Sommerserie (9)
Bienenwachskerzen ermöglichten den Bau der Bruder-Klaus-Kirche

Vor 50 Jahren legten die Urdorfer Katholiken den Grundstein für die Bruder-Klaus-Kirche. Der Erlös aus dem Verkauf von Bienenwachskerzen wanderte an die Bruder-Klaus-Kirche in Urdorf, die man zu bauen gewillt war.

Flavio Fuoli
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1963: Der Grundstein für den Bau der Kirche in Urdorf wird gelegt, sieben Jahre nach der Gründung der Bruder-Klaus-Stiftung. zvg

1963: Der Grundstein für den Bau der Kirche in Urdorf wird gelegt, sieben Jahre nach der Gründung der Bruder-Klaus-Stiftung. zvg

Robert Eigenmann (69) ist quasi ein Mann der ersten Stunde. Oder ein Knabe der ersten Stunde, um es genau zu sagen. Als Mitglied der Jungwacht in Friesenberg, in der St. Theresienkirche in Zürich, half er in den 50er-Jahren mit, Bienenwachskerzen zu verkaufen. Der Erlös sollte an eine gewisse Bruder-Klaus-Kirche in Urdorf gehen, die man zu bauen gewillt war.

Heute ist Eigenmann pensioniert und Vizepräsident der katholischen Kirchenpflege Urdorf sowie deren Personalverantwortlicher. Er erinnert sich: «Dietikon war das Zentrum des Geldsammelns. Schliesslich gehörte die Kirchgemeinde Urdorf damals zu Dietikon.» 1955 gründete man den Kirchenbauverein, 1956 die Bruder-Klaus-Stiftung, welche den Bau der Kirche und der kirchlichen Zweckbauten ermöglichte, wie in der Urdorfer Chronik nachzulesen ist.

An der Schönheimstrasse gab es vor dem Kirchenbau einen Saal, in dem die Urdorfer Katholiken ihre heilige Messe feierten. «Es waren damals viele engagierte Leute in Urdorf, die sich unter Pfarrer Felix Marbach für den Kirchenbau eingesetzt haben», weiss Eigenmann zu erzählen. Die stark wachsende Gemeinde zählte 1960 bereits 1300 Katholiken.

Zwei Jahre Bauzeit

Am Sonntag, 23. Juni 1963, erfolgte die Grundsteinlegung für die Kirche durch die Baukommission. In den gesegneten Grundstein eingemauert wurde eine von Pfarrer Marbach verfasste und von Schwester Petra im Kloster Fahr geschriebene Urkunde, wie in einer eigens kreierten Festschrift geschrieben steht. Der Entwurf der Bauten stammt von Architekt Otto Sperisen aus Solothurn. «Es war nicht leicht für ihn, das umfangreiche Raumprogramm in ein gefälliges, zweckdienliches und finanziell tragbares Projekt umzuarbeiten», schrieb damals der «Limmattaler». Die konstituierende Kirchgemeindeversammlung erfolgte am Freitag, 29. November 1963, im Saal des Restaurants Sonne.

Der Kirchenbau dauerte zwei Jahre, inklusive Glockenturm. «Es ist ein spezieller Turm, sehr schlank, deshalb brauchte er wegen der Statik sehr leichte Glocken», erklärt Robert Eigenmann.

Eigenmann zog 1971 mit der Familie nach Urdorf. Wie hat er die Kirche damals erlebt? «Als schön und modern. Ich habe mich darin wohlgefühlt. Sie war nie überladen. Nur die Akustik war nicht so gut. Man baute danach eine Holzdecke ein. Das war eine der ersten Veränderungen an der Kirche.»

Chorbild sorgte für Unruhe

Eine der grössten Veränderungen bahnte sich Anfang der 90er-Jahre an. Die Künstlerin Eva Pauli fertigte im Altarraum ein 150 Quadratmeter grosses Wandbild in Pastellfarben an. Das Geld für das Chorbild stammt von einem unbekannten Spender. «Wir wissen heute noch nicht, wer es ist», erklärt Eigenmann.

Das Bild jedenfalls sorgte für Unruhe. Eigenmann: «Bei gewissen Leuten stellt es das Schlimmste, bei anderen das Beste dar, was jemals in der Kirche war.» Die aufgrund dieser Sichtweisen entstandene Unruhe ging quer durch die Kirchgemeinde. «Es gibt Leute, die verstehen das Bild nicht, andere finden es hässlich und die einen können mit moderner Kunst nichts anfangen», weiss der Kirchenpfleger. «Andere sind begeistert wegen der Ausstrahlung und der Symbolkraft, welche das Bild darstellt.»

Es kam zur Zerreissprobe in der Kirchgemeinde. Die konservativeren Gläubigen fanden, es brauche ein eigenständiges Kreuz. Viele wandten sich ab. «Ich kann damit leben, dass Leute dafür oder dagegen sind. Problematisch wird es, wenn Sachen herumgeboten werden, die weder Hände noch Füsse haben. Ich persönlich finde das Bild schön. Es steckt Ruhe drin», findet Robert Eigenmann.

Erste Renovationen

Mitte der 80er-Jahre erfolgte eine Aussenrenovation. Damals griff man die Problematik des Betons auf. Eisen kam zum Vorschein und es gab Abplatzungen. Früher hatte man geglaubt, Eisenbeton halte quasi ewig. Doch die Eisen waren zu weit aussen platziert. Vor zehn Jahren wollte die Kirchenpflege das Pfarrhaus baulich verändern und architektonisch aufwerten. Aus finanziellen Gründen lehnten die Pfarreimitglieder das Projekt ab.

Derzeit Renovation

Derzeit wird die Kirche für 1,8 Millionen Franken aussen und innen renoviert. «Wir haben das Notwendige gemacht», sagt Eigenmann, «ausser den Erker der Marienstatue, aber den haben wir an der Gemeindeversammlung separat absegnen lassen.»

Nun harrt noch das Pfarrhaus der Renovation. Das Dach erträgt keinen starken Hagelschlag mehr. Die Hagelversicherung zahlt nicht mehr. Darüber hinaus arbeitet die Heizung für Kirche und Pfarrhaus sehr ineffizient und muss ersetzt werden. Das wird der nächste Sanierungspunkt werden in einer doch ganz erfolgreichen Geschichte der ersten Urdorfer Kirche der Katholiken.

Was man sicher nicht mehr plant: Wohnungsanbauten mit Fremdnutzung, über die die Kirchenpflege in den letzten Jahren noch nachgedacht hatte. «Das gäbe eine Riesenveränderung am Gebäudekonzept», urteilt Robert Eigenmann. Die Kirche soll dem Dorf so erhalten bleiben, wie sie ist.

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