Dietikon
Christian King: «Seid mutiger ihr Politiker und Planer!»

Ein Visionär fordert, gute Ideen durchzusetzen, statt faule Kompromisse einzugehen. Dürfte er wünschen, würde der Visionär Christian King für die BD-Bahn einen Tunnel bauen.

Sarah Serafini
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Christian King sorgt sich um die Entwicklung von Dietikon.

Christian King sorgt sich um die Entwicklung von Dietikon.

Limmattaler Zeitung

Die BD-Bahn rollt in die unterirdisch liegende Haltestelle am Bahnhof Dietikon ein. Passagiere steigen aus und eilen die Treppen hoch, um ihren Anschluss auf die Limmattalbahn oder den Zug zu erwischen. Einige schlendern auch gemütlich durch die grosse Bahnhofshalle, einem Platz, der Zug, BD-Bahn und Limmattalbahn vereint und über den sich ein schönes Glasdach wölbt. Sonnenstrahlen werfen lustige Schatten in die Halle. Statt des länglichen Bahnhofgebäudes steht da ein modernes Hochhaus. Endlich gibt es mehr Platz und Raum für alle.

Wäre in Dietikon das Wünschen gratis, so würde Christian King einen Bahnhof nach seinen Vorstellungen gestalten. Die Limmattalbahn hielte gleich neben den Zuggleisen. Die Linienführung der BD-Bahn würde er an einigen Stellen unter die Erde verlegen, sodass sie nicht nur in Dietikon, sondern auch ausserhalb - zum Beispiel bei der Haltestelle Reppischhof - weniger oft Kantonsstrassen überkreuzen müssten.

Die Visionen des Dietikers sind nicht etwa unrealistische Hirngespinste, sondern Visionen eines Mannes, der findet: «Dietikon hat den grossen Wurf verdient.»

Schluss mit faulen Kompromissen

King ist weder Politiker noch Architekt oder Raumplaner. Er ist der typische Pendler, der jeden Morgen mit der S12 nach Stettbach fährt, dort auf die Glattalbahn umsteigt und bis nach Wallisellen weiterfährt, wo er als Verkaufssupporter in einem Unternehmen arbeitet, das das interne Postsystem in Geschäften optimiert. King ist kein Fan von halben Sachen. Packt er etwas an, dann tut er dies richtig, ist gründlich und zieht es von A bis Z durch. Das sagt er zumindest über sich selbst. Er mag Pläne. Vor allem wenn es um die Planung derjenigen Orte geht, die vor der eigenen Haustüre liegen, ist sein Interesse geweckt.

King sitzt im Caffè Spettacolo unter einem Sonnenschirm und nippt an seinem Eistee. Hinter ihm fährt die BD-Bahn mit grossem Geläut um den Rank. «Jetzt kommt sie angefahren und muss wieder pfeifen. Ständig müssen sie aufpassen, dass sie niemanden überfahren.» Warum also nicht etwas Neues wagen und einen Tunnel bauen? King findet, es ist an der Zeit aufzuhören, faule Kompromisse einzugehen. Auch bezüglich der Limmattalbahn: Das Ziel müsse doch sein, möglichst kurze Wege zu schaffen. Wieso also die Haltestelle 120 Meter vom Bahnhof entfernt beim Hotel Sommerau anlegen?

Gemurkse von 1980 wiederholt sich

Stellt sich King solche Fragen, erinnert er sich zurück an das Dietikon, das er 1980 als Neuzuzüger antraf. Sein damaliger Vermieter war Alfred Portenier. «Ein Zürcher Pelzhändler, der damals die ganze Zentrumsplanung durcheinander brachte», sagt King. Denn Portenier gehörten mehrere kleine Häuser im Zentrum, die er nicht verkaufen wollten. «Mit diesen Schachfiguren konnte er alles blockieren.» Mutlose Kompromisse seien gemacht worden. Die Stadt habe schliesslich um seine Häuser herumbauen müssen. «Noch heute leiden wir in Dietikon unter der damaligen Zentrumsplanung. Wir haben ja nicht einmal eine richtige Fussgängerzone», meint King.

Mit den zahlreich geführten Diskussionen um die Limmattalbahn scheint sich für King die Geschichte nun zu wiederholen. Wie 1980 hat er das Gefühl, dass es zwar gute Ideen gäbe, es aber am Schluss nur noch ein grosser Murks sei, weil man es allen recht machen wolle.

Liebevoller gestalten

Klar, viele seiner Ideen seien nicht zu Ende gedacht und deren Umsetzung würde viel Geld kosten. Auch über den architektonischen Sinn und Unsinn seiner Visionen könne man sich streiten. Trotzdem ist King der Meinung, dass, wenn in Dietikon schon etwas gemacht werde, dies doch bitte liebevoll und zusammenhängend zu gestalten. Er wünsche sich etwas, worauf die Dietiker stolz sein können. Darum fordert er: «Seid mutig, ihr Politiker und Planer!»

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