Bezirksgericht Dietikon
Seine Mutter schaute ihm nicht mehr in die Augen: Er tilgte seine Schulden mit dem Verkauf von Marihuana

Zwei Indoor-Anlagen in Unterengstringen und Dielsdorf kommen einen Schweizer nun teuer zu stehen. Zudem darf er sich zwei Jahre nichts mehr zu Schulden kommen lassen, sonst muss er erneut ins Gefängnis.

Cynthia Mira
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In seiner Anlage in Unterengstringen erntete der Schweizer alle drei Monate rund 3,5 Kilogramm Cannabis.

In seiner Anlage in Unterengstringen erntete der Schweizer alle drei Monate rund 3,5 Kilogramm Cannabis.

Symbolbild: Alexandra Wey

Es ist eine Menge Geld, das der Angeklagte bis zu seiner Verhaftung im Juni 2019 mit seinen zwei Indoor-Hanfanlagen verdient hatte. Seine erste Ernte in Unterengstringen fuhr er im Februar 2017 ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erntete er dort im Drei-Monats-Rhythmus jeweils 5 Kilogramm THC-Marihuana. Später wurde es noch mehr.

Pro Kilogramm erhielt er beim Verkauf jeweils zwischen 3700 und 4500 Franken. Mit dem Geld baute der heute 35-jährige Schweizer seine angehäuften Schulden ab. Insgesamt hat der gelernte Automechaniker rund 37 Kilogramm Unterengstringer THC-Marihuana im Gesamtwert von zwischen 140'000 und 170'000 Franken verkauft. Nun muss er unter anderem 11'400 Franken für die Vernichtung der Drogen zahlen.

Ab Dezember 2018 hatte der Mann zudem eine kleinere Anlage in Dielsdorf betrieben. Im Gegensatz zu seinem Standort in Unterengstringen flog jener in Dielsdorf aber sehr schnell auf, sodass er damit nur etwas mehr als 5000 Franken Umsatz machte.

Etwas Gutes kann der Beschuldigte dem Ganzen abgewinnen

Das Bezirksgericht Dietikon hat den Mann zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Es wirke sich strafmindernd aus, dass er sich mit dem Geld keine Luxusgüter gekauft habe, führte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher aus. Das Urteil liege am unteren Rand des möglichen Strafrahmens. Die 36 Stunden Untersuchungshaft dürften ihn genügend beeindruckt haben. «Definitiv», antwortete der Beschuldigte. Bei der Gerichtsverhandlung wirkte er nervös, massierte unaufhörlich seine Finger und zitterte mit den Füssen. Er sagte:

«Wenn ich in der ganzen Geschichte etwas Positives sehen kann, dann, dass ich meinen Bruder wieder habe.»

Es habe seine Bindung zu ihm gestärkt. Mittlerweile sei auch die Beziehung zu beiden Elternteilen wieder gut. «Meine Mutter hatte mehr Mühe als mein Vater», sagte er. «Sie blickte mir lange Zeit nicht mehr in die Augen.» Sie sehe im Anbau von Marihuana dasselbe Verbrechen wie im Dealen mit Heroin. Alle Drogen seien für sie gleich.

Auch die Schulden habe er mittlerweile im Griff, führte der Angeklagte weiter aus. Er arbeite im Betrieb seines Vaters. Diesen wolle er in naher Zukunft auch übernehmen. Seinen Eltern schulde er zwar noch insgesamt etwa 8000 Franken, aber das zahle er monatlich zurück. Er bekundete Reue und gab bereits im Vorfeld der Gerichtsverhandlung das Einverständnis für das Urteil. So konnte das Verfahren abgekürzt werden. Auch sein Verteidiger hatte nichts mehr anzufügen, betonte aber, dass er gewisse Dinge anders gesehen habe. Er ging aber nicht weiter darauf ein.

Aeschbacher mass dem Beschuldigten gute Chancen bei, dass er künftig die Finger von einem solchen Verbrechen lassen würde. Zudem habe er seine Tat gestanden und der Staatsanwaltschaft von Anfang an Informationen über das Ausmass seiner Investition gegeben. Eine Rückverfolgung wäre ohne dieses Geständnis schwierig geworden. Aber Aeschbacher betonte auch:

«Ein solches Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz ist keine Bagatelle.»

Es war einzig die Frage nach seiner Partnerschaft, die dem Angeklagten bei der Gerichtsverhandlung am Montag die Worte raubte. Aeschbacher wollte von ihm wissen, ob er seine langjährige Freundin noch habe. Das brachte ihn auf der Stelle zum Weinen. Mit der Anklage habe die Trennung aber nichts zu tun. «Die Beziehung ging erst letzten Freitag auseinander», erklärte sein Verteidiger.

Das Bezirksgericht Dietikon hat den Marihuana-Produzenten zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Bezirksgericht Dietikon hat den Marihuana-Produzenten zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Severin Bigler

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