Dietikon
Adbusters machen aus Kandidaten Politclowns

Ein lautes Lachen ertönt aus der Unterführung am Bahnhof in Dietikon. Zwei Personen stehen vor einem Wahlplakat und amüsieren sich über die Politiker, deren Aussehen sich über Nacht plötzlich verändert hatte.

Lukas Brügger
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Adbusters degradieren Kandidaten zu Politclowns
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Mit Schablonen und Spraydosen verwandelten die Adbuster Politiker zu Clowns.
SVP-Stadtrat Roger Brunner nahms mit Humor: «Ich überlege mir, einen roten Schnauz wachsen zu lassen.»
Politische Wahlplakate werden oft verschmiert, aber selten geben sich die Täter soviel Mühe und haben eine klare Botschaft.
Die betroffenen Plakate werden wohl demnächst durch neue ersetzt.

Adbusters degradieren Kandidaten zu Politclowns

Lukas Brügger

Ein lautes Lachen ertönt aus der Unterführung am Bahnhof in Dietikon. Zwei Personen stehen vor einem Wahlplakat und amüsieren sich über die Politiker, die über Nacht ein grosses Gebiss und eine rote Nase bekommen haben und plötzlich einen roten Schnauz und ein kleines Hütchen tragen. Eine andere Person schüttelt beim Anblick der bemalten Plakate den Kopf. Die Reaktionen der Passanten sind unterschiedlich.

Und auch die betroffenen Politiker regieren nicht alle gleich gelassen auf die visuellen Veränderungen, die Unbekannte in der Nacht auf Montag an ihrer Wahlwerbung vorgenommen haben. Bei der Polizei sei bereits eine Anzeige gegen unbekannt eingegangen, wie Rolf Wohlgemuth, Leiter der Stadtpolizei Dietikon, gestern auf Anfrage sagte.

Kritik an den Malereien

Manche Politiker lassen sich auch von der Werbung inspirieren. «Ich überlege mir, einen roten Schnauz wachsen zu lassen», sagt SVP-Stadtrat Roger Brunner, der wieder für das Amt kandidiert. Als Politiker müsse man mit solchen Aktionen umgehen können. Auch Peter Wettler, SP-Stadtratskandidat, sieht dies ähnlich, kritisiert aber auch die Verursacher: «Ich vermute, die Täter wollen sich über die hiesigen Lokalpolitiker ganz einfach lächerlich machen.»

Auf den Plakaten entlang der Zürcher- und der Schöneggstrasse sind mehrheitlich Schnäuze und rote Nasen zu sehen. Am Bahnhof Dietikon haben die Verursacher jedoch mithilfe verschiedener Schablonen Elemente auf die Plakate gesprayt. Dabei wurde keine Partei verschont: Politiker unterschiedlichster Couleur wurden in Clowns umgewandelt.

Das Verändern von Plakaten, auch Adbusting genannt (siehe Infobox), trifft man häufig an. Diejenigen vom Dietiker Bahnhof gehören aber zu den schöneren Exemplaren, sagt Gabriela Domeisen, die seit Jahren die Streetart-Kunst in Zürich dokumentiert und archiviert und eine Streetart-Galerie führt. «Adbusting ist zwar häufig anzutreffen, aber so originell bemalte Wahlplakate, wie die in Dietikon, sieht man selten», sagt Domeisen und fügt an: «Mit einfachen Mitteln erreichen die Künstler in diesem Fall eine klare Botschaft.»

Wie lange die bemalten Kandidaten noch zu sehen sind, ist ungewiss. Oft stehen in solchen Fällen bei den zuständigen Unternehmen bereits Ersatzplakate bereit.