Urdorf

60 Lagen Eis in drei Nachtschichten: So viel Arbeit steckt in der Urdorfer Kunsteisbahn

Hinter Shaban Hashani, Leiter der Sportanlagen Weihermatt, und seinen Eismeistern liegt ein anstrengender September. Sie sind froh, dass sie das Eisfeld pünktlich zur Wintersaisoneröffnung heute Samstag fertig stellen konnten.

Es war ein happiger Monat für Shaban Hashani und sein Team. Im September kümmerten sich der Betriebsleiter der Sportanlagen Weihermatt und seine Mitarbeitenden nicht nur um die Ausserbetriebnahme des Freibads, sondern bereiteten auch alles für die Wintersaison vor. Sie wurden sozusagen von einem Tag auf den anderen von ­Bademeistern zu Eismeistern. Die Arbeit haben sie nun vollbracht. Heute öffnet die Kunsteisbahn in Urdorf. Bei einem Rundgang kurz vor dem Auftakt der Schlittschuhsaison zeigt Hashani, wie aufwendig es ist, die 1800 Quadratmeter grosse Fläche in ein Eisfeld zu verwandeln.

Eismeister Lotfi Ben Hamissa kurvt mit der Eisreinigungsmaschine über das glatte Feld. «Wir sind noch dabei, dem Eis den letzten Feinschliff zu verpassen», sagt Hashani und blickt auf die nassen Stellen. Das Areal weise eine leichte Senkung auf. «Damit das Eis überall das gleiche Niveau hat, müssen wir an gewissen Punkten mehr Wasser auftragen.» Bevor die Eismeister das Wasser überhaupt auf die Ebene sprühen können, müssen jedoch bereits einige Arbeitsschritte vollzogen sein.

«Nachdem wir die Fläche gereinigt haben, kühlen wir die Platte während mehrerer Tage auf minus 7 Grad herunter», sagt Hashani. Das sei die Voraussetzung, um die erste ein Millimeter dicke Schicht Eis zu produzieren. Mit Hilfe eines Feuerwehrschlauchs oder der Eisreinigungsmaschine sprühen die Eismeister das Wasser auf die Fläche. «Bei minus 7 Grad gefriert es sofort, es bilden sich keine hohlen Stellen, das Eis wird schön glatt.»

800 Kilo Kreidemehl liegen unter der Eisfläche

Danach kommt Kreidemehl zum Einsatz. Rund 800 Kilo werden auf der Fläche verteilt. «Wenn wir kein Kreidemehl verwenden würden, würde das Feld nicht schön gleichmässig weiss aussehen, sondern eher grau wie der Untergrund», sagt Hashani. Im gleichen Zuge werden die roten und blauen Linien aus Papier angebracht. Dabei werden Hashani und sein Team von Fachleuten unterstützt. «Sie liefern das Kreidemehl, die Schablonen für die Linien und die dafür benötigten Geräte», sagt Hashani.

Darauf folgt die intensivste Arbeit der Eismeister. Sie müssen das Eis aufbauen: insgesamt 60 Schichten. «Weil wir nach jedem Durchgang eine Stunde warten müssen, bis das Wasser einfriert, brauchen wir für den ganzen Prozess mindestens 60 Stunden», sagt Hashani. Dafür legen der Betriebsleiter und sein Team Nachtschichten ein. «Vor allem wenn es draussen noch zu warm ist, müssen wir diese Arbeit nachts erledigen.» Normalerweise bräuchten sie vier bis sechs Nächte dazu. «Doch weil das Wetter gegen Ende Monat kühler wurde, waren zum Glück nur drei Nachtschichten nötig. Den Rest konnten wir tagsüber auftragen», sagt Hashani.

Doch nicht nur das Eis muss bereit sein für die Eröffnung. Das Team hängte 20 Blachen auf, um das Eis vor Sonnenstrahlen zu schützen. Zudem ersetzte man rissige Plexiglasscheiben an den Banden, schliff die Kufen von 350 Schlittschuhen und hängte neue Anzeigetafeln auf. Die Coronapandemie sorgte zusätzlich für Aufwand. Gelbe Abstandsmarkierungen und Pfeile kleben beim Eingang und der Tribüne am Boden. «In der Garderobe herrscht Maskenpflicht. Es dürfen sich maximal 35 Leute zugleich darin befinden. Die Hand­föhne in den WCs mussten wir ausser Betrieb setzen, weil sie sonst Viren durch die Luft jagen könnten», erzählt Hashani.

Maximal 300 Personen dürfen gleichzeitig Schlittschuhlaufen

Auf dem Eisfeld und der Tribüne dürfen sich wegen Covid-19 nur 300 Personen aufhalten. Trainierende Sportvereine wie der EHC Urdorf und der Eislaufclub Urdorf müssen alle ein Schutzkonzept haben, das mit dem­jenigen der Kunsteisbahn abgestimmt ist. «Morgens kommen die Schulen ­vorbei, nachmittags ist das Eisfeld für die Öffentlichkeit reserviert und abends trainieren die Vereine. Das geht gut aneinander vorbei», sagt der Betriebsleiter.

Hashani ist froh, dass sein Team und er rechtzeitig zur Eisfelderöffnung fertig wurden. «Auch wenn ich wegen der Wärme den Sommer lieber mag und die Umstellung herausfordernd ist, freue ich mich jedes Jahr auf den Saisonwechsel.» Das mache schliesslich seinen Beruf so abwechslungsreich.

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