für sie bringt dieser Vorteile. «Es vereinfacht den Rekrutierungsprozess für die Betriebe», sagt Eggler. Funktionieren tue es wie bei einem Speed-Dating. «Es gibt ein kurzes Gespräch, in dem sich die Jugendlichen vorstellen können und man sich gegenseitig kennen lernt. Wenn der erste Eindruck überzeugt, kann ein weiteres Vorstellungsgespräch oder sogar eine Schnupperlehre vereinbart werden.»

Die Hoffnung der Jugendlichen ist gross, durch den Besuch des Lehrstellenmarkts einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. «Ich wünsche mir, dass ich eine gute Lehrstelle finde. Ich habe letzte Woche die Gymiaufnahmeprüfung absolviert und habe kein gutes Gefühl. Für den Fall, dass es nicht klappt, will ich vorbereitet sein», sagt der 16-jährige Kevin Miani aus Affoltern am Albis. Am liebsten würde er eine Ausbildung zum Chemielaboranten machen, doch da eine solche am Lehrstellenmarkt nicht angeboten werde, bewerbe er sich für die Lehrstelle als Elektroingenieur bei der Dietiker Firma Elektro Life.

Nilanthi Srishankar aus Urdorf interessiert sich wie viele der Teilnehmenden für eine Lehre als Kauffrau. «Ich habe mich bereits auf Gemeindeverwaltungen und bei Spitälern beworben, aber nur Absagen erhalten», sagt die 14-jährige Sekschülerin. Deshalb versucht sie ihr Glück bei der Urdorfer Firma Lange, die Etiketten für Kosmetika, Pharmaprodukte und Lebensmittel herstellt. «Ich bin bei den vergangenen Vorstellungsgesprächen zu unsicher aufgetreten», sagt sie.

Davon ist im Gespräch mit Barbara Schilliger und Ralf Schneitter von der Firma Lange wenig zu spüren. Sie sind zum ersten Mal beim Lehrstellenmarkt dabei. «Der erste Eindruck ist für uns sehr wichtig», sagt Geschäftsführerin Barbara Schilliger. Es sei viel besser, wenn man die Person vor sich habe statt eine anonyme Bewerbung auf dem Bürotisch, findet ihr Kollege Ralf Schneitter. «In einem drei- bis vierminütigen Gespräch erfährt man viel mehr als in einem Bewerbungsdossier», sagt er. Auch für Nadja Goutziomitros von der Dietiker Elektroinstallationsfirma Jaisli-Xamax ist der persönliche Kontakt vor der Lehrstellenvergabe essenziell.

«Der Funke muss überspringen», sagt die Berufsbildnerin. Man suche nicht einfach nur nach Lernenden, die eine Ausbildung zum Automatikmonteur oder zur Automatikmonteurin machen wollen. «Wir bieten Perspektiven und behalten die Personen nach dem Anschluss der Lehre.» Das sei eine gegenseitige Verpflichtung. Deshalb müsse ein Grundinteresse vorhanden sein, auf dem man aufbauen könne. Goutziomitros ist überzeugt, dass sie auch dieses Jahr die offene Lehrstelle mit einer Person besetzen kann, die den Lehrstellenmarkt besucht hat. «Mit zwei Interessierten haben wir eine Schnupperlehre vereinbart. Einer davon wird unser neuer Lernende.»