Abseits der Bühne muht eine Mutterkuh. Alphornklänge aus den Boxen erfüllen den grossen Stall. Auf der Bühne ist eine gemütliche Wohnstube eingerichtet, mit Blick auf einen Berg, der im Abendrot glüht. «Dort, wo in blauen Fernen die Welten entschwinden, möcht ich dich wiederfinden, mein unvergessnes Glück», singt sehnsüchtig Jungbauer Hubi, gespielt von Massimo Marco Camizzi, Zeilen aus dem Lied «La Montanara».

Authentischer kann die Kulisse für das Musical «Oh Alpenglühn!» des Vereins Hoftheater nicht sein. In 32 Gemeinden tritt es auf Bauernhöfen auf. An diesem Dienstagabend gastiert es zum siebten Mal bei Barbara und Martin Eichenberger auf dem Oberen Schönenberg in Bergdietikon. Regie führt Vereinspräsident Hans Peter Incondi.

Vor der Vorstellung gibt es hofeigenes Angusbeef mit Bratkartoffeln. Engagierte Helfer und Verwandte der Eichenbergers sorgen für das leibliche Wohl der über 200 Theaterbesucher. Die Angusrinder der Familie im Stall sind sich so viel Menschen schon gewohnt. Denn die Eichenbergers führen immer wieder grössere Anlässe auf ihrem Hof durch. Und trotzdem wird man den Verdacht nicht los, dass die Mutterkuh vor freudiger Aufregung gebar. Denn ihr Muhen steht nicht im Drehbuch: «Die Mutterkuh hat gerade ein Kalb geboren, dieses rannte gleich unter dem Zaun hindurch davon. Aus Sorge um ihr Kind muhte sie», erklärt Martin Eichenberger.

Witz und Romantik

Um Gefühle geht es auch auf der Bühne. Die gestresste Starmusicaldarstellerin und Diva Carolin (Katharina Bohny) flüchtet vor ihrem untreuen Ehemann und ihrem Manager aufs Land. Eigentlich will sie sich in einem Wellness-Hotel erholen. Stattdessen landet sie in den Armen des Jungbauern Hubi. Dieser bezirzt sie mit Charme und singt in einem helvetischen Englisch «I never promised you a Rosegarte». Obschon sich die Diva anfänglich noch gegen die Avancen wehrt, kommen sie sich näher. Doch die verstorbene Mutter von Hubi ist beängstigend präsent. Auf der Bühne hängt ihr Porträt. Und nicht zuletzt stört auch der Ehemann.

Das Stück lebt von der Chemie zwischen Hubi und Carolin. Die beiden sind lustig, aber auch unglaublich romantisch. Sogar beim Lied «Dich zu lieben» von Roland Kaiser wissen die beiden, Gefühl und Komik zu kombinieren. «Es war sehr schön und lustig», sagt Besucher Daniel Zaugg aus Glattfelden. Das Lied «Time of my life» habe ihn an sein erstes Date im Kino erinnert.