Birmensdorf
Geheimnisvoller, als der Geheimdienst erlaubt: Das Theater Birmensdorf und die Stiftung RgZ haben ihre Premiere mit Bravour bestanden

Mit der Premiere des neuen Stücks «Grand Hotel Birmensdorf» landete das Theater Birmensdorf einen Volltreffer. Das zeigten nicht zuletzt die vielen Lacher im Publikum.

Nadia Ehmann
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Viel Action: Es wurde ziemlich brenzlig auf der Bühne.
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Was auf den ersten Blick todernst scheinen mag, war ein sehr unterhaltsames Theater.
Polizisten, Häftlinge und Töchter, die nur «Seich» im Kopf haben: Das Stück Grand Hotel Birmensdorf bot viel Abwechslung.
Das Stück ist an den Film «The Grand Budapest Hotel» angelehnt ...
... basiert aber vor allem auch auf viel Improvisation.
Irgendwie muss man sich die Zeit im Gefängnis ja totschlagen.
Auch faszinierendes Schattenspiel gehört zum Theater.
Nachdem das Theater Birmensdorf wegen Corona lange pausieren musste ...
... ist es nun umso enthusiastischer in die Theatersaison 2022 gestartet.
«Es war sehr lustig, aber gleichzeitig auch spannend. Die Beeinträchtigten und allgemein alle Schauspieler haben ihre Rolle sehr gut rübergebracht», sagte eine Zuschauerin nach der Aufführung. Viele im Publikum sahen es ähnlich.

Viel Action: Es wurde ziemlich brenzlig auf der Bühne.

Nadia Ehmann

«Da isch s Grand Hotel Birmensdorf. Da isch d’Fine, Ihre Concierge. Was kann ich für sie tun?», nahm Evelyne Grob – ganz in ihrer Rolle – das Telefon ab. So begann am Freitagabend das Spektakel im Birmensdorfer Gemeindezentrum Brüelmatt.

Das Theater Birmensdorf und die Stiftung RgZ, die für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung einsteht und deren Integration fördert, hatten zur Premiere ihres Stücks «Grand Hotel Birmensdorf» geladen. Die Geschichte, in drei Akten vorgeführt, war gespickt von lustigen Momenten und vielen Lachern des Publikums.

Die wohlhabende Madame D. ist verzweifelt, denn ihre vier Töchter haben nur «Seich» im Kopf. Darum will Madame D. alle enterben, sogar den Hund der einen Tochter.

Vom Hotel ins Gefängnis

Als die Töchter vom Plan ihrer Mutter erfahren, hecken sie einen gemeinen Plan aus, um doch noch an ihr Erbe zu kommen. Zum Opfer ihres Planes wird Gustave, der der Damenwelt äusserst zu­geneigte Concierge, der daraufhin trotz seiner Unschuld verhaftet wird und ins Gefängnis kommt.

Dort hat er einige Probleme mit den anderen Zelleninsassen – niemand will mit ihm die Zelle teilen. Nach den Anfangsschwierigkeiten mit seinen ­Mitbewohnern kann Gustave schliesslich mithilfe von ihnen und einer Dame, die geheimnisvoller ist, als es der Geheimdienst erlaubt, ausbrechen und vor dem kurligen Polizisten-Trio fliehen. Er will seine Unschuld beweisen, das verschollene Testament finden und die Zukunft des Grand Hotel Birmensdorf sichern. Ob ihm dies gelingt, sei hier nicht verraten.

Beim Publikum kam die ganze Geschichte super an. «Ich bereue es keine Minute», sagte Ursula Tobler aus Uitikon in einer Pause zwischen den Akten, in denen es feines Essen, zum Beispiel auch selbstgemachte Kuchen, gab. Bedient wurde das Publikum von Mitgliedern und Helfern der Stiftung RgZ. «Es war sehr lustig, aber gleichzeitig auch spannend. Die Beeinträchtigten und allgemein alle Schauspieler haben ihre Rolle sehr gut rübergebracht», bilanzierte Ursula Tobler weiter.

Auch Bettina Kempler, die Leiterin der Stiftung RgZ, war von der Premiere begeistert. Es sei für sie eine Herzensangelegenheit und sie sei sehr dankbar, erzählte sie gerührt.

«Ich bin wahrscheinlich nervöser gewesen als die Schauspieler. Sie haben es super gemacht und verdienen meinen vollen Respekt.»

Im Herbst hatten die Proben angefangen. Zum Teil übten sie fleissig den ganzen Tag bis spät in den Abend hinein.

«Man merkte schon, dass mit der Zeit die Vorfreude, aber auch das Lampenfieber, immer mehr gewachsen ist»,

schilderte Kempler. Während den Proben seien sie gut integriert und von allen unterstützt worden und der Umgang sei von Anfang an sehr herzlich gewesen.

Das Stück lehnt sich leicht an den Spielfilm «The Grand Budapest Hotel» an. Der Rest entstand aus Improvisation während den Proben. Dasselbe gilt auch für den Text. Es gab also kein Skript. «Ganz alles wüssed mer au nöd», sagte am Anfang der Aufführung Daniel Elsener, der Präsident der Theatergruppe Birmensdorf. Er ist zufrieden damit, wie die Vorstellung gelaufen ist. Besonders nach der mehrjährigen Durststrecke, während der die Theatergruppe nicht auftreten konnte, ist die ganze Gruppe enthusiastischer denn je in die Theatersaison 2022 gestartet.

Weitere Aufführungen: Nach der Premiere am Freitag, der zweiten Aufführung am Samstag und der dritten Aufführung am Sonntag wird «Grand Hotel Birmensdorf» nächstes Wochenende noch zweimal im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf aufgeführt: am Freitag, 8. April, und am Samstag, 9. April, jeweils um 20 Uhr. Tickets auf www.theater8903.ch sowie montags von 18 bis 20 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr unter 079 293 68 37.

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