Bergdietikon

Als der erste Bus nach Bergdietikon fuhr — ein Feiernder erzählt

Der Bus 305 auf seiner Fahrt oberhalb vom Eichholz: Heute ist er selbstverständlich, vor einem halben Jahrhundert war er aber eine grosse Errungenschaft.

Der Bus 305 auf seiner Fahrt oberhalb vom Eichholz: Heute ist er selbstverständlich, vor einem halben Jahrhundert war er aber eine grosse Errungenschaft.

Alt-Gemeindeschreiber Urs Spörri war ganz vorne mit dabei, als die Gemeinde vor 50 Jahren den Anschluss ans öV-Netz vorantrieb.

Laut der Dorfchronik «Grenzen überschreiten» feiert die Gemeinde Bergdietikon in diesem Jahr ein Jubiläum. Und zwar eines, das einem Grossteil der Bevölkerung nicht einmal bewusst sein mag, obwohl er bestimmt täglich damit konfrontiert wird. Denn heute gehört der Anschluss an den öffentliche Verkehr einfach dazu: Busse verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt zwischen Bergdietikon und Dietikon. Zudem gibt es für die Schülerinnen und Schüler eine Direktverbindung am Morgen nach Spreitenbach und drei zurück nach Bergdietikon am Nachmittag.

Der öffentliche Verkehr wird von allen Bevölkerungsschichten genutzt. Vor 50 Jahren hingegen bedurfte eine Fahrt in die nahegelegenen Gemeinden einiger Planung. Denn Bergdietikon wurde laut der Dorfchronik erst 1970 an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Und im ersten Bus sass einer, der heute noch davon zu berichten weiss: Urs Spörri.

Der alt Gemeindeschreiber trat sein Amt im Jahr 1968 an. Damals sei eine Busverbindung noch kein Thema gewesen, obwohl im Dorf bereits darüber diskutiert wurde. Bergdietikon erlebte Ende der 1960er-Jahre einen Aufschwung. «Die Gemeinde war wegen ihrer abgelegenen Lage bei Familien sehr begehrt», sagt Spörri.

Daten der Dorfchronik und offizielle Daten gehen auseinander

Der Bau-Boom der 1950er-Jahre wurde fortgesetzt, die Gemeinde wuchs stark an und der Ausbau der Strassen erfolgte. Damals verkehrte noch ein Migros-Wagen durch das Dorf, der – nebst dem ortsansässigen Volg – die Haushalte mit Lebensmitteln versorgte. Doch wegen der steigenden Bevölkerungszahl reichte dieses Angebot bald nicht mehr aus. «Die Hausfrauen waren zum Einkaufen auf das Auto ihrer Ehemänner angewiesen», sagt Spörri. 

Bald schon nahm also das Gemunkel im Dorf Fahrt auf und die Bergdietiker wurden sich einig: Es braucht einen Bus. Jedoch gehen zu diesem Zeitpunkt die Daten der Dorfchronik und die offiziellen Daten der Verkehrsbetriebe auseinander. Im Jahr 1970 kam der Stein zwar ins Rollen, effektiv fuhr der erste Bus aber erst zwei Jahre später durch das Dorf.

«Vor 50 Jahren wurden Umfragen durchgeführt und eine Buskommission unter dem Präsidium von Ugo Sommer nahm sich diesem Anliegen an», sagt Gemeindeschreiber Patrick Geissmann, der sich wegen einer Anfrage dieser Zeitung durch das Bergdietiker Archiv wühlte. Die Suche ergab, dass viel darüber diskutiert wurde, wo die Haltestellen entstehen sollten und welcher Busbetrieb zuständig sein sollte.

Im Dezember 1971 sagte die ­Gemeindeversammlung Ja

Denn die Lage der Gemeinde verursachte bereits bei der Planung ein Identitätsproblem. «Bergdietikon gehört zum Kanton Aargau. Aber wer hier wohnt, ist im Zürcher Sog gefangen», sagt Urs Spörri. Weil im nahen Dietikon die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) präsent gewesen seien, habe sich der Gemeinderat an das Zürcher Verkehrsunternehmen gewandt. Die Organisation lief jedoch über das Aargauer Baudepartement.

«Am Anfang sah diese Zusammenarbeit ziemlich kompliziert aus», sagt Spörri. «Aber schliesslich ging alles ganz schlank über die Bühne.» Auch heute noch funktioniere die Zusammenarbeit mit den Aargauer Behörden und den Verkehrsbetrieben sehr gut. «Die Chauffeure kommen immer gerne hierher, weil wir bei uns oben so eine schöne Aussicht haben», sagt Spörri und lacht. Vor allem auch für die Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, die in Spreitenbach unterrichtet werden, sei der Busbetrieb heute sehr wertvoll.

Wie dem Protokoll der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember 1971 zu entnehmen ist, hatte die Bus­kommission erarbeitet, dass voraussichtlich 150 Monatsabonnemente gelöst werden und ausserdem 150 Hausfrauen den Bus zwei Mal pro Woche benützen würden. Zudem seien rund 250 Berufspendler auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. An dieser Gemeindeversammlung wurde deshalb eine Defizitgarantie von 30000 Franken für eine neue Buslinie gesprochen.

Limmat Bus AG betreibt die Fahrten

Am 30. Oktober 1972 war es dann so weit: Die erste Busfahrt von Dietikon nach Bergdietikon erfolgte – sehr zur Freude der Bevölkerung. In den Anfängen wurde die Buslinie, die heute als Linie 305 bekannt ist, von der Firma Hürzeler betrieben, wie die VBZ mitteilt. Seit 2002 fährt die zusammen mit der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM Transport AG) gegründete Limmat Bus AG die Busse nach Bergdietikon und retour.

Das Unternehmen verfügt über drei Betriebsstandorte und bedient Liniennetze in den Kantonen Luzern, Aargau und Zürich. Das Streckennetz im Limmattal umfasst 10 Buslinien zwischen Zürich und Killwangen. So wird auch die Linie 315 von Kindhausen nach Spreitenbach von dieser Firma betrieben. Die Limmat Bus AG erbringt diese Dienstleistungen aber nach wie vor im Auftrag der VBZ.

Die erste Fahrt von Dietikon nach Bergdietikon vor 48 Jahren wurde gefeiert: Die Behörden der beiden Gemeinden und Vertreter der Kantone Zürich und Aargau sowie der VBZ wurden eingeladen. «Nach der Busfahrt unternahmen wir eine kleine Wanderung und gingen anschliessend im <Herrenberg> essen», erinnert sich Spörri. «Ich weiss noch, dass die Sonne schien. Es war ein schöner Tag.»

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